Bezirkstour : Wowereit, der Kiezläufer

Wowereit tourt durch die Bezirke: Erste Station ist Mitte. Dort empfangen ihn erwartungsvolle Schüler und aufgebrachte Anwohner.

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Fingerfertig. Auf seiner Kieztour durch den Bezirk Mitte besuchte Klaus Wowereit am Montag die Moabiter Hedwig-Dohm-Schule. Sie ist eine der neuen Sekundarschulen. Foto: Davids/Darmer
Fingerfertig. Auf seiner Kieztour durch den Bezirk Mitte besuchte Klaus Wowereit am Montag die Moabiter Hedwig-Dohm-Schule. Sie...Foto: DAVIDS

Lauter Jubel auf dem Schulhof. Mädchen kreischen, viele klatschen, Handys werden gezückt, um Fotos zu machen. Alle sind aufgeregt. Um den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit bildet sich schnell eine Traube junger Menschen, einige bitten um ein Autogramm. Blauer Himmel, Kaiserwetter. Das ist der Start für eine Besuchstour durch die zwölf Bezirke: Wowereit schaut sich Montag früh zuerst die Hedwig-Dohm-Schule in Moabit an. In Berlin-Mitte.

Es ist eine der neuen Sekundarschulen in Berlin und wurde mit Geld aus dem Konjunkturprogramm II ausgebaut. Neue Mensa, zusätzliche Klassenräume. Die Aula ist frisch getüncht, aber aus der Wand hängen noch die Kabel. Schulleiter Josef Widerski nutzt die Gelegenheit, Wünsche zu äußern. Das Projekt „Vertiefte Berufsorientierung“ solle mit Landesmitteln fortgesetzt werden. Für das Elternlotsenprojekt wird nach Finanzierungsquellen gesucht und es wäre schön, wenn sich mit neuen, frischen Kräften der Altersdurchschnitt der Lehrerschaft – zurzeit 56 Jahre – senken ließe.

Ich bin’s, Ihr Regierender. Wowereit im Kiosk auf dem U-Bahnhof Birkenstraße.
Ich bin’s, Ihr Regierender. Wowereit im Kiosk auf dem U-Bahnhof Birkenstraße.Foto: dpa

Wowereit hört sich das an. Schaut auf die große Runde der Lehrer und Schulbeamten, der Berufsberater, Sozialarbeiter, Konfliktmanager, Polizisten und Elternvertreter. Der Aufwand, sagt der Schulleiter, lohne sich. Manches habe sich schon zum Besseren verändert. Der Regierende ist aber erstaunt, dass nur ein Bruchteil der Schüler mit Realschulabschluss einen Ausbildungsplatz bekommen. Der Personalleiter der Firma Atotech, der Schüler ab der neunten Klasse trainiert, damit sie sich richtig bewerben, nennt die Probleme, auf die er bei der Auswahl von Auszubildenden immer wieder stößt: „Die Grundrechenarten werden nicht beherrscht, Deutschkenntnisse fehlen.“ Mangelnde Pünktlichkeit und hohe Fehlzeiten seien auch ein Problem.

Nach dem Bad in der Menge eilt Wowereit zum U-Bahnhof Birkenstraße, neben ihm der Parteifreund und Bezirksbürgermeister Christian Hanke. Er fahre gar nicht so selten mit „den Öffentlichen“, verrät der Regierende Bürgermeister. „Meistens mit dem Bus, am Wochenende.“ Nächste Station ist der Leopoldplatz. Zielstrebig steuert Wowereit auf die Drogenabhängigen zu, die neben dem Ausgang stehen. Sie beschweren sich, weil sie woanders hin sollen. Die benachbarte Gemeinde der Nazareth-Kirche, aber auch die Anwohner machen Druck.

Der Leopoldplatz ist seit langem ein Treffpunkt für Fixer und Trinker. Mit den üblichen Folgen: Spritzbestecke auf dem Kitagelände, nicht benutzbare öffentliche Toiletten, Dreck, Aggressivität, regelmäßige Polizeieinsätze. Hinter dem Regierungschef hat sich derweil eine kleine Protestversammlung von Eltern mit Kindern gebildet. Sie halten ein Plakat hoch: „Wollt Ihr uns als Familien behalten, müsst Ihr den Wedding schöner gestalten.“ Wowereit hört sich geduldig alles an, zwischendurch sucht er nach dem Bezirksbürgermeister: „Wo ist denn schon wieder der Hanke?“

Wowereits Mitarbeiter schauen auf die Uhr. Er soll ja noch zum Frauenladen, ins Türkisch-Deutsche Zentrum, zur Volkshochschule und zur Diskussion mit den Quartiersräten im Rathaus Tiergarten. Aber der Besucher lässt sich Zeit, bleibt beim Backshop stehen. „Wie laufen die Geschäfte?“ Besonders gut gefällt ihm das kleine Café, das Frühstück und Kuchen anbietet und den schönen Namen trägt: „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück.“

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