Berlin : BFC Dynamo: Der Fußballverein muss für die Verwendung des eigenen Logos zahlen

Lothar Heinke

Der Berliner Fußball-Club Dynamo fühlt sich verschaukelt, diesmal von der Klassenjustiz der BRD. Die hat gestern gegen den BFC entschieden, wo es doch um die ureigenste Sache des Vereins geht - sein Logo. Das besteht aus den Buchstaben BFCD, hat die Form einer von der Natur etwas benachteiligten Birne und ist rot, weinrot. Es ist jenes Vereinsemblem, dem früher Erich Mielke im Jahn-Sportpark seine Aufwartung machte und vor dem manch Schiedsrichter seine guten Regeln vergaß. Vielleicht ist es ungerecht, dem zehnmaligen, von der Führung gehätschelten und auf den meisten Oberliga-Plätzen ausgepfiffenen DDR-Meister ewig die eigene Vergangenheit als Betriebssportgruppe des Ministeriums für Staatssicherheit vorzuhalten. Mielke ist tot. Aber der BFC lebt. Wieder.

In einer schwachen Wende-Stunde hatte er den Kopf und das "B" verloren und sich "FC Dynamo" benannt. So richtig rigoros, sagen wir mal, FC Eintracht- oder Borussia Berlin-mäßig, wollte man nicht sein, irgendwie sollte noch die alte Ideologie von Fans, Führung und Vergangenheit durchschimmern. Aber einer war weitblickend-schlauer, der ahnte schlitzohrig, dass das abgehackte "FC" weder Vergangenheit noch Zukunft hat. Peter ("Pepe") Mager, Fanartikelhändler in Friedrichshain, sicherte sich am 13. März 1997 die Namensrechte am vollwaisen Vereinslogo des BFC. "Die Marke war vorher nie geschützt, das war zu DDR-Zeiten auch weder nötig noch üblich", sagt Magers Anwalt Rupert Müller-Voss. Das Symbol war frei durch Nichtbenutzung, der Verein hatte keine Rechtsposition, allenfalls gehörte dem Stasi-Ministerium der Verein samt Logo, aber der Laden ist bekanntlich seit geraumer Zeit geschlossen.

Dennoch sieht sich der Fußball-Verein, der gute Chancen hat, demnächst in die Regionalliga aufzusteigen, als alleiniger Inhaber der Rechte, um das alte Logo selbst zu vermarkten. Wo BFC drauf steht, ist nun wieder BFC drin - der Verein aus Hohenschönhausen mit einer SPD-Abgeordneten als Präsidentin hatte sich im Frühjahr 1999 mit einer Rolle rückwärts wieder in den alten BFC Dynamo verwandelt; er möchte seinen Weg zu den Wurzeln mit dem weinroten BFC-Logo gehen und an die "sportlichen Erfolge der Thom, Doll, Ernst, Riediger und Rohde anknüpfen", wie Sportdirektor Hans Reker sagt.

Doch vorerst wird er für die Vermarktung seines eigenen Logos bei Pepe Mager bitten und blechen müssen, denn gestern wies eine Zivilkammer des Landgerichts die Klage des BFC zurück. Der 61jährige Geschäftsmann darf weiterhin Hemden, Schals, Mützen, T-Shirts, Teller, Tassen, Tulpen und Bettbezüge mit dem Dynamo-Zeichen herstellen und in seinem "Intershop"-Laden verkaufen. Der BFC wird in die Berufung gehen; die Sache zieht sich hin. Ein Vergleich würde den BFC einiges kosten; der BFC schuldet ohnehin noch ein paar tausend Mark für gelieferte Fan-Artikel, und weil das Geld nicht kommt, läßt Mager bei den Heimspielen des BFC die karge Kasse pfänden - beste Voraussetzungen für eine friedliche Einigung im Logo-Streit ...

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