Zehlendorfer Autoverkehr : Achtung: Mütter in SUVs!

Dieser Beitrag ist ein Gastspiel: Die Zehlendorfer Bloggerin „Frau Mutter“ schreibt im Zehlendorf-Blog satirisch über andere Mütter mit sehr viel größeren Autos.

Unsere Autorin bloggt auch als „Frau-Mutter“. Der Zehlendorf Blog kooperiert mit www.Frau-Mutter.com
Unsere Autorin bloggt auch als „Frau-Mutter“. Der Zehlendorf Blog kooperiert mit www.Frau-Mutter.comFoto: Anne Kreuz

Die Zehlendorferinnen müssten doch komplett tiefenentspannt sein. Das denkmalgeschützte Haus saniert, die Kinder im Cello-Unterricht, der Cayenne summt so schön und jetzt wird um den Schlachtensee „genordicwalked“.

Von wegen! Morgens zwischen acht und neun Uhr und nachmittags zur Hort-und Kita-Abholzeit bricht Krieg aus!

Rennstrecke Argentinische Allee
In Zehlendorf muss vieles mit dem Auto erledigt werden. Die gestresste Mutter hat ihre riesige To-Do-Liste auch nachmittags noch nicht zügig genug abgearbeitet und rauscht gerne zügig durch die Kopfsteinpflaster-Strassen. Die Argentinische Allee wird dann zu einer sehr beliebten Rennstrecke! Es muss ja nicht gleich die Avus sein.

Unser gebrauchter Volvo V50 hat keine eingebaute Vorfahrt - und eine kaputte Fahrertür. Wenn ich also in Richtgeschwindigkeit, die Autotür zuhaltend über die Argentinische Allee tuckere, gibt es regelmässig Lichthupen-Konzerte von anderen Mamas mit eingebauter Vorfahrt. Geht es nur mir so, dass ich neben dem Fahren auch noch Kaltgetränke nach hinten reichen, verlorene Schnuller suchen und Kinderlieder-DJ sein muss?

Neulich, bei der Kitabholung dauerte das Anschnallen meiner Tochter im Kindersitz offenbar zwei Minuten zu lange. Ich hatte völlig ineffizient noch einen Schlumpf unter dem Fahrersitz gesucht. Plötzlich wildes Gehupe. Eine Frau in einem geländegängigen Fabrikat aus München reißt die Arme in die Luft, fasst sich an die Stirn und schreit unhörbar Unflätiges. Als schließlich mein Kind im Sitz ist und die Dame vorbeifährt, sehe ich zwei Kindersitze auf ihrem Rücksitz. Zu spät! Alles was ich getan habe: Augen zum Himmel und Kopf geschüttelt. Noch nicht mal den Mittelfinger habe ich betätigt! Da wäre doch so ein schöner Streit geworden!

Aggressivität lässt sich auch erlernen: auf Berlins Strassen
Ich glaube, ich muss mal wieder öfters auf die Avus oder auf den Berliner Ring, um das Autofahren à la Berlin neu zu lernen. Mein sozialer Status wird sich demnächst nicht verbessern, ein Autokauf ist nicht geplant. Aber beim nächsten Mal, wenn mir dann eine Mutter zu langsam fährt, kurbele ich das Fenster runter und schreie wahlweise:

„Platz da, Aldi hat gerade wieder Trampoline!“

„DU schnappst mir den Parkplatz weg, dann hetze ICH Dir den Denkmalschutz auf den Hals!“

„Fahr schneller, Alte, meine Villa ist gerade allein zu Haus!“

P.S.: Die Autorin bekennt, dass sie sich nichts sehnlicher wünscht als einen nachtblauen SUV aus Göteborg. Mit eingebauter Vorfahrt.

Die Autorin bloggt regelmäßig unter www.frau-mutter.com und wohnt in Zehlendorf. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.





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