Berlin : Bezirks-Bezeichnungen: Nummern statt Namen im Nordosten

bks

Sind die Bewohner des Großbezirks künftig "11. Bezirkler"? Wenn es nach dem Willen von CDU-Politikern in der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg-Hohenschönhausen (BVV) ginge, ja. Denn auch hier ist jetzt die Diskussion um eine Zahl als Bezeichnung des Fusionsbezirkes entfacht. Mehr Identifikation für alle Bewohner versprechen sich die Christdemokraten davon und sehen darin einen akzeptablen Kompromiss für alle Einwohner des Bezirks.

Zudem wollen sie damit einer einseitigen Namensgebung wie Hohenschönhausen oder Lichtenberg zuvorkommen. Letzterer sei gar der heimliche Favorit der PDS, wird gemunkelt. Und die hat die absolute Mehrheit in der BVV, könnte sich also mit ihrem wie auch immer lautendem Vorschlag durchsetzen. Deshalb wollen die Christdemokraten jetzt eine Lösung durch den Rat der Bürgermeister sowie dem Berliner Senat herbeiführen. Über den Antrag wird heute die BVV entscheiden. Rückendeckung könnten die Christdemokraten von einem Teil der SPD erhalten. Denn die einstigen Hohenschönhausener in der Fraktion wollen auf keinen Fall Lichtenberg als endgültigen Namen und wollen in diesem Fall ebenfalls für "11. Bezirk" votieren.

Bürgermeister Wolfram Friedersdorff (PDS) hält die numerische Lösung hingegen für "vollkommenen Blödsinn". Im Gegensatz zu den Antragstellern sieht er darin einen Identifikationsverlust, dem er keinen Vorschub leisten will. Denn immerhin habe es eine Bürgerbeteiligung an der Namensfindung gegeben, die zunächst durch den Kulturausschuss ausgewertet werden müsse. Rund 4500 Bewohner haben sich an der Aktion beteiligt. "Obwohl das Ergebnis durchwachsen und die Umfrage natürlich nicht repräsentativ ist, favorisiert sie die Nummerierung in keiner Weise", sagt Vorsitzender Jürgen Hofmann (PDS). Er hofft, dass der Ausschuss der BVV im Mai einen Namensvorschlag vorlegen kann.

Dennoch: An deren Beschluss ist das Bezirksamt nicht gebunden. Denn wie aus einem Schreiben des Innensenators Eckart Werthebach (CDU) an den Pankower Bürgermeister Alex Lubawinski (SPD) hervorgeht, liegt die Entscheidung beim Bezirksamt. Der Senat könnte einzig durch eine Gesetzesänderung eingreifen. Werthebach favorisiert aus Identifikationsgründen Namen statt Zahlen.

Sollte sich die "11" nicht durchsetzen, ist Knatsch um den Namen programmiert. "Dann könnte die Traditionsdebatte aufgemacht werden", heißt es bei der CDU-Fraktion. Denn nicht nur die Altbezirke Lichtenberg und Hohenschönhausen, sondern auch die Dörfer Wartenberg, Malchow und Falkenberg blicken auf eine rund 750 Jahre alte Geschichte zurück.

Die BVV tagt heute um 17.10 Uhr im Mehrzwecksaal an der Große-Leege-Straße 103. Ab 16.30 Uhr gibt es eine Bürgerfragestunde.

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