Biergärten in Berlin-Südwest : Ein Stück vom Himmel

Biergärten sind im Berliner Südwesten besonders schön. Kolleginnen und Kollegen vom Tagesspiegel haben schon mal Platz genommen.

von , , , , , und Maike Edda Raack
Was will man Meer? Wenn wir es doch an der Havel so schön haben... Ein Ausflug mit Biergartenbesuch im Berliner Südwesten – zum Beispiel zu den Wannseeterrassen – ist jedenfalls nicht nur was für Steglitz-Zehlendorfer. Foto: Thilo Rückeis
Was will man Meer? Wenn wir es doch an der Havel so schön haben... Ein Ausflug mit Biergartenbesuch im Berliner Südwesten – zum...Foto: Thilo Rückeis

Derby-Klause

In der Derby-Klause in Zehlendorf lohnt es sich, die Augen zu schließen – und seinem Geruchssinn freie Bahn zu lassen. Sie werden an drei Düften nicht vorbeikommen: Pferdemist, Heu und Bratkartoffeln. Die Derby-Klause, sei „die idyllische, urige Kneipe im Grünen“, sagt Sascha Groß, der das Lokal mit seiner Mutter Astrid Tebel seit 38 Jahren bewirtschaftet. Idyllisch ist es hier in der Robert-von-Ostertag-Straße: zwischen der Tierklinik für Fortpflanzung der FU, dem Gelände des Kinder- und Jugend-, Reit- und Fahrvereins mit seinen über 100 Schulpferden und der Justizvollzugsanstalt Düppel; die Gefängnis-Gärtnerei ist sehr zu empfehlen.

Urig stimmt auch: Das Schultheiss- Schild prangt über dem Eingangstor, der Biergarten mit seinen 90 Plätzen – 30 davon an den Biertonnen – ist grün eingewachsen, das Gartenmobiliar ist funktionstüchtig, aber in die Jahre gekommen. Die Derby-Klause sei seit der Gründung in den Fünfzigern eine Kneipe „fürs einfache Volk“, sagt der Wirt. Heißen würde sie „nach einer kleinen Pferderennbahn, die es hier mal gab“. Sascha Groß lehnt am Tresen, da gehöre er hin. „Ich kann nichts anderes“, sagt er, „es ist mir wie auf den Leib geschnitten.“

Bekannt sei das Lokal für seine Gerichte rund um die Bratkartoffel, erzählt der Wirt: Vielleicht mit Matjes, Zanderfilet oder Leberkäse? Oder lieber ein deftiges Bauernfrühstück? Er freue sich schon auf die Pfifferlingsaison. Die Derby-Klause ist ein Stück echtes Berlin – ein Geheimtipp. Boris Buchholz

Maria & Josef

Nimmt man am S-Bahnhof Lichterfelde-West den Ausgang Richtung Baseler Straße, läuft man geradewegs ins Maria & Josef. Neben dem geräumigen Biergarten mit Selbstbedienung und Platz für 450 Personen gibt es auch einen eingedeckten Restaurantbereich mit Terrasse, wo saisonale Köstlichkeiten, aktuell gibt es noch Spargel, serviert werden, genauso wie rustikale süddeutsche Hausmannskost à la carte und kleine Schmankerl wie Obazda oder Leberkäs. Hier serviert das Personal traditionell bayrisch in Lederhose oder Dirndl.

Ein kleines Bier vom Fass gibt es für drei Euro, ofenfrische Brezn für zwei, und die Bratwurst für dreifünfzig bekommt man am Tresen neben dem Hend'lgrill (das halbe für 5,50 Euro). Wer die Getränke vor Ort kauft, darf im Garten sogar seine eigenen Snacks mitbringen. Eine nette bayrische Tradition, die bei Berliner Gastronomen wohl eher zu Schnappatmung führen dürfte. Zu Fußballereignissen wie WM oder EM wird auf einer großzügigen LED-Wand übertragen, weshalb man an Sporttagen rechtzeitig erscheinen sollte, denn dann sind die besten Plätze schnell vergeben. Dass man quasi direkt neben den S-Bahn-Gleisen sitzt, stört dabei niemanden. Ob Studenten, Familien, Alt oder Jung, im Maria & Josef trifft sich das urige Berlin in bayrischem Ambiente. Atila Altun

Wannsee-Terrassen

„Irgendwie erinnert der Blick mich an Thailand!“ – „Aber ist das dort nun die Insel Imchen?“, rätseln Neuankömmlinge am Nachbartisch. Eigentlich verschlägt es den meisten erst einmal die Sprache, wenn sie im Biergarten der Wannseeterrassen an das Geländer treten: Zur Rechten Schwanenwerder, dahinter dümpeln Boote im Hafen von Kladow, so weit das Auge reicht nur Wasser, weiße Segel und sattgrün bewaldete Ufer an Wannsee und Havel. Vom weiter unten gelegenen Strandbad schimmert hellgelb der Sand durch die Blätter der Kiefern und Birken. Hierhin, Wannseebadeweg 35, kommt man am besten mit dem Fahrrad vom S-Bahnhof Nikolassee.

Das Panorama ist kostenlos, schlägt sich aber durchaus im Getränkepreis nieder – auch sind Bier oder Schorle aus dem Plastikbecher nicht immer gut gekühlt. Statt Brezn und Brathendl gibt es knusprige, großzügig belegte Flammkuchen, klassisch mit Speck, „Italian“ mit Parmaschinken oder vegetarisch mit Rucola.

Spätestens alle Viere von sich gestreckt im Klappliegestuhl, während die Kinder auf dem schattigen Spielplatz mit Kletterhäuschen, Rutsche und Schaukeln beschäftigt sind, sehnt sich wohl niemand mehr nach Urlaub in Thailand.

Achtung: bei regnerischem Wetter geschlossen. Im Zweifel erkundigen unter Tel. 80908212. Maike Edda Raack

Restaurant Grunewaldtturm

Am besten ist es natürlich, man kommt mit dem Rad oder zu Fuß. Von wo auch immer man gestartet ist, man hat etwas getan, ist einen Berg raufgeradelt (na ja, Berg, wir sind in Berlin) oder quer durch den Wald gelaufen, man hat sich Belohnung verdient. Und dann steht er vor einem, mächtig, gewaltig, roter Backstein, das Denkmal für Kaiser Wilhelm, der Grunewaldturm. Es gibt schönere Denkmäler, filigranere Gebäude, weniger trutzige Türme. Es ist also nachvollziehbar, dem Klotz den Rücken zuzudrehen. Aber auf der richtigen Seite. Vorn, Klotz im Rücken, sieht man nur den Parkplatz und die Havelchaussee. Aber hinter dem Turm, den Klotz im Rücken, sieht man, ja, da sieht man ein Stück vom Himmel.

Wenn der Himmel blau ist und die Sonne strahlt, glitzert das Wasser, fliegen die Vögel, segeln die Boote. Denn hinter dem Grunewaldturm haben sie einen Biergarten hingestellt, haben eine Schneise in die Uferbepflanzung geschlagen, haben den Blick geöffnet, geweitet, gebreitet. Wenn man Pech hat oder Glück (das ist wohl Geschmacksache), versucht sich eine Band auf der Bühne am Rand an etwas, was man im weitesten Sinne Jazz nennen kann. Wenn man Durst hat, kann man sich an der Verkaufsbude versorgen. Wenn man Hunger hat, ebenso. Die Preise sind wie überall, aber darauf kommt es ja nicht an. Nicht zu bezahlen, oder nur mit der Mühe des Aufstiegleins, ist die Aussicht. Auf die Havel, weit breit, erhaben. Und dann ist man am Gardasee, in der Bucht von San Francisco, am Malecón in Havanna, am Cap Corse, am Chiemsee oder wo immer man auch gerade sein will. Aber nicht sein muss, weil der Blick hinunter aufs glitzernde Wasser der Havel, hoch zum blauen Himmel, in die Ferne zu den segelnden Booten, weil dieser Blick im Biergarten des Grunewaldturms mitten in Berlin auch sehr, sehr schön ist. Helmut Schümann

Nuovo Paladino

Es gibt sicherlich spektakulärere Orte in Zehlendorf und Wannsee. Biergärten und Gaststätten direkt am Wasser, Restaurants mit Panoramablick über den See. Nur meist sind diese zu weit entfernt, um regelmäßig dort einzukehren. Und die Locations, die gut zu erreichen sind, sind voll und laut. Ein Dilemma. Oder vielleicht auch nicht. Denn sucht nicht jeder in der Tiefe seines Herzens einen gemütlichen Ort, an dem man sich zu Hause fühlen kann, wo man mit sich und der Welt im Lot ist? So einen wie das Nuovo Paladino in der Fischerhüttenstraße 67, wenige Gehminuten vom U-Bahnhof Krumme Lanke entfernt. Ein Restaurant mit mediterraner Küche, Pasta, Fisch, Fleisch, Pizza, alles frisch, lecker und mit Preisen zwischen 6 und 25 Euro bezahlbar. Es gibt zusätzlich zur Karte wechselnde Tagesgerichte, und der Koch variiert die Gerichte ständig Selbst Stammgästen wird so nicht langweilig.

Das Restaurant hat einen schönen Garten, von dem aus man die hohen Kiefern im kleinen Park nebenan sehen und die Vögel beobachten kann, fast so, als hätte man daheim eine Terrasse im Grünen. Der Service ist schnell, aufmerksam und dabei persönlich. Man kennt sich und freut sich aufeinander. Und für Zehlendorf nicht selbstverständlich: Die Küche ist bis 22 Uhr besetzt, bei Bedarf auch bis Mitternacht. Nach einem Bad im Schlachtensee und für lange Sommerabende genau das Richtige. Heike Jahberg

Kronprinz

Einen großen, traditionellen Biergarten hat Zehlendorf-Mitte vielleicht nicht, aber einige kleine. Gleich drei gibt es neben anderen etwa in der kleinen, kopfsteingepflasterten Scharfestraße, die von der Clayallee zur Onkel-Tom-Straße führt, quasi von der „Stadt“ aufs „Dorf“. Gut draußen kann man im Incontri direkt an der Ecke zur Clayallee sitzen, das klassische Gericht ist hier allerdings ganz klar: Pizza. In der Antipasteria Garbatella an der Ecke zur Onkel-Tom-Straße ist es dagegen ruhiger. Allerdings ist das klassische Getränk hier natürlich der gute Hauswein, den man unbedingt zu einem unvergesslichen Antipasti-Teller trinken sollte. Vorspeisen kann man hier übrigens den ganzen Abend essen, ohne Hauptgericht, das es natürlich auch gibt, und dabei gemütlich draußen sitzen.
Einem klassischen Biergarten am nächsten kommt der Kronprinz gegenüber vom Incontri. Das Schönste am Kronprinz ist – dass er Biergarten und Wohnzimmer zugleich ist. Im Sommer eher Biergarten, was nicht heißt, dass es nichts Gutes zu essen gibt. Fleisch? Kein Problem, der Koch kann deftig. Aber eben auch anders – Salate, Flammkuchen etwa. Außerdem wird hier jeder so bewirtet, als gehöre er zur großen Kronprinz-Familie, die in der Tat aus vielen Stammgästen besteht. Ach, und wen es interessiert: Es gibt Kölsch! Armin Lehmann

Söhnel Werft

Und am Ende all dieser Tipps fahren wir, genau: ans Ende von Berlin. Dorthin, wo die Füchse in den Gärten dösen und man lieber einen Stadtplan mitnimmt („Wo ist die Neue Kreisstraße 50?“), weil das Handynetz nicht immer so dolle ist: Kohlhasenbrück, in die „Söhnel Werft“. Mit dem Rad geht’s vom S-Bahnhof durch den alten Dorfkern von Wannsee, über die Brücke am Stölpchensee hinweg, immer weiter durch den Forst. Am Ziel dann: ein Helles an der Stille des Teltowkanals. Wer mag, mietet sich ein Kanu und gleitet über den Griebnitzsee. Oder bleibt halt sitzen, im Schatten der Bäume, und genießt das Idyll. Das Ende Berlins ist wie Kurzurlaub. André Görke

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