• HSchnaars

    Unter Nachbarn

    Holger Schnaars, Schöneberg.

    Das mag ich: Seit 1982 lebe ich gern in der Crellestraße. Das Mit- und Nebeneinander unterschiedlicher Lebensentwürfe, Biographien und Einkommensschichten gilt es – nicht nur hier – zu bewahren. Die Parteien und Verwaltungen sollten ihre Arbeit, ihre Ziele klar darstellen, nicht versuchen, Diskussionen darüber zu vermeiden, sondern diese suchen, um die Akzeptanz auch strittiger Entscheidungen zu erhöhen. Das nervt: Der Fuß- wie Radverkehr ist in Berlin ein großes Thema, leider noch nicht in Tempelhof-Schöneberg. Bereits im Jahr 2008 gab ein leitender Beamter der Radverkehrsabteilung des Senats in einem Interview des Tagesspiegels zum „Radverkehr“ dem Bezirk eine schlechte Note. Seitdem hat sich bezogen auf den Alltagsradverkehr nichts Wesentliches geändert, wenn man davon absieht, dass fördermittelfinanzierte Fuß-/Radstrecken geplant werden bzw. umgesetzt wurden – beispielsweise entlang der S2. Radspuren entlang dem Tempelhofer Damm;  die Bautzener Straße, die „Wannseeroute“ (Monumentenstraße, Langenscheidtstraße, Erdmann- und Helmstraße, Belziger Straße etc), die Goltz-/Akazienstraße, die Handjerystraße als Fahrradstraßen; die Freigabe von Einbahnstraßen für den Radverkehr;  Radstellplätze statt Autoparkplätze? Fehlanzeige! Ist das alles wirklich nicht realisierbar, herrschen (Denk-)Blockaden auf allen Ebenen? Bemerkenswert: Die Kreuzung Helm-/Haupt-/Vorbergstraße ist für den Fuß- wie Radverkehr seit vielen Jahren gefährlich und unfallträchtig. Das Versagen der dafür Verantwortlichen ist hier täglich erlebbar. Das empfehle ich: das „Haus am Kleistpark“ (Aktuell: eine Ausstellung mit Bildern unter anderem des Fotografen André Kirchner), in der Crellestraße das „Museum der Unerhörten Dinge“, den Bioladen „Biolino“, „Ebbes“ (Schwäbische Spezialitäten), „Tee Tan“ (Feinkost-Tees), die „Bahnagentur Schöneberg“, am Willmanndamm den Weinladen „Autos und Weine“ und – bitte vormerken – das am 17. Juni zum neunten  Mal stattfindende Crelle-Chorfest.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge. Bitte schreiben Sie an leute@tagesspiegel.de

von
bis
Bitte geben Sie hier den Suchbegriff ein!
Sigrid Kneist von Sigrid Kneist tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Tempelhof-Schöneberg,

das kommt Ihnen sicher bekannt vor. Der regionale Sozialdienst des Jugendamtes ist wieder einmal in dieser Woche nicht erreichbar, weil wegen des Personalmangels Aktenrückstände aufgearbeitet werden müssen. Erst vor einigen Wochen habe ich das hier vermeldet und Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) musste in der Bezirksverordentenversammlung eingestehen, dass das Amt nicht allen gesetzlichen Aufgaben nachkommen kann. Jetzt hat die Grünen-Abgeordnete Marianne Burkert-Eulitz in einer Anfrage an den Senat nachgefragt, wie es in der gesamten Stadt aussieht. Und die Antwort der Senatsjugendverwaltung kann einen nicht beruhigen: Jede siebte Stelle in Berlins Jugendämtern ist nicht besetzt, schreibt meine Kollegin Susanne Vieth-Entus:Am schlimmsten sieht es in Steglitz-Zehlendorf und hier in Tempelhof-Schöneberg aus. Aber es sind nicht nur die Jugendämter, die uns Sorgen machen müssen. Mein Kollege Hannes Heine hat sich mit der Situation der Gesundheitsämter beschäftigt, die ebenfalls keine Ärzte und andere Mitarbeiter mehr finden. Und auf der Schulseite des Tagesspiegels ging es am Dienstag um fehlende Fachlehrer und Erzieher. Mal schauen, womit ich diese Aufzählung in der kommenden Woche fortsetzen kann.

Sigrid Kneist arbeitet seit 1990 als Redakteurin in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Vor 20 Jahren hätte sie sich nicht vorstellen können, dass sie ein Jahr später aus dem Kreuzberger Graefekiez nach Mariendorf ziehen und dort bis heute bleiben würde. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihr bitte eine E-Mail an leute-s.kneist@tagesspiegel.de

Unser Tipp für Sie

Der Widerständler gedenken: Der 8. Mai ist zwar noch etwas hin. Aber am 72. Jahrestag des Tages der Befreiung lädt das Netzwerk Großbeerenstraße in Kooperation mit den Museen Tempelhof-Schöneberg zu einer historischen Führung im Gewerbegebiet und einem Vortrag über den Widerstand in den Fabrikanlagen der Askania-Werke ein. Eine Anmeldung ist erforderlich; die Plätze für die Veranstaltung mit den beiden Expertinnen Bärbel Schindler-Saefkow von der Initiative zur Erinnerung an den Arbeiterwiderstand gegen das NS-Regime und Petra Zwaka von den Museen Tempelhof-Schöneberg sind begrenzt. Alle Informationen finden Sie hier.

Das  Werk in Mariendorf  war ein kriegswichtiger Zulieferer für Kompasse, Navigationsinstrumente und andere Steuerungsgeräte für Flugzeuge, U-Boote und Panzer. Viele tausend Zwangsarbeiter mussten hier für die Rüstungsindustrie der Nazis schuften. Wie in anderen Fabriken auch gründete sich eine Widerstandsgruppe, die vor allem Störfälle verursachte und diese als technische Defekte tarnte. 26 der Widerständler  wurden im Sommer 1944 verhaftet, sieben Männer wurden hingerichtet. Im Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Mariendorf-Süd erinnerte im vergangenen Monat Hartmut Wieseke an Karl Lade, Karl Rühlmann, Walter Zimmermann, Stanislaus Szczygielski, Herrmann Wolff, Paul Junius und Paul Hirsch und verwies darauf, dass es 70 Jahre dauerte, bis ihrer mit einer Gedenktafel an der Rathausstraße gedacht wurde.

8.Mai 2017, 17 Uhr- 19 Uhr, Großbeerenstraße 2- 10, Mariendorf, Foto: Hartmut Wieseke

Hier twittert die Stadtleben-Redaktion des Tagesspiegels. Tipps und Trends, Themen und Termine - alles, was die Stadt bewegt:



Machen Sie mit und verlinken Sie Ihre morgendlichen Fotos mit dem Hashtag #gmberlin. Oder schicken Sie Ihre Fotos wie gewohnt an leserbilder@tagesspiegel.de! Wir freuen uns auf Ihre Bilder!


Die ersten Ergebnisse sehen Sie in unserer Fotostrecke.