Zweirad Taberski - seit 34 Jahren in Zehlendorf : Zehlendorfs Kult-Radladen

An dieser Stelle in Zehlendorf, Machnower Straße 11, war immer schon ein Radgeschäft. Erst "Butzke" und seit 1979 "Zweirad Taberski". Der Zehlendorf Blog hat Detlef Taberski und seinen Bruder Jürgen besucht, und es stimmt: Der Laden ist Kult.

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Die "Biker" von der Machnower Straße. Detlef und Jürgen Taberski und ihre Mitarbeiter Andreas, Volker und Ingo (v.l.n.r.). Zweirad Taberski gibt es seit über 30 Jahren an diesem Ort in Zehlendorf. Foto: ale
Die "Biker" von der Machnower Straße. Detlef und Jürgen Taberski und ihre Mitarbeiter Andreas, Volker und Ingo (v.l.n.r.). Zweirad...Foto: ale

Er war gerade 26 Jahre alt, und er kam aus Rudow. Nein, Detlef Taberski hatte "keine Ahnung", wie er sagt, wo er da in Zehlendorf gelandet ist, und was das überhaupt für ein Ort ist. Er hatte im Einzelhandel gelernt, beim legendären "Berger" in Rudow von 1969 bis 1973, ein Allroundbetrieb, wie es ihn nur vor dem Mauerfall in West-Berlin geben konnte: Autoladen mit Werkstatt auch für Mopeds und Mofas, Tankstelle und Fahrradwerkstatt - ein echter Macher-Laden für Jungs, die Lust am Schrauben hatten. Und Detlef Taberski hatte schon immer Lust darauf, zusammen mit der eigenen Clique im heimischen Kiez, und später auch.

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Der Kult-Radladen von Zehlendorf
Der Kult-Radladen von Zehlendorf

Und da er sich nicht nur beim Basteln in der Werkstatt gut angestellt hat, sondern auch im Verkauf, lag das Unternehmertum offensichtlich im Blut. Es musste nur einen Ort geben, wo er das eigene Können anwenden durfte. Ein paar Jahre später war es soweit, es fragte ihn ein Bekannter aus dem Groß-Handel, ob er nicht Lust habe, einen eigenen Laden zu übernehmen, in Zehlendorf und zwar als "Leer-Laden", ohne Ware.

Taberski sagte spontan zu, und schon war der Jungunternehmer geboren. Er hat im Winter 1978/79 von Null angefangen und mit 60 Zentimetern Schnee vor der Tür - und er ist noch immer da. Das allein ist Indiz für seine Erfolgsgeschichte.

Jetzt ist er 60 Jahre alt, aber er lacht immer noch wie ein Teenager, und vermutlich hilft dieses Lausbubenlachen auch ein wenig weiter im Umgang mit den Menschen, denn man merkt schnell: Hier ist einer gradheraus, ehrlich und bemüht. "Man muss die Leute schon gut behandeln und ihnen immer etwas Neues bieten", sagt er, denn er weiß längst, wie er seine "Zehlendorfer" zu nehmen hat.

Von Geigern und Chirurgen

Am Anfang, als er aus Neukölln kam, war das gar nicht so einfach. In Rudow war die Werkstadt auch ein Treffpunkt von Tüftlern und Bastlern, viele, die vorbeikamen, wussten selbst wie es geht mit den Reparaturen. In Zehlendorf war das ein wenig anders, die Dienstleistung stand klar im Mittelpunkt. Einmal, erzählt Taberski, sei ein Mann gekommen und habe gesagt, er spiele Geige und könne sich nicht die Finger schmutzig machen. Aber, sagt Taberski, wir haben hier auch andere. Zum Beispiel Chirurgen aus den nahe liegenden Krankenhäusern. "Die basteln gern selbst."

Auch Taberskis jüngerer Bruder Jürgen hat im Einzellhandel gelernt, weil es damals noch keine spezielle "Zweirad"-Ausbildung gab. Gemeinsam mit Detlef Taberskis Ehefrau und drei weiteren Angestellten schmeißen sie den Laden, der längst eine Art Kult-Status in der Machnower Straße und in Zehlendorf bekommen hat. Das liegt eben auch daran, dass es "Zweirad Taberski" schon seit über drei Jahrzehnten gibt, aber auch an den exklusiven Marken, die hier angeboten werden.

Ein bisschen taz in Zehlendorf

Die Qualität der Großhändler, das mussten auch die Taberskis in ihrem Business erleben, ließ im Laufe der Zeit und mit wachsendem Kostendruck nach. Anfang des neuen Jahrtausends entstand deshalb die Idee, eigene Marken zu etablieren. Erst war es das "ZT Bike", benannt nach dem Laden, dann kamen das Berlin-Rad und das Rad der Tageszeitung taz hinzu. Gefertigt werden diesen Räder nach den Wünschen der Taberskis in einer kleinen Manufaktur in Altenberg bei Münster.

Ein Bild aus alten Tagen. Detlef Taberski in den 80er Jahren in seinem Laden. Foto: ale
Ein Bild aus alten Tagen. Detlef Taberski in den 80er Jahren in seinem Laden.Foto: ale

Der Unternehmergeist des Vaters ist anscheinend auch auf die Tochter Nina Taberski-Besserdich übergegangen, die ebenfalls in Zehlendorf mit ihrem Mann ein Zehlendorf-Portal betreibt, auf dem man alle wichtigen Informationen über den Bezirk Steglitz-Zehlendorf erhält. Das Banner der Tochter ist natürlich auch im Laden vom Papa nicht zu übersehen.

Fragt man die Brüder Taberski übrigens nach einem Lieblings-Fahrrad, dann müssen sie sehr lange grübeln. Schließlich sagt Bruder Jürgen: "Nö, wir lieben alle Räder!"

Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.

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