Berlin : Biesdorfer Schloss: Handwerker übernehmen das Zepter

bey

Der Verfall des denkmalgeschützten Schlosses Biesdorf wird jetzt gestoppt: Nächste Woche will die Schindler Unternehmensgruppe, die im Bezirk vier Seniorenheime betreibt und deren Chef außerdem die Marzahner Augenklinik leitet, mit der Rettung des Putzbaus beginnen. Das teilte gestern Klaus Naumann von der Stiftung mit. "Wir planen Instandhaltungsarbeiten am Dach und am Turm", kündigt der Projektmanager an. So sollen die Turmfenster beispielsweise mit einer Folieneinhausung versehen werden. Außerdem erneuern noch vor dem Einbruch des Winters Handwerker die marode Elektroanlage und Toiletten.

Dies alles ist ein Ergebnis einer Initiative, die das 132 Jahre alten Gebäude an der Bundesstraße B 1 / 5 retten will. Der Förderverein für das Bezirksmuseum Marzahn, der Verein für Betreuung arbeitsloser Leute und Lebenshilfe (BALL e. V.) sowie der Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis (MHWK) werben gemeinsam bei regionalen Unternehmen um Unterstützung. Unter dem Motto "Biesdorf braucht sein Schloss" sollen Sponsoren gefunden werden, die Reparaturen ausführen. "Das ist ein wichtiger Schritt für die Bestandsicherung", kommentierte Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU) das Vorgehen.

Dennoch gibt es kein endgültiges Konzept zur Zukunft des Schlosses. Zurzeit wird zwar, wie berichtet, die Gründung einer Stiftung "Ost-West-Forum Berlin" vorbereitet, aber der Stadtrat geht davon aus, dass erst nächstes Jahr alle Formalitäten geklärt sind. Ziel der Stiftung ist es, das heruntergekommene Gebäude denkmalgerecht zu sanieren. Der Bezirk setzt sich dafür ein, dass dort auch weiterhin kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Seit sechs Jahren organisiert der BALL e. V. unter anderem Lesungen, Ausstellungen, Kurse und Gesprächsrunden. Rund 140 000 Besucher kamen bisher ins Schloss. Die Schindler-Unternehmensgruppe schlägt vor, im Schloss künftig Kongresse und Kolloquien zu veranstalten. Zudem will man Beziehungen zu Osteuropa knüpfen.

Wie berichtet, scheiterten alle bisherigen Bemühungen Marzahns, einen Investor für das Kleinod zu finden. Grund war fast ausschließlich der auf 30 Millionen Mark geschätzte Sanierungsaufwand. Wann endlich mit der notwendigen Schönheitskur begonnen wird, kann derzeit noch niemand genau sagen. Klaus Naumann von der Schindler-Gruppe geht aber davon aus, "dass es schnellstmöglich geschieht". Auf jeden Fall werden bereits Vorarbeiten für eine exakte Planung geleistet, erklärt Jens Rieser von der bezirklichen Denkmalschutzbehörde. Studenten haben damit begonnen, das Gebäude gründlich zu vermessen. Und im November wird es eine Finanzspritze geben, kündigt der Chef des Wirtschaftskreises an. So soll beispielsweise der Tombola-Erlös vom diesjährigen Unternehmerball dem Schloss, das früher der Familie Siemens gehörte, zugute kommen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben