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    Unter Nachbarn

    Christiane Fritsch-Weith, Buchhändlerin, Bayerischer Platz

    Man weiß nicht ganz genau, ob es in Berlin ein Paradies gibt, sagt die Buchhändlerin, aber wenn es eines gibt, dann ist es ganz bestimmt am Bayerischen Platz!

    Die Geschichte des Bayerischen Viertels ist nicht sehr lang, und Schöneberg gehört erst seit 1920 zu Berlin. Der Buchladen Bayerischer Platz wurde im März 1919 mit der Adresse, Bayerischer Platz 13/14 Eingang Speyerer Straße gegründet und ist bis heute eine wichtige Adresse am Platz.
    „Was gefällt Ihnen denn hier?“, fragte vor wenigen Tagen ein Besucher aus München.
    „Mir gefällt“, sagte die Buchhändlerin, „dass das Bayerische Viertel bürgerlich, aber nicht spießbürgerlich ist.“
    „Was gefällt Ihnen nicht?“, fragt der Berlin-Besucher.
    „Mir gefällt nicht, dass das Bayerische Viertel nicht mehr so sauber ist, wie es einmal war,“ findet die Buchhändlerin.
    „Und welchen Buchtipp würden Sie mir geben?“, fragte der Herr aus München.
    Die Buchhändlerin empfiehlt ihm von Monika Maron „Geburtsort Berlin“. Dieser kleine Band enthält acht Erzählungen der bedeutenden Autorin, die nichts beschönigen und gleichzeitig eine leidenschaftliche Liebeserklärung an Berlin sind. Eine große Entdeckung – auch für Leser aus München.
    Buchladen Bayerischer Platz, Grunewaldstraße 59.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-s.kneist@tagesspiegel.de

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Sigrid Kneist von Sigrid Kneist tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Tempelhof-Schöneberg,

rund 1,2 Millionen Autos sind in Berlin zugelassen. Die meiste Zeit des Tages stehen sie irgendwo herum, meistens auf öffentlichem Straßenland. Jetzt sind in Tempelhof im Schulenburgring ein knappes Dutzend Parkplätze weggefallen. Und die Aufregung ist groß, sehr groß. Denn in dieser Straße wohnt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), und der hat – in seiner Funktion als Abgeordneter – in einem Schreiben an die Anwohner kritisiert, dass dort ein Halteverbot eingerichtet wurde. In der Straße, die eigentlich eine Einbahnstraße ist, sollen Fahrräder in beide Richtungen fahren dürfen. Für Müller macht der Wegfall der Parkmöglichkeiten in diesem Zusammenhang keinen Sinn. Außerdem seien die Anwohner nicht informiert worden. Er fordert diese auf, sich unter der Telefonnummer des Büros der Ordnungsstadträtin, der Grünen Christiane Heiß, darüber zu beschweren.

Doch diese kontert cool. Heiß verweist unter anderem auf den Koalitionsvertrag. Dort stehe, dass nach Möglichkeit Einbahnstraßen für den Radverkehr zu öffnen sind. Ziel des Bezirks sei, auf Nebenstraßen ein möglichst sicheres Radroutennetz zu schaffen. Bei den in Frage kommenden Straßen stehe der Schulenburgring hoch oben auf der Prioritätenliste. „Die bisherigen Anordnungen sind komplett ohne öffentliche Aufregung erfolgt.“ Die einzige Besonderheit an dieser Straße sei eine Kurve, die für die Verkehrsteilnehmer schlechte Sichtverhältnisse bedeute. An solchen Stellen müssen laut Heiß Ausweichmöglichkeiten geschaffen werden. Diese Auffassung vertritt im übrigen auch die Initiative Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg. „Dieser Einzelfall ist weder geeignet, die Radverkehrspolitik in Frage zu stellen, noch richtet sich die Maßnahme  gegen Autofahrer oder Anwohner“, sagt Heiß. Überhaupt sei im Vergleich zu einem Stadtteil wie Friedenau die Parkplatzsituation am Schulenburgring eher entspannt. Und deswegen, sagt die Stadträtin, „kann ich die Aufregung des Regierenden überhaupt nicht nachvollziehen.“

Das können aber andere. Die CDU-Fraktion in der BVV hat für die morgige Sitzung einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, mit dem Ziel, das Halteverbot aufzuheben. „Es ist nicht erkennbar, wie ein partielles Halteverbot die Durchfahrt für Fahrradfahrer in der gesamten Straße ermöglichen soll. Vielmehr schürt diese Maßnahme das Gegeneinander der Verkehrsteilnehmer und fördert nicht die Vereinbarkeit verschiedener Verkehrsmittel in unserer Stadt“, heißt es in der Begründung. In der Sache ist sich in diesem Fall die CDU wohl mit dem Regierenden Bürgermeister einig. Allerdings fragt der verkehrspolitische Sprecher im Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici (CDU): „Was empfinden die Bürger in Berlin dabei, wenn der Regierende diesen Unsinn nur vor seiner Haustür kritisiert, aber nicht in den Straßen, wo die Normal-Berliner leben, die täglich unter den Folgen der rot-rot-grünen Verkehrspolitik leiden müssen?“ Noch bevor Müllers Schreiben bekannt wurde, hatte sich übrigens der AfD-Bezirksverordnete Karsten Franck öffentlich zu Wort gemeldet und ein Ende „der rot-rot-grünen Autohasserpolitik“ gefordert.

Sigrid Kneist arbeitet seit 1990 als Redakteurin in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Vor 20 Jahren hätte sie sich nicht vorstellen können, dass sie ein Jahr später aus dem Kreuzberger Graefekiez nach Mariendorf ziehen und dort bis heute bleiben würde. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihr bitte eine E-Mail an leute-s.kneist@tagesspiegel.de

Unser Tipp für Sie

Als ich Anfang der achtziger Jahre nach Berlin kam, gab es nur einen einzigen Rummel in (West)-Berlin, der diesen Namen meiner Ansicht nach auch verdiente. Obwohl ich ihn als Kind des Ruhrgebiets Kirmes genannt hätte. Das war das Deutsch-Amerikanische Volksfest mit seinem besonderen Charme, der aus dem  Aufeinandertreffen der Berliner mit den Angehörigen der US-Streitkräfte entstand. Hier konnte man Tacos essen, die es damals noch nicht an jeder Straßenecke gab, und amerikanisches Bier trinken, die GIs und ihre Familien beobachten und auch den Einsatz der Military Police bestaunen, wenn mal jemand von ihnen über die Stränge schlug. Lange Zeit blieb ich dem Volksfest treu, auch als in den Jahren nach dem Fall der Mauer die amerikanischen Streitkräfte abzogen. Aber irgendwann war das Fest nur noch ein Abklatsch seiner selbst. Als es dann an einen neuen Standort am Hauptbahnhof – früher britischer Sektor – zog, war für mich Schluss. Im letzten Jahr fiel das Fest ganz aus. Jetzt gibt’s ein Revival – in Mariendorf, direkt neben der Berliner Dependance der kalifornischen Stone Brewing. Da muss ich dann doch einmal hin. Das Volksfest beginnt am Freitag, 21. Juli und geht bis zum 13. August. deutschamerikanischesvolksfest.de

Ein Shuttle fährt vom U-Bahnhof Alt-Mariendorf zum Volksfest. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist leider schlecht. Da passt es doch gut, dass die Grünen den Bau eines weiteren S-Bahnhofes entlang der S2 ins Gespräch bringen – nämlich am Kamenzer Damm/Lankwitzer Straße. Damit würde auch der Marienpark besser an das S-Bahn-Netz angeschlossen.

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