Berlin : Bezirksamt will lieber eine leere Wand - die Expo-Werbung an der Ebertstraße soll weg

Lothar Heinke

Das 450 Quadratmeter große Plakat an der der Ebertstraße zugewandten, westlichen Brandwand der neuen DG-Bank stiftet weiter Ärger zwischen dem Bezirksamt Mitte, der Senatsverwaltung für Wirtschaft und der Expo 2000: Am 17. Februar beschäftigt sich das Verwaltungsgericht mit dem Fall, nachdem sich zuvor die Richter an Ort und Stelle vom Corpus delicti überzeugt haben. Was sehen sie? Eine aus dem Rahmen fallende "Großsignalisation", die an die Vier-Sektoren-Zeit der Stadt und die Beschilderung der Übergänge erinnert.

"Wir sind der DG-Bank sehr dankbar, dass sie uns den freien Platz an ihrem Haus kostenlos überlässt", sagt Expo-Sprecher Matthias Ginsberg und fügt hinzu, dass es sich bei der Weltausstellung schließlich um ein Unternehmen der Bundesrepublik handelt, bei dem die Hauptstadt hofft, vom Touristenboom zu profitieren.

All diese Dinge lassen jedoch das Bezirksamt Mitte kalt: "Das Ding muss weg", tönt es diesmal aus dem Bezirksbauamt, dessen Leiter, Stadtrat Thomas Flierl, verärgert ist, weil die Expo einen Tag, nachdem sie den Bauantrag ins Bezirksamt gefaxt hatte, ihr Werbevorhaben realisierte. Matthias Ginsberg indes versichert, dass er sich sechs Tage lang redlich bemüht habe, einen Verantwortlichen des City-Bezirks zu sprechen, ohne Erfolg. "Von dem Antragsteller brüsk vor vollendete Tatsachen gestellt, blieb uns nur noch die Möglichkeit, mit einer entsprechenden Beseitigungsanordnung zu reagieren", schreiben Flierl und sein Bürgermeister Zeller an Senator Branoner, der den Poster-Verhinderern "eine pragmatische Lösung" ans Herz gelegt und sie gebeten hatte, die Beseitigungsverfügung aufzuheben, schließlich erwarte Berlin in den 153 Expo-Tagen mindestens eine Million Besucher mit über zwei Millionen Übernachtungen.

Aber Mitte gedenkt, an seinem Verhinderungskurs, über den sich auch Veranstalter beklagen, festzuhalten, obwohl auch der oberste Denkmalschützer Helmut Engel dem Vorhaben nicht im Wege steht. Es macht zwei Alternativvorschläge: Das Plakat könnte, wesentlich verkleinert, am Forum-Hotel hängen oder am Gebäude Zimmerstraße 79/80, also am Checkpoint Charlie - "um den Streit mit der Expo 2000 GmbH beizulegen", heißt es im Brief an Branoner - allein, die Expo-Leute wussten bis gestern von einem solchen Vorschlag nichts. Das Bezirksamt Mitte bedient sich bei dieser ganzen Sache eines Tricks: Es verlegt den Tatort auf den Pariser Platz und argumentiert mit dem Denkmalschutz für das Brandenburger Tor.

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