Zehlendorf: Zu wenig Geld für Friedhofstoiletten : Achtung, großes Geschäft verkneifen!

Der landeseigene Waldfriedhof in Zehlendorf ist eigentlich ein Schmuckstück, viele prominente Zeugen der Zeitgeschichte liegen hier begraben. Aber die Toiletten sind in einem skandalösen Zustand, so dass sich die Besucher nicht nur ekeln, sondern für den Bezirk schämen.

Anett Kirchner
Ohne Worte. Zehlendorf, Waldfriedhof. Um die Ecke liegt Willy Brandt begraben.
Ohne Worte. Zehlendorf, Waldfriedhof. Um die Ecke liegt Willy Brandt begraben.Foto: Anett Kirchner

Alles ist schick und fein in Zehlendorf? Nicht wirklich. Schmutzig, unzumutbar und beschämend finden Hannelore Kreuschner und Horst Meyer die öffentlichen Toiletten auf dem landeseigenen Waldfriedhof Zehlendorf. Nur wer sehr, sehr dringend muss, muss hier irgendwie durch. Freiwillig macht das vermutlich niemand. „Es ist wahrlich ein unappetitliches Thema“, sagen die beiden, aber so könne es nicht weitergehen. Zur Kriegsgräber-Gedenkstätte oder zu Trauerfeiern – nicht selten prominenter Verstorbener - kommen hierher Touristen und Gäste aus aller Welt. Und gleich am Friedhofseingang werden sie mit diesem Anblick konfrontiert. Was für ein Empfang!

„Saubere und gepflegte Toiletten sind selbstverständlich“, finden Hannelore Kreuschner und Horst Meyer. Sie wohnen in Lichterfelde-West und kommen regelmäßig auf den Waldfriedhof Zehlendorf. Entweder sie pflegen hier ihr Familiengrab oder gehen spazieren. Denn dieser Friedhof ist gleichzeitig auch ein wunderschöner Park, finden sie. Ein dringendes Bedürfnis sollte man allerdings nicht haben. Dass die sanitären Anlagen unzumutbar sind, beobachten die beiden Friedhofsbesucher schon seit vielen Jahren. Und am Eingang Potsdamer Chaussee ist das stille Örtchen inzwischen komplett geschlossen.

Am Haupteingang Wasgensteig beschreiben Hannelore Kreuschner und Horst Meyer die Zustände so: Beschmierte Wände und Türen, herumliegende Papierreste und anderer Unrat, schmutzige Toilettenbecken, keine Seife, keine Papierhandtücher, kein Toilettenpapier und zeitweise stark verschmutzter Fußboden mit Fäkalienresten.

Schon mehrfach haben sie sich mit diesem Problem an die zuständige Friedhofsverwaltung und an das Bezirksamt gewandt. Bislang ohne Ergebnis. „Zum Beispiel mein Vorschlag, die Toilettentüren nachts abzuschließen, ist nicht umgesetzt worden“, sagt Horst Meyer.

Der Waldfriedhof und die Toiletten
Sanitäre Anlagen am Haupteingang Wasgensteig zum Waldfriedhof Zehlendorf.Weitere Bilder anzeigen
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27.08.2014 12:04Sanitäre Anlagen am Haupteingang Wasgensteig zum Waldfriedhof Zehlendorf.

Auf Nachfrage des Tagesspiegels erklärt die Leiterin des Grünflächenamtes Monika Osteresch: „Unsere Mitarbeiter kontrollieren den Zustand der Toiletten nur während der Dienstzeiten und haben leider keinen Einfluss auf das merkwürdige Verhalten einiger Nutzer.“ Zum Beispiel gebe es Mitmenschen, die die Wasserhähne aufdrehen und mit Kabelbinder fixieren. Außerdem würden Toilettenpapier und Seifenspender entwendet.

Die Toilette am Eingang Potsdamer Chaussee sei wegen Vandalismusschäden geschlossen. Und die Situation auf anderen landeseigenen Friedhöfen in Zehlendorf sei ähnlich. „Toilettennutzer hinterlassen ihren Dreck; nehmen Seifenspender, Toilettenpapier, Handtücher mit und reißen die Halter aus den Befestigungen“, beschreibt sie die Lage.

Die Besucher haben schon oft Klopapier mitgebracht

Dass die sanitären Anlagen auf dem Waldfriedhof am Eingang Wasgensteig im Moment unzureichend gereinigt werden, bestätigt Osteresch und erklärt, dass die bis jetzt tätige Reinigungsfirma trotz Mahnungen eine schlechte Leistung erbracht habe. „Ab dem 1. September wird hier eine neue Firma reinigen, die anhand ihrer Referenzen eine bessere Leistung erwarten lässt“, sagt die Amtsleiterin.

Ein Besucher, der seinen Namen nicht nennen will, aber den Waldfriedhof gut kennt und auch die verschmutzten Zustände beobachtet, glaubt nicht an eine Verbesserung. „Es gab hier schon mehrere Wechsel von Reinigungsfirmen und nie wurde es besser“, sagt er. Das eigentliche Problem sei, dass die Friedhofsverwaltung nicht genug kontrolliere.

Vielleicht könnte man eine Unterschriftenliste anbringen, in der die Reinigungen jeweils bestätigt würden, schlägt der Friedhofsbesucher vor. Und dass das Toilettenpapier oder die Seife ständig entwendet würden, glaube er nicht. „Es ist doch nie etwas da, was geklaut werden könnte!“ Er habe schon mehrfach einige Rollen Toilettenpapier privat mitgebracht und sozusagen gesponsert.

Die Zehlendorfer Friedhofsidylle trügt. Zumindest dann, wenn Mann oder Frau mal müssen.
Die Zehlendorfer Friedhofsidylle trügt. Zumindest dann, wenn Mann oder Frau mal müssen.Foto: Anett Kirchner

In diesem Zusammenhang verweist Monika Osteresch auf die dramatische personelle und finanzielle Entwicklung im Grünflächenamt. Grund sei der Sparkurs des Landes Berlin. Die zuständige Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto (Die Grünen) erklärte dazu kürzlich: „Bei mir gehen täglich fünf bis zehn Beschwerden über die mangelhafte Pflege der Grünanlagen, Straßenbäume, Friedhöfe und Spielplätze ein. Das ist eine Konsequenz der ständig weiter sinkenden Personal- und Sachmittelausstattung.“

Von 600 auf 214 Mitarbeiter

Das Versprechen des Landes, dass bei Fremdvergabe die Mittel in Sachmittel umgewandelt werden können, sei nicht eingehalten worden. Einem Personalabbau von 64 Prozent steht in Steglitz-Zehlendorf ein Sachmittelabbau von 15 Prozent bei einem Flächenzuwachs von vier Prozent gegenüber. 1983 habe das Grünflächenamt noch circa 600 Mitarbeiter für die Grünflächen und die Friedhofspflege beschäftigt. Etwa 2,8 Millionen Euro standen für Sachmittel zur Verfügung, heißt es. Heute sei das auf 214 Mitarbeiter und 2,4 Millionen Euro Sachmittel eingespart worden.

„Es ist höchste Zeit, dass der Senat eine realistische Zielplanung für die Personalentwicklung vorlegt, die die zu leistenden Aufgaben, den Personal- und Finanzbedarf in Übereinstimmung bringt“, fordert Markl-Vieto. Gleichzeitig müsse es den Bezirken freigestellt werden, wie sie ihr Budget umsetzen. Ob nun die personelle und finanzielle Situation unmittelbar mit den verschmutzten Toiletten auf dem Waldfriedhof Zehlendorf zusammenhängt? Um das herauszufinden, schlagen Hannelore Kreuschner und Horst Meyer ein „intelligentes Brainstorming“ vor.

Die Autorin Anett Kirchner ist freie Journalistin, wohnt in Steglitz-Zehlendorf, und schreibt seit Januar 2014 als lokale Reporterin regelmäßig für den Zehlendorf-Blog des Tagesspiegels.




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