"Big Eden" : Nur für eine Nacht

Einst war das „Big Eden“ die Topdisko Berlins. An Silvester soll sie nun reaktiviert werden. „Helden der Nacht“, ein seit zehn Jahren erfolgreiches Partylabel, hat die Räume für die Silvesternacht gemietet.

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Der Ort sieht nicht aus, als würde hier noch jemals ein Mensch das Tanzbein schwingen, Abend für Abend können sich Kinobesucher davon überzeugen. In „The Big Eden“, Peter Dörflers aktuellem Dokumentarfilm über Berlins ewigen Playboy Rolf Eden, streift der Titelheld auch durch seine einst legendäre Diskothek am Kurfürstendamm 202, das „Big Eden“ eben – oder das, was davon übrig ist. Gut, es gibt noch die Sitznischen, die beiden Bars, das nostalgische Interieur. Aber Licht- und Tonanlage, Tanzboden gar? Fehlanzeige. Aber das war einmal eines der lukrativsten Amüsierzentren der Halbstadt, „die größte Diskothek Berlins, in bester Lage und mit Parkplätzen vorn und hinten“, wie der ehemalige Hausherr sich erinnert.

Für einen Abend soll nun der seit etwa fünf Jahren brachliegende Tanztempel reaktiviert werden. „Helden der Nacht“, ein seit zehn Jahren erfolgreiches Partylabel, hat die Räume für die Silvesternacht gemietet, will die „goldene Diskozeit in Berlin“ für einige Stunden zurückholen, wie Stefan Goetze, neben Max Dallmann einer der beiden „Helden“, schwärmt. „Eine Monsteraufgabe“, das weiß er, jede Glühlampe, jeden Lautsprecher müssen sie mitbringen und die alte Tanzfläche auch noch mit einem neuen Boden versehen, damit die bewegungsfreudigen Gäste von der Musik – House, Old School Hip-Hop, Eighties und natürlich Disko – auch was haben.

Die beiden Veranstalter würden natürlich gerne Rolf Eden als Gast begrüßen, aber eine Zusage gibt es nicht. Sein Kommen ist auch eher unwahrscheinlich, momentan weilt er, wie stets zur Weihnachtszeit, im sonnigen Florida, lässt sich aber dennoch gern aus der Ferne zur Geschichte seines ehemaligen Hauses befragen. Im März 1967 habe er das „Big Eden“ eröffnet und 2002 verkauft, und als es später pleite gewesen sei, hätte er es gerne wieder übernommen, aber Hausbesitzer Arthur Brauner habe nicht gewollt, aus Sorge um die Ruhe der Gäste in seinem über der Kellerdisko liegenden Hollywood Media Hotel.

„Das war mein Königreich, meine Heimat“ – so hatte der 81-jährige Eden einmal vom „Big Eden“ geschwärmt, das nur die Krönung seines Amüsierreichs war. Sogar der Tagesspiegel, damals nicht gerade ein verlässlicher Führer durch die Nacht, war bei der Eröffnung dabei: „Ein üppig schockfarben lichterfunkelndes und ganz nach dem Geschmack der ,Hippies‘ chic drapiertes Beat-Lokal.“ Jede Menge Stars seien dort seine Gäste gewesen, schwärmt Eden noch heute, „die ganz großen Regisseure und Schauspieler“, die immer wiedergekommen seien, und dann auch viele Musiker, Paul McCartney beispielsweise oder die Rolling Stones. Die hat er dann in seinem Rolls-Royce, damals ein Modell von 1936 mit Chauffeur, zu seinen verschiedenen Lokalen gefahren – bis ihm einer ins Auto pinkelte und er die sonst sehr nette Gruppe sicherheitshalber ins Hotel kutschierte. Welcher der Stones das gewesen sei? Er kann sich leider nicht erinnern. Andreas Conrad

Karten für die Party am 31.12. gibt es bei Udo Walz, Schlüterstraße 48. Infos: www.helden-der-nacht.de

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