Berlin : Bezirksfusion: Ab durch die Mitte!

Tobias Arbinger

Jetzt ist es soweit: Am 1. Januar tritt die Bezirksreform in Kraft, und damit sinkt die Zahl der Bezirke durch Fusionen von 23 auf 12. Dies gehört zum Kern der Verwaltungsreform, mit der die Stadt viel Geld sparen will. Jeder dieser 12 Bezirke hat etwa 300 000 Einwohner - soviel wie eine mittlere Großstadt. Damit Sie sich darin besser zurecht finden, stellen wir Ihnen die zwölf Bezirke der nach Reihe vor.

Die Berliner müssen sich aber auch an neue Bezirksnamen gewöhnen, manche, wie Wedding und Prenzlauer Berg, werden gestrichen. Viele befürchten, ein Stückchen Heimat zu verlieren. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Architekten, Jan Rave, hat deshalb einen interessanten Vorschlag erarbeitet. Im nebenstehenden Beitrag stellen wir ihn vor.

Nun aber geht es los - natürlich mit dem neuen Hauptstadtbezirk: Mitte.

Mitte. In Mitte wächst der "Hauptstadtbezirk" zusammen. Tiergarten, wo das neue Bundeskanzleramt und der Bundestag liegen, geht mit dem alten Bezirk Mitte zusammen, Standort des Bundesrats und der meisten Ministerien. Dazu kommt Wedding, ein alter Arbeiterbezirk. Mitte ist der einzige Großbezirk, in dem drei Beitrittskandidaten fusionieren. Und außer in Mitte kommen nur noch in Friedrichshain-Kreuzberg ein Ost- und ein West-Bezirk unter einen Hut.

Die Geschichte von Mitte ist die des historischen Berlins. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Berlin in etwa die Ausmaße des Alt-Bezirks Mitte. Historischer Kern Berlins ist eine Handels- und Kaufmannssiedlung aus dem 13. Jahrhunderts an der Spree, die dort lag, wo sich heute der Mühlendamm befindet. Die Klosterruine der Franziskaner, die Nikolaikirche, die Straße unter den Linden als Verbindungsweg zwischen dem - nach dem Krieg gesprengten - Stadtschloss und dem Tiergarten, Zeughaus, Brandenburger Tor und Charité gehören zu den vielen Bauwerken, die von der Berlin-Historie zeugen.

Tiergarten ist nach dem Park im Zentrum der Stadt benannt. Er war im 16. Jahrhundert Jagdrevier eines brandenburgischen Kurfürsten, später Zoologischer Garten und Vergnügungsort. Ab 1833 wurde der Tiergarten nach den Plänen Peter Joseph Lennés als Landschaftspark angelegt. Zum Wohnbezirk entwickelte sich Tiergarten erst im 18. Jahrhundert. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. nahm aus Frankreich vertriebene Hugenotten auf, die er im heutigen Ortsteil Moabit nördlich der Spree ansiedelte. Der Name hat seinen Ursprung vermutlich im Moabiterland des Alten Testaments.

Das Dorf Wedding wurde um 1200 von dem Adligen Rudolfus de Weddinge gegründet. 1701 soll mündlichen Überlieferungen zufolge der Gesundbrunnen entdeckt worden sein, eine Quelle, an der Mitte des 18. Jahrhunderts eine Anstalt für Trink- und Badekuren gebaut wurde. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Wedding etliche Industriebetriebe gegründet, unter anderem AEG und Schering. Mietskasernen wurden hochgezogen, in denen die Arbeiterschaft unterkam. Noch heute stammen etwa 60 Prozent der Wohnungen des Bezirks aus der Zeit vor 1918.

Zur neuen Mitte gehören sowohl Stadtteile mit hoher Arbeitslosigkeit und erheblichen sozialen Problemen, als auch das ehemalige Machtzentrum der DDR, heute ein Szeneviertel. Mit der Fusion verändern sich die politischen Gewichte. Die PDS, die im Alt-Bezirk Mitte bei der BVV-Wahl 1999 mit 44,2 Prozent wieder stärkste Partei wurde, ist im Großbezirk hinter CDU und SPD Dritter. Denn in Wedding und Tiergarten erreichte sie nur sechs beziehungsweise fünf Prozent. Ähnlich ergeht es den Grünen, die im alten Bezirk Tiergarten noch den Bürgermeister stellten. In Wedding und Mitte sind die Grünen weniger stark, in der gemeinsamen BVV sind sie deshalb nur noch viertgrößte Kraft.

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