Berlin : Biergarten Olympiastadion

Happy Hour bei Hertha: Sollen Fans mit billigeren Getränken früher ins Stadion gelockt werden, damit es keine Schlangen gibt?

André Görke

Wenn Peter von Löbbecke aus seinem Bürofenster schaut, sieht er das Olympiastadion – und eine große, leere Wiese, die direkt vor der unlängst renovierten WM-Arena liegt. „Auf dem Rasen ist bei Fußballspielen nichts los“, sagt der Stadionmanager. „Da liegen im Sommer ein paar Fans in der Sonne rum, sonst nichts.“ Deshalb plant von Löbbecke, auf der Wiese einen Biergarten zu errichten. „Schönes Wetter, kaltes Bier, direkt im Stadion“, sagt von Löbbecke. „Das lockt die Fans doch an, oder?“

Die Organisatoren machen sich so einige Gedanken, wie sie ein Chaos wie am vergangenen Wochenende verhindern können. Da kamen viele der 75 000 Besucher des Bundesligaspiels zwischen Hertha BSC und Schalke 04 zu spät ins Stadion, weil die Ordner an den Eingängen überfordert waren. Viele Fans hatten vor dem Stadion ihr Bier getrunken. Als dann der Anpfiff nahte, wollten alle schnell ins Stadion. Das System brach zusammen.

Herthas Manager Dieter Hoeneß hat daraufhin die Idee geäußert, die Bierpreise vor dem Anpfiff zu senken, damit viele Fans früher ins Stadion kommen. So etwa machen es die Organisatoren des WM-Stadions in Hannover, wo bei ausverkauften Spielen die Preise je nach Uhrzeit schon mal um 1,50 Euro schwanken. Jüngst war eine Berliner Delegation in Hannover, um sich das System anzuschauen. Bei ausgewählten Spielen in Berlin könnten die Preise im Halbstundentakt angehoben werden, sagt von Löbbecke. „Wir prüfen, ob sich das rechnet.“

Der halbe Liter Bier kostet im Olympiastadion 3,30 Euro, an den Buden auf dem Vorplatz sind die Preise niedriger. Dennoch verkauft Chef-Caterer Aramark bei ausverkauften Spielen „etwa 50 000 Getränke und 30 000 Snacks, von der Bratwurst bis zum Eis“, sagt Aramark-Sportchef Gerald Rosendahl.

Die Fans sollen in Zukunft auch anders gelenkt werden und nicht mehr auf nur zwei Zugänge einströmen. Am Reiterhof, nahe S-Bahnhof Pichelsberg, entsteht ein dritter Zugang, der die Fans aus dem Westen auffangen soll. Zur WM 2006 werden außerdem weitere, temporäre Eingänge im Westen geschaffen, damit Medien und VIPs sich nicht auch noch mit den Fans vermischen.

Seit Freitag ist zudem klar, dass die insolvente Walter-Bau AG die Restarbeiten erledigt. Dazu gehören auch so genannte Vereinzelungsanlagen vor den Kassen. Darunter sind fest verankerte Barrieren zu verstehen, die die Fans kontrolliert zu den Ordnern führen sollen. Vor einer Woche wurden die Absperrgitter einfach umgestoßen.

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