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    Unter Nachbarn

    Daniel Eltinger, 36, Künstler aus Schöneweide

    Daniel Eltinger wurde 1981 in Stuttgart geboren. Er studierte an der Uni Stuttgart Kunstgeschichte, Romanistik, Philosophie und Freie Malerei. Das dauerte rund neun Jahre. Seitdem ist er freischaffender Künstler.

    Was bisher geschah: Als ich im Sommer 2013 auf Ateliersuche nach Berlin kam, dem Ruf der Welt-Kunst-Stadt folgend, führte mich gleich der erste Tipp nach Schöneweide, und hier bin ich geblieben. In den alten Industrieanlagen entlang der Spree läßt sich wunderbar arbeiten, ohne Rücksicht auf schlafende Nachbarn, gut vernetzt und in der der Künstlerseele so kostbaren Geräumigkeit.
    Für den Genius des Bezirks mag die Stilllegung der Betriebe nach der Wende eine Katastrophe gewesen sein. Dass sich aber der Künstler wohl fühlt in der Atmosphäre einer solchen Verwundung, darf ihm, der ein Energie-Umwandler ist, nicht übelgenommen werden: Wie die Birke, die der Vegetation eine Brache zurückzuerobern beginnt, ist er Teil eines Gesundungsprozesses.

    Was noch geschehen könnte: Es gefällt mir hier im Kiez, mitsamt der schöneweideschen Verstörtheit, der schroffen Suche nach Bezirksidentität und Liebe. Auf der anderen Seite sitzen wir Maler auf gepackten Koffern, wegen unserer Einkommenssituation sind wir das klassische erste Opfer von Gentrifizierung.

    In der Kirche Baumschulenweg (Baumschulenstraße 82) sind noch bis August Gemälde von Daniel Eltinger ausgestellt. Vom 13. bis 16. Juli läuft an der Wilhelminenhofstraße in Oberschöneweide das Kunstfestival Transformart.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-t.loy@tagesspiegel.de

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Thomas Loy - Redakteur beim Verlag Der Tagesspiegel im Haus am Askanischen Platz in Berlin Kreuzberg. von Thomas Loy tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Treptow-Köpenick,

das war heute Morgen eine böse Überraschung. Statt in ihren gewohnten Takt zurückzukehren, schickte die S-Bahn den Schienenersatzverkehr in eine außerplanmäßige Verlängerung – diesmal zwischen Treptower Park und Schöneweide. Nahe dem S-Bahnhof Treptower Park hatten in der Nacht Stromkabel gebrannt. Betroffen waren zum Gück keine Signal- und Datenkabel, sonst wäre die S-Bahn wohl berlinweit lahmgelegt worden wie bei dem Anschlag auf eine Kabelbrücke am Ostkreuz 2011. Dennoch könnte der Brand vorsätzlich gelegt worden sein, möglicherweise als Vorbote der Proteste gegen den G-20-Gipfel in Hamburg. Bei der Polizei ging ein Bekennerschreiben ein. Ob es echt ist, wird geprüft.

Gute Nachrichten liefert die S-Bahn auch: Die Ostkreuz-Baustelle geht in ihre Schlussphase – nach elf Jahren. Im Sommer, ab 21. Juli, wird es noch mal vier Wochen lang unangenehm, mit Pendelverkehren und dem ganzen Schmus. Ab 21. August fährt dann die S 3 wieder direkt aus Erkner/Friedrichshagen alle 20 Minuten durch die Innenstadt bis Westkreuz. Und ab 10. Dezember wird es noch schöner: Die S 9 fährt von Spandau über die neue Ostkreuz-Kurve wieder durch bis Schönefeld. Kann sich daran noch jemand erinnern? Fast zu schön, um wahr zu werden.

Thomas Loy, aufgewachsen an der Küste (Nordsee), zog 1995 nach Berlin und wohnt mit seiner Familie seit zehn Jahren in Johannisthal. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-t.loy@tagesspiegel.de

Unser Tipp für Sie

Nimm mich mit! Für’n Fünfer kann man sich einen Eisbecher leisten, ein Billig-T-Shirt bei Takko kaufen oder einen Reservekanister mit Benzin füllen. Ist alles schnell verbraucht oder zerschlissen. Hier mal ein Tipp für eine nachhaltigere Fünf-Euro-Anlage: Kunst ausleihen. Mehr als 800 Werke zum Ausleihen und mit nach Hause nehmen hat die Arthotek Treptow-Köpenick. Zu finden ist sie im Kulturzentrum Alte Schule in Adlershof. 

Foto: Kommunale Galerie Alte Schule