Berlin : Bibliothek und Museum sollen auf den Schlossplatz

C. v. L.

Auf dem Schlossplatz sollte künftig in einem "Humboldt-Forum" ein Dialog der Kulturen geführt werden: Wenn auch das Votum für die bauliche Gestaltung des Geländes noch aussteht, so gilt die Nutzungsempfehlung für Kultur und Wissenschaft seit der gestrigen Sitzung der Schlossplatz-Kommission als sicher. Sie will hier die außereuropäischen Sammlungen der Dahlemer Museen, die wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität sowie die Landesbibliothek ansiedeln. Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin, der ein entsprechendes Konzept vorgelegt hatte, betonte während der Sitzung im ehemaligen Staatsratsgebäude, man wolle auf dem Schlossplatz aber keine Addition bestehender Einrichtungen, sondern einen Ort der Begegnung mit eigenständigem Profil schaffen.

Über die Frage, in welcher Hülle diese Einrichtung mit dem Arbeitstitel "Humboldt-Forum" stecken sollte, ob oder wieweit die alte Schlossfassade wiederhergestellt wird, will die Expertenkommission Historische Mitte während ihrer nächsten und letzten zwei oder drei Sitzungen bis Ende Januar endgültig entscheiden. Ursprünglich wollte das von Bund und Land Berlin eingesetzte Beratergremium bis zum Jahresende ein Votum abgegeben haben, aber zu viele Fragen sind noch offen. Vor allem ist zu klären, wie die auf bis zu zwei Milliarden Mark geschätzten Kosten für die Gestaltung des Platzes aufgebracht werden können. Der öffentlichen Hand ist während der letzten acht Sitzungen des Gremiums immer bewusster geworden, dass sie den Großteil beisteuern muss, zumindest aber in den ersten zehn Jahren für das geplante Bauwerk finanziell aufzukommen hat. "Bund und Land müssen in die Bütt", sagte der Kulturstaatsminister. Auf dem Platz dürfe man Kommerzialisierung nur "in kleinem Umfang zulassen". Nida-Rümelin stellt sich eine "Agora" vor, eine Begegnungsstätte von Kultur und Gastronomie, mit öffentlicher Wissenschaft und einer Bibliothek, die bis zu 7000 Besucher täglich auf den Schlossplatz bringt. Ein Mehrzwecksaal für bis zu 2000 Personen sei denkbar. Die Museen sollten etwa einen Anteil von 30 Prozent haben. Aber über Einzelheiten müsse noch gesprochen werden, etwa auch über eine Beteiligung des Hauses der Kulturen der Welt.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der23-köpfigen Expertenkommission, Hannes Swoboda, wird der Dialog der Kulturen und Religionen auch in Zukunft aktuell bleiben und das jetzt vorgelegte Nutzungskonzept bestätigen. Die Kommission habe sich auch mit dem ehemaligen Staatsratsgebäude beschäftigt. Es solle auf jeden Fall bestehen bleiben und möglichst rasch Funktionen bekommen. Im Gremium sei vorgeschlagen worden, das Haus als öffentliches Informationsforum und "Denkbox" für die Planungen auf dem Schlossplatz zu nutzen, auf dem zum Beispiel auch die frühere Bauakademie wieder entstehen soll. Die Bundeszentrale für Politische Bildung hätte sich auch für das Haus angeboten.

Mit der baulichen Gestaltung des Schlossplatzes hatte sich die Kommission bereits beschäftigt, wollte vor einem endgültigen Votum aber erst Klarheit über die Nutzung finden. Im Sommer war davon die Rede, dass die Mehrheit der Mitglieder einem Gebäude zustimme, das sich im Grundriss und Umriss am früheren Schloss orientiert. Einen Wiederaufbau des Schlosses als "Kopie" aber wolle man nicht befürworten. Auch Teilen des Palastes der Republik werden noch Chancen gegeben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben