Berlin : Big in Neukölln

Früher war Axel Kruse der Liebling der Hertha-Fans – jetzt hat er bei Tasmania seinen Einstand als Trainer gefeiert

André Görke

Axel Kruse lehnt an der Werbebande neben dem Fußballplatz. Die Betonplatten sind rutschig, Unkraut frisst sich durch den Stein. Kruse zieht ruhig an einer Zigarette, seit Minuten schweigt er. Dann plötzlich, ein lauter Schrei: „Ey, du Plinse. Mach’ endlich die Augen auf!“ Kruses Blick ist aggressiv. Die Augen sind weit aufgerissen. Der Schiedsrichter ermahnt ihn zur Ruhe.

Vor einigen Jahren ist Axel Kruse einer der Großen gewesen, ein Mann, den die Menschen in Berlin an jeder Straßenkreuzung erkannt haben. Kruse ist mit Hertha BSC vor fünf Jahren in die Bundesliga aufgestiegen. Er hat immer schon geschimpft, er war laut, direkt. Die Hertha-Fans mochten ihn, Kruse war der Publikumsliebling. Kruse hat schon mal wütend den Schiedsrichter umgerannt, hat die Fans des Gegners provoziert. Und es gab bei Hertha keinen anderen Spieler, der so schön jubeln konnte. Kruse riss sich dann immer sein Trikot vom Körper, spannte die Muskeln an und rannte los. Und dann schrie er, und schrie und schrie.

Seit knapp einer Woche ist Kruse zurück im Geschäft. Nicht in der Profi-Branche, sondern im Amateurfußball. Der 35-Jährige hat den Job als Trainer beim Verbandsligisten Tasmania 73 übernommen. Das ist jener Klub aus Neukölln, der in den Sechzigerjahren als schlechtester Bundesliga-Verein aller Zeiten in die Geschichte einging. Heute spielt Tasmania in der fünften Liga. Kruse soll dem Verein nun helfen, dass es wieder nach oben geht. In die Oberliga. Sein Einstand als Trainer ist geglückt, Tasmania hat am Sonnabend den BFC Dynamo 1:0 geschlagen. Vier Punkte Rückstand sind es auf den Spitzenreiter SV Yesilyurt. „An die müssen wir herankommen“, sagt Kruse. In zwei Wochen spielt Tasmania gegen Yesilyurt.

Kruse ist nicht der einzige Bekannte bei Tasmania. Jens Tschiedel spielt dort, auch Goya Jaekel – ehemalige Fußballprofis. „Der Axel redet anders mit uns, er spricht unsere Sprache – weil er noch nicht so lange Trainer ist“, sagt Tasmanias Spieler Christian Fährmann. Früher hat er mit Kruse bei Hertha gespielt, jetzt ist der Trainer auch sein Berater. Bis zur Winterpause wird Fährmann noch in Neukölln spielen, dann wechselt er zum Oberligisten Tennis Borussia. Und wie lange bleibt Kruse bei Tasmania? „Ich habe nur bis zum Saisonende zugesagt, per Handschlag“, sagt Kruse. „Dann muss ich sehen, wie es weitergeht.“

Kruse hat in diesen Tagen eine Menge zu tun. Er steht als Footballspieler bei Berlin Thunder unter Vertrag. Dort beginnt die Saison aber erst im Frühjahr. Über mangelndes Interesse kann Kruse eh nicht klagen. Jetzt hat er nämlich auch noch einen Job als Fernsehmoderator angenommen. Heute Abend gibt er auf TVBerlin für die Sportsendung „Rasant“ seinen Einstand. Um einen Studiogast hat sich Kruse auch schon gekümmert: Herthas Bundesligaprofi Andreas Neuendorf wird ab 20.15 Uhr vorbeischauen.

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