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    Unter Nachbarn

    Svend Simdorn, 56, Ex-Politiker aus Bohnsdorf

    In einem früheren Leben war Svend Simdorn CDU-Stadtrat, zwölf Jahre lang, er trug kurze Haare und Anzug, doch dieses Erscheinungsbild als Politiker erwies sich über die Jahre als selbstzerstörerisch, weil sich dahinter ein anderes Ich verbergen musste. Zwei Identitäten in einer Person, das geht auf Dauer schief. Svend Simdorn wurde krank, schwer depressiv, konnte nicht mehr arbeiten und erhielt von seiner Therapeutin den dringenden Rat: Alles auf null setzen, ein Reset der Festplatte im Gehirn. Das habe gut geklappt, erzählt Simdorn vor dem Büro von Gregor Gysi in Schöneweide. Dort besuchte er die Vernissage der skandalträchtigen Fotoklub-Ausstellung (mehr dazu weiter unten). Auf Gysi hält er große Stücke, der habe ihn angerufen, als er komplett von der Rolle war. Ansonsten hat Simdorn unter die Politik einen Schlussstrich gezogen. Er sei auch aus der CDU ausgetreten. 2014 übernahm Michael Vogel sein Amt. Anzüge trägt er nur noch, wenn das Outfit zur Filmrolle passt, um die er sich bewirbt. „Kleindarsteller“ nennt sich der neue Nebenjob, dem er mit großem Vergnügen nachgeht. Tatort und Soko Wismar habe er schon mitgedreht, auch Dokus und Werbespots. Ansonsten engagiert er sich im Boxsport, wie früher, und geht auf Heavy-Metal-Konzerte, wie früher, als er noch selber in einer Band spielte.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de

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Thomas Loy - Redakteur beim Verlag Der Tagesspiegel im Haus am Askanischen Platz in Berlin Kreuzberg. von Thomas Loy tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Treptow-Köpenick,

vorab mal ein schönes Zitat: „Ich liebe nun mal Daten. Und ich wollte zurück zu meinen Daten und ich wollte keine Powerpoints über Daten, sondern Daten. Dann kam eben der Beschluss, Karriere Nummer drei: Ich gründe meine eigene kleine Firma, ich komme zurück in meine Home Base, ich bin wieder zurück in Adlershof und ich mache meine Daten.“  Ein kleiner Appetizer aus einer großen Geschichte über Adlershof, der Stadt der Zukunft, im Deutschlandradiokultur. Auf jeden Fall lesens- und hörenswert.

Etwas weiter südöstlich, befindet sich eine weitere Berliner Brauerei im offenen Entzug. Die Backsteinriesen sind ja überwiegend arbeitslos geworden, aber als Hülle unbezahlbar. Für Unternehmer mit Kunstfaible (Bötzow-Brauerei) als Konzert- und Theaterstätte (Kulturbrauerei) oder als Standort für Kreativunternehmer (Malzfabrik Schöneberg). Bürgerbräu in Friedrichshagen, seit 2010  trocken, könnte jetzt in ein zweites, alkoholfreies Leben starten. Was das sein könnte, ist noch unklar. Die Eigentümerfamilie Häring von der bayerischen Hofmark-Brauerei will aber verkaufen (oder hat schon). Das pfeifen die Spatzen von den Dächern. Darauf angesprochen, sagte Tina Häring: „Wir regeln das familienintern. Mehr sage ich dazu jetzt nicht.“ Im Bezirksamt gebe es „erste Abstimmungsgespräche“, sagt Baustadtrat Rainer Hölmer. Es habe bereits in der Vergangenheit Gespräche über eine „intensive Wohnnutzung“ des Geländes gegeben. Grundsätzlich sei das denkbar. Der Standort böte eine perfekte Wasserlage am Übergang vom Müggelsee in die Spree.

Thomas Loy, aufgewachsen an der Küste (Nordsee), zog 1995 nach Berlin und wohnt mit seiner Familie seit zehn Jahren in Johannisthal. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-t.loy@tagesspiegel.de

Thomas Loys Tipp für Sie

Einmal Woltersdorf und zurück: Jetzt gibt es wieder die volle Packung: Sieben Stunden Ausflugsdampfer Stern und Kreis! Vom Hafen Treptow bis zur Woltersdorfer Schleuse und retour. Am Samstag, 10.30 Uhr, geht’s los, knapp anderthalb Stunden Aufenthalt in Woltersdorf, 17.45 Uhr wieder zurück in Treptow. Ist natürlich nur was für wanderfaule Naturliebhaber und Fans des kultivierten Müßiggangs. Wem das doch etwas viel wird mit der Entschleunigung, der verlässt den Dampfer um 13.30 Uhr in Woltersdorf und tritt nach ausgiebiger Stärkung in der Schleusen-Wirtschaft per Bus und S-Bahn die Heimreise an. Ab Sonnabend wird die Fahrt jetzt immer donnerstags, freitags und samstags angeboten, bis Ende September.