Berlin : Bienvenue à Berlin

Neues Gratisblatt auf Französisch

André Glasmacher

Der Redaktionssitz könnte nicht besser gewählt sein: eine frisch renovierte Altbauwohnung in der Straßburger Straße. Büromöbel und Kaffeemaschine fehlen noch, die erste Ausgabe der „Gazette de Berlin“ ist aber auch so fertig geworden: 20 Seiten haben Herausgeber Régis Présent-Griot und sein 30-köpfiges Team zusammenbekommen – ab heute liegt die französischsprachige Gratiszeitung in ausgewählten Berliner Cafés, Clubs und Geschäften aus.

Der Name des Blattes ist nicht neu: Schon 1743 gab es in der Stadt eine französische Wochenzeitung mit dem Titel „Gazette de Berlin“. Nach 50 Jahren wurde sie eingestellt, und als Présent-Griot begann, sein Gratisblatt vorzubereiten, habe sich der Name angeboten: „Vor allem, weil die damalige Gazette der Aufklärung verpflichtet war.“ Aufklären will Présent-Griot nämlich auch: „Man spricht immer wieder über die deutsch-französischen Beziehungen, aber manchmal scheint mir das ein bisschen künstlich, zu offiziell. Wir wollen die Franzosen, die in Berlin und Deutschland leben, darüber unterrichten, wie es hier wirklich ist.“ Deshalb gibt es in jeder Ausgabe einen Serviceteil, der praktische Tipps über Deutschland gibt. Zum Beispiel, wie und wo man den Führerschein machen kann oder wann Kinder eingeschult werden. Présent-Griot sagt, dass es einen „echten Mangel“ an einer solchen Zeitung in Berlin gegeben habe, „schließlich gibt es immer mehr Französischsprachige hier, und auch Deutsche lernen wieder gerne Französisch“. Aktuell lebten rund 30 000 Frankofone aus 20 verschiedenen Ländern in Berlin: „Da lohnt es sich, denen ein Blatt anzubieten, die Kiezzeitung, Lifestylemagazin und Wirtschafts- und Politikzeitung ist.“ Die Gazette soll sich komplett über Werbung finanzieren. Alle 14 Tage kommt eine neue Ausgabe heraus, zunächst mit jeweils 40 000 Exemplaren.

Auch in Hamburg, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, München und Paris soll die „Gazette de Berlin“ ausgelegt werden. Mit französischen Gratiszeitungen in der Fremde hat der Herausgeber bereits Erfahrung: Vor sieben Jahren lebte der studierte Slawist in Moskau, gründete dort ein ähnliches Blatt. Obwohl alle Exemplare schnell vergriffen gewesen seien, ging ihm irgendwann wegen fehlender Einnahmen das Geld aus. Jetzt versucht Présent-Griot sein Glück an der Spree: „Berlin ist eine echte Weltstadt, zur gleichen Zeit hat es die Vorteile der Provinz: Die Luft ist hier viel besser und die sehr unterschiedliche Kultur einmalig.“

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