Bezirksbesuch : Charlottenburger Heimspiel: Wowereit auf Kieztour

Jubel, Bravorufe und Applaus: Auf seiner Kieztour in der City-West traf Klaus Wowereit auf gemischte Reaktionen. Den Konflikt um die Ku’dammbühnen löste er nicht.

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Ciao, Ragazze! Klaus Wowereit spaziert über den Ku’damm. Foto: Thilo Rückeis
Ciao, Ragazze! Klaus Wowereit spaziert über den Ku’damm. Foto: Thilo Rückeis

Einen Moment lang schien es am Donnerstag, als wäre der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) beim Gang über den Kurfürstendamm einem Fanclub begegnet. Tatsächlich waren die begeisterten jungen Leute italienische Touristen, denen der Pulk von Fotografen und Kameraleuten um den Regierenden aufgefallen war. Sie kenne ihn aus dem Fernsehen als „Boss of the city“, sagte ein Mädchen. Wowereit lachte und wechselte ein paar Worte mit den Jugendlichen.

Nicht so locker war es zuvor im Ku’damm-Karree zugegangen, wo Wowereit seinen fast neunstündigen Bezirksbesuch in Charlottenburg-Wilmersdorf begonnen hatte. Ein Gespräch über die Ku’damm-Bühnen mit dem britischen Stararchitekten David Chipperfield und Vertretern des Investors Ballymore brachte keinen Durchbruch. Immerhin wurde ein Gespräch aller Beteiligten vereinbart, an dem – anders als bisher – auch Intendant Martin Woelffer teilnehmen soll. Wegen der Folgen für das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm sei die Modernisierung des Ku’damm-Karrees für 500 Millionen Euro „eines der umstrittensten Projekte der Stadt“, sagte Wowereit. Aber: „Es schreit nach Entwicklung“, angesichts des Leerstands in dem 70er-Jahre-Bau sei es „augenfällig, dass investiert werden muss“.

Ballymore-Vertreter hätten im rund 20-minütigen Gespräch mit ihm bekräftigt, dass die Erhaltung beider Bühnen im Originalzustand wirtschaftlich unmöglich sei, sagte der Senatschef, der auch das Kulturressort leitet. Chipperfield warb erneut dafür, das Theater am Kurfürstendamm abzureißen und die Komödie an einen künftigen „Max-Reinhardt-Platz“ an der Uhlandstraße zu verlagern: Die Bühne brauche einen „urbanen Platz“. Doch Wowereit und Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) zeigten sich einig darin, dass ein Theater direkt am Ku’damm bleiben müsse.

Nach kurzem Fußmarsch über den Boulevard wurde Wowereit vom Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Martin Germer, empfangen und über die Sanierung des alten Kirchturms informiert. Die Kosten seien durch Fördermittel, Spenden und „Fugenpatenschaften“ praktisch gedeckt, sagte Germer: Von den auf 4,2 Millionen Euro geschätzten Kosten „fehlen uns nur noch 50 000 Euro“. Ab Juli soll ein Großteil der Kirche eingerüstet werden, die umstrittenen Imbiss- und Marktbuden bekommen darunter einen provisorischen Standort. Schön sehe das ja nicht aus, fand Wowereit beim Blick auf Baustellenzeichnungen. Um Schönheit gehe es erst wieder nach der Sanierung, gab der Pfarrer zu bedenken. Bis Mitte 2012 wolle die Gemeinde die Arbeiten abschließen. Der Markt bringe nicht nur Einnahmen, sondern trage zur „Sauberkeit“ bei, da unerwünschte Gäste wie Drogenhändler ferngehalten würden.

Mit Bauhelm und oranger Warnweste ging es weiter im Rohbau des Zoofenster-Hochhauses, der auf elf Etagen angewachsen ist. Im Mai 2011 sollen alle 31 Stockwerke fertig sein, drei Monate später will ein Waldorf–Astoria-Hotel im Hochhaus eröffnen. Wowereit beglückwünschte die Planer angesichts der Vorgeschichte mit wechselnden Investoren: Die Bauherren aus Abu Dhabi hätten „in zwei Jahren geschafft, was andere in 18 Jahren nicht geschafft haben“. Solche Projekte widerlegten frühere Befürchtungen, dass aus der City-West „alles wegzieht“ in die östliche Stadtmitte. Eine große Stadt vertrage durchaus mehrere Zentren. Auch seine Wohngegend im Halenseer Teil des Ku’damms lobte der Regierungschef: „Mein Kiez bietet hohe Lebensqualität – und das nicht nur für Reiche.“

Mit seinen Touren durch alle Bezirke will Wowereit den Dialog mit Bürgern stärken, denn in rund eineinhalb Jahren steht die Abgeordnetenhauswahl an. Ein Bad in der Menge wie zuletzt in Mitte gab es in der City-West nicht. Eine Ausnahme war der Besuch in einer Kita, wo er mit Eltern sprach. Und am Abend war im Amerika-Haus eine Diskussion mit Geschäftsleuten geplant.Cay Dobberke

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