Berlin : Bezirksbibliotheken: Eingespart: Zwei Büchereien machen dicht

Tobias Arbinger

Zwei von acht Bezirksbibliotheken sollen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg geschlossen und dafür die Öffnungszeiten von anderen Bibliotheken verlängert werden. Die Bücherei-Angebote überschneiden sich, die Finanzsituation des Bezirkes ist außerdem schlecht. Es handelt sich, wie berichtet, um die Thomas-Dehler-Bücherei in Schöneberg und um eine Einrichtung in der Waldsassener Straße in Marienfelde, zwei relativ kleine Stadtteilbibliotheken. Der Schritt sei unumgänglich. Ohne ihn würde sich die Situation in den übrigen Bezirksbibliotheken weiter verschlechtern, sagte Bildungsstadtrat Ekkehard Band (SPD) am Donnerstagabend im Kulturausschuss. Der Freundeskreis der Dehler-Bücherei beklagte, dort werde eine gute Kinderbibliothek "kaputtgemacht".

Die Dehler-Bücherei an der Martin-Luther-Straße liege fast völlig im Einzugsbereich der übergeordneten Theodor-Heuss-Bibliothek an der Hauptstraße. Die Bibliothek in der Waldsassener Straße stehe hingegen an einem "entlegenen" Ort. Bei den Plänen, über die der Ausschuss noch abstimmen muss, handle es sich um den Versuch, das Angebot im Fusionsbezirk anzugleichen. Mariendorf, wo vor einigen Jahren zwei Büchereien geschlossen werden mussten, werde beispielsweise nur mit einer Fahrbibliothek versorgt. Die Standortdichte in Schöneberg "geht zu Lasten der anderen".

Band verwies auf den neuen Etat für die Bibliotheken von in diesem Jahr 473 000 Mark. Im Jahr 2000 hätten Tempelhof noch 435 000 Mark, Schöneberg 258 000 Mark zur Verfügung gehabt. Den Plänen zufolge soll die Dehler-Bücherei bereits im April geschlossen werden. Vermutlich wird sich dieser Termin aber verschieben. Für die Waldsassener Straße gibt es noch keinen Zeitplan.

Personal und Bücher der beiden Einrichtungen würden auf andere Standorte verteilt. Die Öffnungszeiten der Theodor-Heuss-Bibliothek und die der Stadtteilbibliothek in der Marienfelder Allee sollen im Gegenzug verlängert, Bücherbestände aktualisiert werden. Band sprach von einer "Verbesserung des Angebots". Das Konzept sei mit den Mitarbeitern abgestimmt und würde von ihnen unterstützt, hieß es.

Wenn die Benutzerfreundlichkeit der anderen Bibliotheken nicht verbessert werde, gebe es von den Grünen keine Zustimmung, sagte das grüne Ausschussmitglied Reingard Jäkl. Eine Lehrerin befürchtete, dass Kinder aus der Umgebung der Dehler-Bibliothek künftig weitere und gefährlichere Wege zurücklegen müssten.

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