Berlin : Bezirksfusion: Pankow wieder auf der Abschussliste

Christoph Stollowsky

Bekommt der Bezirk jetzt schlicht und einfach eine Nummer? Oder wird sein Name zu einem solchen Ungetüm verlängert, dass er auf keinen Personalausweis mehr passt? Man könnte ihm natürlich auch den Namen einer Himmelsrichtung geben, schließlich liegt er im Nordosten - und außerdem bleibt ja noch der Ausweg, alle Bürger um ihre Meinung zu bitten: Wie soll das neue Fusionsgebilde aus Pankow, Weißensee und Prenzlauer Berg um Himmels willen in Zukunft heißen?

Um eine Antwort rangen am Mittwochabend zum wiederholten Male auch die Bezirksverordneten des Großbezirkes, doch anfangs verhärteten sich erneut die Fronten. Einig waren sie sich nur in einem Punkt: Der am 6. Dezember vergangenen Jahres beschlossene Sammelname "Pankow" soll nicht auf Dauer bestehen bleiben.

Damals hatte sich die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vor allem mit den Stimmen von CDU und SPD dafür entschieden, den neuen Großbezirk "Pankow" zu nennen. In Weißensee nahm die Bevölkerung den Verlust ihres offiziellen Bezirksnamens ohne größere Proteste hin, in Prenzlauer Berg aber zürnen seither viele Bürger umso heftiger. Wer am Kollwitz-Platz lebt, will nicht in Pankow zu Hause sein. 8500 Unterschriften gegen die "unfreiwillige Eingemeindung" nach Pankow wurden gesammelt, PDS und Grüne machten sich zum Sprachrohr der Bewegung - und auch bei den Christ- und Sozialdemokraten rumort es in Sachen Namensstreit heftig.

Auf eine gemeinsame Linie können sich die Parteien aber nicht einigen, weshalb kein anderes Thema die BVV in den vergangenen Monaten mehr beschäftigte. Auch gestern wurde versucht, den gordischen Knoten zu lösen - bis Redaktionsschluss aber vergeblich. PDS und Bündnis 90 / Die Grünen warben für eine Nummernlösung, was bedeutet: Alle neuen Berliner Großbezirke sollen nach dem Vorbild von Paris und Wien künftig Ziffern bekommen - die früheeren Bezirke Prenzlauer Berg / Pankow / Weißensee wären dann der "3. Bezirk". Dieser Vorschlag löst aber in anderen Bezirken wenig Begeisterung aus, weil sie sich nicht zu Nummern degradieren lassen wollen oder sich mit ihren neuen Sammelnamen abgefunden haben - beispielsweise in Friedrichshain-Kreuzberg.

Eine Nummernlösung ist als ungewiss, sie ließe sich nur langfristig durchsetzen. Deshalb brachten PDS und Grüne gestern erneut zwei Übergangslösungen ins Gespräch: Bündnis 90 / Die Grünen wollen ihren Großbezirk schlicht nach seiner Himmelsrichtung "Nordost" nennen, die PDS dagegen plädierte in einer Vorlage für einen Mammut-Namen: "3. Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow von Berlin." Damit stieß sie aber schon in den vergangenen Tagen auf einhellige Ablehnung. Könnten sich PDS und Grüne auf eine Lösung einigen, hätten sie in der Bezirksverordnetenversammlung eine äußerst knappe Mehrheit. Doch keiner mag des anderen Vorschlag - und deshalb wurde gestern gespannt eine weitere Abstimmung erwartet. Dabei ging es um die neueste CDU-Initiative. Die Christdemokraten wollen das Namensproblem mit einem Bürgerbegehren lösen.

Dafür müssten sich bei einer Unterschriftensammlung mindestens zwei Prozent aller Wahlberechtigten des Großbezirks aussprechen. Danach würde die BVV etwa zehn Namen auf einer Liste zur Auswahl stellen - und für den Siegernamen müssten mindestens zehn Prozent der Wähler stimmen.

Bis Redaktionsschluss wurde über den Vorschlag der CDU noch nicht abgestimmt. Zahlreiche Bürger aus Prenzlauer Berg verfolgten die Debatte von der Tribüne aus - auch sie mit geteilten Ansichten. Nur auf die Idee des FDP-Vize Thomas Brandt hätten sie sich einigen können. "Nennen wir den Bezirk doch Bonbon. Das mag jeder."

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