Bezirksstadträtin Monika Herrmann : „Über Prävention wird nur geredet“

06.02.2012 09:47 UhrVon Ralf Schönball
Bezirksstadträtin in Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Bezirksstadträtin in Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann. - Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Nach dem Tod der kleinen Zoe fordert die Bezirksstadträtin Monika Herrman ein koordiniertes Vorgehen von Land und Bezirken. Betreuungsangebote für Kinder würden "sträflich heruntergefahren".

Fehlgeleitete Personalpolitik in den Jugendämtern, sträflich vernachlässigte Prävention in der Familienförderung sowie falsch gelegte Prioritäten – nach dem tragischen Todesfall der kleinen Zoe aus Weißensee fordert die Bezirksstadträtin für Familie, Gesundheit, Kultur und Bildung in Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), eine gemeinsame Kommission der Bezirke und des Landes zur Lösung der Probleme im Bereich der Familienhilfe.

Die Stadträtin stellte sich hinter die Chefin des Kinderschutzbundes Berlin, Sabine Walther, die die schlechte Personalausstattung der Jugendämter als eine Ursache für die „Fehleranfälligkeit“ bei der Betreuung von Problemfamilien genannt hatte. Von einem „unverantwortlichen Zustand“ bei den Jugendämtern spricht auch Herrmann. „Die Mitarbeiter sind älter und frei werdende Stellen können wir oft nicht besetzen.“ Der Grund: Die Bezirke müssen sich bei der Besetzung von Posten aus dem Stellenpool des Senats bedienen. Doch dort gibt es keine Sozialarbeiter. Alternativ bleibt nur die Abwerbung öffentlicher Bediensteter anderer Bezirke – „dadurch kannibalisieren wir uns gegenseitig“, sagt Herrmann.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg liegt im Sozialranking Berlins an drittletzter Stelle. Dennoch sagt Herrmann: „Die Zuweisung der Mittel für die Hilfe zur Erziehung durch den Senat geht in Ordnung.“ Fraglich sei aber, ob die pauschalen Beträge in den Bezirken tatsächlich bei den Jugendämtern ankommen – oder ob ein Teil des Geldes für andere Zwecke ausgegeben wird. Offene Kritik am Senat übt Herrmann dahingehend, dass „über Prävention nur geredet wird“, der Senat eine entsprechende Familienförderung aber nicht finanziere. Friedrichshain- Kreuzberg gibt für Familientreffpunkte mit Erziehungskursen 1,5 Millionen Euro aus. „Das ist so viel, wie der Senat im ganzen Land für diese Leistungen verwendet“, sagt die Stadträtin. Die Treffpunkte seien stark nachgefragt und unterstützten etwa überforderte Alleinerziehende.

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