Bezirksbürgermeister Igel geht in Elternzeit : Aus dem Rathaus an den Wickeltisch

Weil er dabei sein will, wenn sein Sohn sich entwickelt, nimmt der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick eine Elternzeit. Jetzt wird er mit dem kleinen Felix den Bezirk unsicher machen, erzählte Igel im Interview.

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Bezirksbürgermeister Igel wird sich in nächster Zeit mehr mit Spielzeug als mit Akten beschäftigen.
Bezirksbürgermeister Igel wird sich in nächster Zeit mehr mit Spielzeug als mit Akten beschäftigen.Foto: dpa

Herr Igel, was hat Sie dazu bewogen, demnächst für drei Monate Rathaus gegen Wickeltisch zu tauschen?

Das war von Anfang an mein Wunsch. Ich will dabei sein, wenn sich mein Felix entwickelt. Ab August haben wir einen Kita-Platz, dann ist er knapp ein Jahr alt. Wir hatten auch die Option, eine Tagesmutter zu engagieren, aber wir wollten ihn so klein noch nicht abgeben. Es gibt aber auch ein paar andere Probleme, was die Betreuung angeht.

Zum Beispiel?
Meine Frau Ellen Haußdörfer ist Abgeordnete für die SPD-Fraktion in Berlin. Für sie ist keine Elternzeit vorgesehen. Im Abgeordnetenhaus darf man einfach keine Elternzeit nehmen. Warum? Weiß ich nicht. Das ist schwierig für uns, wir mussten den kleinen Mann manchmal ins Büro mitnehmen oder die Großeltern mussten einspringen. Wir hätten uns auch gerne beide Vollzeit um Felix gekümmert, wären gleichzeitig in Elternzeit gegangen, das geht so aber leider nicht. Das müssen wir ändern, Politiker werden auch manchmal Eltern. (Wie zum Beweis brabbelt Felix im Hintergrund.)

Haben Sie bestimmte Pläne, was Sie in der Elternzeit unternehmen wollen?
Wir werden den Bezirk unsicher machen. Unsere Hebamme hat mir Tipps gegeben, was man mit so einem Kind alles unternehmen kann. Die Routine ist aber schon drin: füttern, wickeln, spazieren gehen.

Und was ist für Sie die größte Herausforderung?
Nichts davon ist richtig kompliziert. Obwohl, schlafen muss er wirklich noch lernen. Wir brauchen alle viel Geduld, damit es um 18 oder 19 Uhr klappt. Spazieren gehen hilft da wirklich, da schläft er schnell ein, aber irgendwie müssen wir noch üben.

Bezirksbürgermeister Igel.
Bezirksbürgermeister Igel.Foto: promo

Und Sie werden während der Elternzeit auch brav nicht ins Büro gehen? Versprochen?
Ich werde stundenweise arbeiten müssen, aber ich versuche, das so zu reduzieren, dass wirklich nur das Nötigste auf den Tisch kommt. Höchstens zwei Tage die Woche, E-Mails von zu Hause aus. Meine Stellvertreterin übernimmt während der drei Monate meine Aufgaben. Elternzeit für Väter ist nämlich immer noch nicht selbstverständlich, dass ich das mache, noch weniger. Ich bekomme so viele Terminanfragen mit der Bitte, doch eine einzige Ausnahme zu machen, dass ich mehr arbeiten könnte als sonst.

Oliver Igel, 36, ist der jüngste Bezirksbürgermeister Berlins. Der SPD-Politiker hat das Amt seit Oktober 2011 in Treptow-Köpenick inne.

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