Berlin : Big in Japan

Nach seiner Tournee durch Asien tritt Max Raabe am Sonntag erstmals wieder in der Waldbühne auf

Sebastian Leber

Der Mann ist ein Ferkel. Hat nur Sex im Kopf. Und singt auch noch darüber. In Deutschland hat das bisher keiner bemerkt, aber die Behörden in China waren aufmerksam. Zum Beispiel beim Lied „Mein Gorilla hat ’ne Villa im Zoo“. Da singt Max Raabe schamlos: „Frau Gorilla, die hält still / Wenn er sie mal küssen will.“ Klarer Fall, das Stück muss zensiert werden.

Nicht nur die chinesische Moralpolizei wird der Berliner Max Raabe von seiner ersten Asientour als „seltsam“ in Erinnerung behalten. Zeitweise kam er sich vor wie auf einem fremden Planeten – oder andersrum: „Als wäre ich ein Marsmensch.“ Drei Wochen dauerte die Tour mit seinem Palastorchester durch Japan und China. In Japan ist Raabe schon länger bekannt, da sind die Werbeplakate mit seinem Konterfei acht Meter hoch.

Inzwischen steht er wieder auf deutschen Bühnen, am Sonntag gibt er in der Waldbühne sein erstes Berlinkonzert seit anderthalb Jahren. Der Asien-Trip beschäftigt ihn noch immer. Schon allein deshalb, weil jeden Abend bis zu 3000 Menschen zu seinen Konzerten kamen. Warum, kann er selbst nicht genau sagen. Jedenfalls bestimmt nicht, weil sie unbedingt seine Lieder aus den 20er und 30er Jahren hören wollten: „Chinesen können auf 4000 Jahre Kultur zurückblicken, da spielen zwei Jahrzehnte deutscher Kultur keine Rolle.“ Ob sie ihn, mit seinem Smoking, dem Einstecktuch und dem zurückgekämmten Haar, wohl für einen Freak hielten? „Vielleicht auch für einen typischen Deutschen.“

Bei den Chinaauftritten wurden einige seiner Liedtexte übersetzt und in chinesischen Schriftzeichen mit einem Projektor an die Wand geworfen: „Mein kleiner grüner Kaktus“ etwa oder auch „Ein Freund, ein guter Freund“. Aber nur knapp die Hälfte seines Repertoires, der Schweinkram blieb unübersetzt. Beeindruckt hat ihn, wie lebendig es bei den Konzerten in China zuging. Da klingelten Mobiltelefone, da wurde getuschelt – „ein konstanter gewisser Geräuschpegel war das“. Viele Eltern brachten ihre Kinder mit. Die rannten dann während des Konzerts zwischen den Stuhlreihen hin und her, kletterten auch mal am Bühnenrand hoch. „Das war schon ganz anders als hier. Aber man gewöhnt sich schnell daran.“

Um den Sitten des deutschen Gastes entgegenzukommen, veröffentlichte die Tageszeitung in der Millionenstadt Quanzhou am Konzerttag Benimmregeln für Fans. Die erste Regel lautete: „Männer tragen Anzug.“ Nummer zwei: „Damen ein schönes Kleid.“ Regel Nummer drei: „Die Kinder bleiben zu Hause.“ Und zum Schluss noch dieser Hinweis: „Handys bleiben an diesem Abend aus.“ Hat nicht viel gebracht, war aber eine nette Geste. Raabe wiederum wollte den Chinesen entgegenkommen und hatte extra ein altes Volkslied einstudiert. „Der kleine Fluss“ hieß das auf Deutsch. Als er es anstimmte, zückten hunderte Zuhörer ihre Handys und riefen ihre Freunde an. „Wahrscheinlich, um das Erlebnis mit dem komischen Kauz auf der Bühne mit anderen zu teilen“, vermutet Raabe. „Das hätte ihnen sonst keiner geglaubt.“ Die Japankonzerte liefen ganz anders, da waren seine Zuhörer „mucksmäußchenstill, geradezu andächtig“.

Ob er froh ist, wieder in Deutschland vor gewohntem Publikum aufzutreten? „Ich will da gar keine Wertungen treffen. Die einen so, die anderen so.“ Außerdem geht es schon nächstes Jahr zurück nach Asien. Im Mai gibt er mehrere Konzerte in Japan. Der dortige Tourveranstalter hat darum gebeten – man dürfe die Begeisterung der Fans jetzt nicht verpuffen lassen. Und im Oktober 2007 tritt Max Raabe wieder in New York auf. In der berühmten Carnegie-Hall. Da war er schon öfters, aber bisher nur in der mittleren Halle. Diesmal soll es die große sein.

Das Konzert in der Waldbühne beginnt um 20 Uhr. Es gibt noch Karten für 39 Euro an der Abendkasse.

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