Zehlendorfs grünes Gotteshaus : Die Weidenkirche

Berlin ist eine Open-Air-Stadt und bekommt nun ein Oben-Ohne-Highlight der besonderen Art. Es sprießt aus dem Boden - auf dem Zeltplatz Bäkewiese in Zehlendorf entsteht die erste Weidenkirche Berlins. Ein Baustellenbesuch.

Lea Albring
Es gibt noch viel zu tun auf der grünen Baustelle: Die Weidenkirche auf dem Zeltplatz Bäkewiese braucht noch einen Boden.
Es gibt noch viel zu tun auf der grünen Baustelle: Die Weidenkirche auf dem Zeltplatz Bäkewiese braucht noch einen Boden.Foto: Qiez.de - ©Lea Albring

Schmatz, schmatz. Hier ist es schön schlammig, man muss aufpassen, nicht im Schlick des Bodens steckenzubleiben. Vorbei an zwei Vereinshäuschen geht’s auf einem schmalen, baumgesäumten Weg bergab, hinunter auf die Wiese. Man staunt über die grüne Oasen-Lichtung, lässt den Blick schweifen und bleibt schließlich mit den Augen kleben. Aber woran?

Einem absurd gewachsenen Riesenbusch? Einem futuristischen Baugerüst? Nein und nein: Auf dem Kinder und Jugendzeltplatz Bäkewiese, in greifbarer Nähe zu Potsdam am äußersten Rande Berlins gelegen, befindet sich wohl die grünste und außergewöhnlichste Baustelle der Stadt. Hier entsteht eine offene Kirche aus Weidenruten – ein grünes Gotteshaus.

Die "evangelische Schülerarbeit (BK) Berlin" hat ein Projekt aus dem Boden gestampft, das einzigartig ist für die Region. In Eigenregie entsteht hier eine Freiluftkirche, in deren Kuppelgebilde circa 100 Menschen Platz finden sollen. Als Vorbild dient eine Weidenkirche im bayerischen Pappenheim. Man arbeitet zusammen und lernt voneinander.

In den vergangenen Wochen haben circa 100 Schüler aus verschiedenen evangelischen Gemeinden mit angepackt und den Rohbau, so man denn bei einer Weidenkirche überhaupt davon sprechen kann, fertiggestellt. 400 Weidenruten haben die Schüler und Helfer eingepflanzt, nun soll sich das Grün um die formgebende Stahlkonstruktion ranken. Takeshi Otani, einer der Initiatoren des Projektes, betont allerdings, dass allein die Manpower der Schüler nicht reicht: Architektur, Statik und Landschaftsgärtnerei sind schließlich keine Unterrichtsfächer. Und so wurden Kooperationspartner mit ins Boot geholt: Unter anderem halfen und helfen Azubis der Hans-Böckler-Schule für Konstruktionstechnik, die Rixdorfer Schmiede, die TÜV-Akademie und der Trebbiner Gerüstbau beim Gelingen des Projekts.

Die Autorin arbeitet für QIEZ.de, das Berliner Stadtportal und ein Tochterunternehmen des Tagesspiegels.
Die Autorin arbeitet für QIEZ.de, das Berliner Stadtportal und ein Tochterunternehmen des Tagesspiegels.Foto: privat

Ganz aktuell steht die Bodenfrage auf dem Plan: Für das Innere der Kirche wurden bereits Natursteine ausgesucht, über die genaue Formierung wird noch beratschlagt. Bis spätestens zum 6. Juli sollte das allerdings geschehen sein, denn für diesen Tag ist ein Widmungs-Gottesdienst angesetzt. Durch diesen Hoheitsakt erhält die Weidenkirche einen öffentlich-rechtlichen Sonderstatus: Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten könnten dann hier abgehalten werden. Anfragen soll es schon heute geben. Doch bis dahin muss, fast im wahrsten Sinne des Wortes, erst einmal ein bisschen Gras über die Sache wachsen.

Die Autorin schreibt für QIEZ.de, das Berliner Stadtportal und ein Tochterunternehmen des Tagesspiegels. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin aus dem Südwesten. Details, Infos zu weiteren Aktionen und Ansprechpartner finden Sie hier.




Liebe Leserinnen, liebe Leser,

willkommen im Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf. Unsere lokale Plattform ist offen für Debatten, die die Bürger in Steglitz und Zehlendorf bewegen. Auch direkt aus dem Kiez heraus, aktuell, bürgernah und kritisch. Gerne laden wir auch Sie ein, das Portal gemeinsam mit uns weiterzuentwickeln und zu befüllen; auch die gesellschaftlichen Gruppen und Multiplikatoren sind aufgerufen, eigene Diskussionsbeiträge zu verfassen. Wenn Sie Lust haben, eigene Texte zu liefern, oder Anregungen zu kommunalpolitischen Themen haben, schreiben Sie uns gerne an: steglitz.zehlendorf@tagesspiegel.de

Ihr Team von Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar