Berlin : Bierbrauer Helmut Fritsche

-

Gut die Hälfte seines Biers, „himmlisch gut seit 1589“, liefert dieser Urtyp eines Unternehmers nach Berlin. 18 000 Hektoliter in diesem Jahr. Aus der Hauptstadt kommen auch jedes Jahr mehr als 12 000 Besucher in die historische Klosterbrauerei nach Neuzelle. Den Erfolg von Andechs im Raum München hatte der Berliner Betriebswirt (FU) im Kopf, als er nach der Wende von der Treuhand den maroden Betrieb auf eigenes Risiko übernahm. Im Laufe der Jahre hat er 13 Millionen Euro investiert und daraus ein blühendes Unternehmen gemacht. Seine Marke „Schwarzer Abt“ findet sich heute in Moskau, Montreal, Seoul und Tokio.

13 Jahre hat er mit der Landesregierung über die Anerkennung seines „hybriden Biers“ – auch als Badebier genutzt – gestritten. Bis das Bundesverwaltungsgericht ihm Recht gegeben hat: Sein Gebräu darf nun offiziell Bier heißen. Aus diesen Jahren ist bei dem knorrigen älteren Herrn mit dem Offizierskopf und einem interessant gefalteten Gesicht, – sie brauen nun auch ein „Anti-Aging-Bier“ – eine tief sitzende Kritik am Umgang der Politik mit den Unternehmen geblieben. Ein wenig klingt es nach Hartmut Mehdorn, wenn der Mann, der zuvor 24 Jahre bei der AEG Erfahrung gesammelt hat, fordert: „Sie sollen mit Unternehmen nicht so umspringen!“. Und etwas bissig berichtet er, zu dem Innovationspreis, den sie in dieser Woche bekommen haben, hat ihm nur die PDS gratuliert – keiner aus der Regierung! Fritsche ist aber objektiv genug, wenn er über die komplizierten bürokratischen Genehmigungsverfahren und Kontrollen klagt, dass manche Missstände – Beispiel Gammelfleisch – von „Schreibtischtätern“ in den oberen Unternehmensetagen ausgingen.

Der Prototyp eines überzeugten Unternehmers, denkt man, wenn man dem Menschen zuhört. Davon könnten das Land und auch Berlin noch mehr gebrauchen. Aber der Werdegang hinter dieser Motivation ist nicht leicht zu kopieren: Als Kind auf dem elterlichen Bauernhof mit viel Freiheit aber auch harter Arbeit, die Flucht, die Einheitsklasse in der DDR, das Internat auf dem Weg zum Abitur. Keine Erlaubnis zum Studium, mit nur einer Tasche nach West-Berlin, West-Abitur nachholen, Lebensunterhalt durch Jobben verdienen. „Arbeit tut gut“ meint der Mann. Er wohnt heute in Bad Saarow. Sein ältester Sohn arbeitet in der Brauerei, baut den Internetshop auf. In acht Sprachen erscheint der „Schwarze Abt“ dort schon auf den Websites, auch in Japanisch und Chinesisch.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Helmut Fritsche, 68 . Der Diplom-Kaufmann (FU) ist Geschäftsführender Gesellschafter der Klosterbrauerei Neuzelle GmbH und Buchautor: „Der Bierkrieg – Im Fadenkreuz der Bürokratie“.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben