Berlin : Bezirksfusion: Die alten Schilder bleiben

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Ob Steglitz-Zehlendorf oder Friedrichshain-Kreuzberg - die neuen Doppelnamen werden wohl kaum auf Straßenschildern auftauchen. Denn die Bezirke und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung haben sich darauf verständigt, dass die bestehenden Ortsteilschilder und Wegweiser bleiben. Eine viele Millionen Mark teure Austauschaktion entfällt damit. Unterdessen hat das Bezirksamt von Mitte beschlossen, sechs neue Ortsteile einzuführen. Andere Fusionsbezirke denken noch über eine genau Gliederung nach.

Die bestehenden, grünen Schilder mit Aufschriften wie "Tiergarten" und "Schöneberg" dürfen allerdings ergänzt werden, sagte Roland Schurig von der Senatsverwaltung. Wenn die Bezirke zusätzliche Schilder mit Doppelnamen wünschten, müssten sie sich mit dem Senat auf ein einheitliches Design verständigen. In vielen Bezirken gibt es diesen Wunsch nicht.

Die alten Schilder stünden nach wie vor im Einklang mit europäischen und deutschen Kennzeichnungsregelungen, sagte Schurig. Da die Bezirke keine politischen Kommunen sind, hätten sie - schildermäßig - seit jeher als Ortsteile gegolten. Geändert werden sollen nur gelbe Ortsschilder, auf denen neben "Berlin" Bezeichnungen wie "Bezirk Hellersdorf" stehen. Schurig zufolge wurde die Schildersystematik nicht überall in der Stadt konsequent eingehalten. "Es gibt einige kleine Sünden".

Inzwischen sind die neuen Fusionsbezirke dabei, zumindest formal neue Ortsteile auszuweisen. Diese sind oft mit den alten Bezirksgrenzen identisch. Ortsteile gab es bislang vor allem in den Randbezirken. Es handelt sich dabei meist um frühere Dörfer, die bei der Bildung Groß-Berlins im Jahre 1920 eingemeindet wurden.

Welche Ortsteile gibt es bisher?

Mitte

Die sechs Ortsteile im Großbezirk Mitte heißen nun Moabit, Hansaviertel, Tiergarten, Wedding, Gesundbrunnen und - Mitte, das den alten Bezirk dieses Namens umfasst. Neu ist, dass bei Tiergarten auf den Zusatz "Süd" verzichtet wird, wie ihn die Bezirksverordneten Tiergartens (alt) empfohlen hatte. Bürgermeister Joachim Zeller (CDU) hatte gegen die Bezeichnung jedoch Bedenken, weil es kein Tiergarten-Nord gibt. tob

Charlottenburg-Wilmersdorf

Im westlichen City-Bezirk sollen die beiden ehemals selbstständigen Stadtteile zu Ortsteilen werden. Grunewald und Schmargendorf, bisher Ortsteile von Wilmersdorf, behalten ihren Status. Charlottenburg war nie untergliedert. Nun aber prüft der für die Verwaltung zuständige Stadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU), ob Eichkamp, Ruhleben oder Westend von inoffiziellen Bezeichnungen zu Ortsteilen werden sollten. Die BVV hatte ihn gebeten, bis Ende März Vorschläge zu machen. CD

Friedrichshain-Kreuzberg

Hier ist bislang nicht geplant, neue Ortsteile einzuführen. "Der Bezirk ist flächenmäßig überschaubar", sagt Diedrich Wulfert, Referent von Bürgermeisterin Bärbel Grygier (für PDS). Präferenz habe zunächst ein neuer Name für den Großbezirk. bks

Lichtenberg-Hohenschönhausen

Im Großbezirk ist die Debatte, ob alle sieben Ortsteile Falkenberg, Malchow, Wartenberg, Hohenschönhausen, Friedrichsfelde Karlshorst, Lichtenberg künftig erhalten bleiben sollen, noch nicht beendet. "Eine Variante, die kleinen Dörfer Malchow und Falkenberg dem Neubaugebiet Wartenberg zuzuordnen, bedeutete für alteingesessene Dorfbewohner einen Identitätsverlust", sagt Bürgermeister Wolfram Friedersdorff (PDS). Zudem fühlten sich die meisten Wartenberger wiederum als Hohenschönhausener. "Damit stehen wir vor einem Paradoxon, für das wir nach einer Lösung suchen", sagte der Rathauschef. bks

Tempelhof-Schöneberg

Hier bleibt es bei den alten Ortsteilen Schöneberg, Friedenau, Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade. Die Außengrenzen des Fusionsbezirks mit neuen Schildern zu kennzeichen, habe für ihn "keine Priorität", sagte Baustadtrat Gerhard Lawrentz (CDU). "Für die Leute ist wichtig zu wissen, in welche Gegend sie fahren". Die Verwaltungsbezeichnung spiele keine so große Rolle. tob

Steglitz-Zehlendorf

Wie sein Tempelhof-Schöneberger Kollege sieht das auch der Bürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Herbert Weber (CDU): Der Aussagewert von Schildern mit Doppelnamen sei "gleich Null", sagte er. An der Zahl der Ortsteile - Wannsee, Nikolassee, Zehlendorf, Dahlem, Steglitz, Lichterfelde und Lankwitz - werde sich nichts ändern. tob

Treptow-Köpenick

Keine neue Aufteilung im Südosten: Die insgesamt 15 Ortsteile bleiben bestehen. Treptow bringt acht mit in die Bezirksehe, und zwar Alt-Treptow, Plänterwald, Baumschulenweg, Niederschöneweide, Johannisthal, Adlershof, Altglienicke und Bohnsdorf. Köpenick setzt sich aus sieben Ortsteilen zusammen: Oberschöneweide, Köpenick, Friedrichshagen, Rahnsdorf, Grünau, Müggelheim und Schmöckwitz. Gebiete wie beispielsweise Wilhelmshagen, Karolinenhof und Wuhlheide sind bestimmten Ortsteilen zugeordnet. bey

Marzahn-Hellersdorf

Der jüngste Bezirk besteht aus fünf Ortsteilen: Kaulsdorf, Mahlsdorf, Marzahn, Biesdorf und Hellersdorf - letzter wurde übrigens erst Ende vergangenen Jahres gegründet und umfasst die Plattenbausiedlung, also nicht den gesamten Ex-Bezirk Hellersdorf. Aus dem Rathaus ist zu erfahren, dass man künftig vielleicht über die Bildung des Ortsteiles Friedrichsfelde-Ost nachdenken könnte. Aber so lange das die Bewohner nicht nachdrücklich fordern, bleibt alles so wie es jetzt ist. bey

Pankow

Nur unter Protest haben die Gegner des neuen Namens für den Großbezirk im Norden den jüngsten BVV-Beschluss hingenommen: Der einstige Bezirk Prenzlauer Berg sollte einer der Ortsteile von Pankow werden. "Na wunderbar, Ortsteil Prenzlauer Berg neben Ortsteil Stadtrandsiedlung Malchow", lautet der Kommentar der Protestierenden. Gleichwohl setzt sich der Großbezirk Pankow nun aus den Ortsteilen Pankow, Prenzlauer Berg, Weißensee, Karow, Blankenburg, Heinersdorf, Französisch Buchholz, Niederschönhausen, Buch, Rosenthal, Wilhelmsruh und Stadtrandsiedlung Malchow zusammen.

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