Biker-Treffen : Harley Days: Sie röhren immer im Rudel

Männer, Mähnen und protzige Namen: Tausende Biker kommen zu den Harley Days nach Tiergarten – mit dabei: nette Familienväter.

Eva Kalwa
290461_3_xio-fcmsimage-20090731153142-006004-4a72f23e4160f.heprodimagesfotos83120090729wbg_0121.jpg
Sie können auch anders. Nämlich böse gucken. Dabei wollen Whisky, Pinsel, Kamikaze und Hardy (v.l.) vom Harley Club...

Es muss blubbern und vibrieren, dann schlägt das Herz von Fabian Reinicke alias „Kamikaze“ höher: „Keine Maschine ist wie die Harley“, sagt der Schriftführer des Harley Davidson Biker Clubs Berlin begeistert. Der 33-Jährige ist der Jüngste in dem 1978 gegründeten Lichterfelder Verein mit rund 30 Mitgliedern, die in den nächsten Tagen viele Gäste aus ganz Deutschland erwarten: Denn am kommenden Wochenende finden am Salzufer in Charlottenburg die ersten „Berlin Harley Days“ statt.

Seit 2003 existiert eine ähnliche Großveranstaltung in Hamburg, in diesem Jahr trafen sich dort rund 250 000 Harley-Fans. „Ganz so hoch sind unsere Erwartungen für die Premiere in Berlin nicht gesteckt“, sagt Sabine Vogt, Pressesprecherin des Veranstalters Bergmann-Gruppe. „Wir rechnen in den drei Tagen mit insgesamt etwa 30 000 Bikern“; insgesamt werden 300 000 Besucher erwartet. Eine riesige, chromfunkelnde Harley-Parade wie in Hamburg haben die Berliner Behörden allerdings nicht genehmigt. Besuchern, die kein Motorrad in der Garage haben, soll ein Besuch zwischen Salzufer und Spreebogen auf andere Weise schmackhaft gemacht werden: Am Samstag spielen zwischen 19 und 20 Uhr die Simple Minds, der Eintritt ist frei (siehe Infokasten rechts).

Für Harley-Liebhaber Reinicke ist die Veranstaltung eine gute Gelegenheit, „viele alte Freunde wiederzutreffen“, sagt der Neuköllner Trainer für betriebliche Weiterbildung. Schon als er ein kleiner Junge war, drehte sich Reinicke nach schweren Motorrädern auf der Straße um. Nachdem er dann mit 23 Jahren endlich das Geld für den Führerschein und seine erste Harley gespart hatte – beides gehörte für ihn schon immer zusammen –, hat ihn die Faszination für das Vibrieren des zweizylindrigen Motors und für dessen „Melodie“, ein tiefes Blubbern, nie wieder losgelassen. Vor Kurzem haben er und einige Vereinsmitglieder in Zepernick zusammen mit einem Trompeter sogar ein 20-minütiges Konzert auf ihren Maschinen gegeben. Auch seine Frau hat Reinicke vor sieben Jahren auf einem 380 Kilometer entfernten Bikertreffen kennengelernt: ein seltsamer Zufall, denn zu diesem Zeitpunkt wohnten beide in Berlin knapp 200 Meter Luftlinie auseinander. Auf einem solchen Treffen hat Reinicke dann später auch seinen Heiratsantrag gemacht – obwohl seine Frau bis heute eine Yamaha fährt und damit kein reguläres Vereinsmitglied werden kann.

Die meisten Mitglieder beim „HDBC Berlin“ sind tatsächlich Männer, dann Reinickes Spitzname „Kamikaze“: Soweit stimmt das Klischee vom Easy Rider. Allerdings sind bei den meisten Vereinsaktivitäten auch die Lebenspartnerinnen und Kinder dabei. Darüber hinaus wollen Reinicke und die anderen Vereinsmitglieder aktiv gegen Vorurteile kämpfen, Harley-Fahrer seien sich in Kneipen prügelnde Rockerbanden. Oder noch Schlimmeres. „Natürlich gibt es diese Clubs, auch in Berlin – aber jeder Mensch hat die freie Wahl, sich den Verein auszusuchen, der seinen Vorstellungen entspricht.“ Viele Fahrer wie er hätten einfach Spaß an den gemeinsamen Wochenendausfahrten, den Grillabenden mit den Familien und den Partys im Vereinsheim. Dabei sei es auch nicht wichtig, schnell zu fahren: „Der Weg ist das Ziel“, so Reinicke.

Neben diesem Gemeinschaftsgefühl ist es die Möglichkeit, in der Gestaltung des Motorrads ein Stück Individualität auszuleben, die viele Fans der schweren amerikanischen Maschinen mit ihren riesigen Hubräumen und den beiden in V-Form angeordneten Zylindern so fasziniert.

Kaum eine Harley gleicht der anderen, und es gibt nicht nur zahlreiche Modelle, sondern auch unterschiedliche Kategorien, in denen bestimmte Gestaltungstypen zusammengefasst werden. Bei den Choppern zum Beispiel ist Minimalismus das A und O, die Custom-Bikes wiederum glänzen und funkeln nur so vor schwarzem Lack und silberfarbenem Chrom. Ganz anders bei den „Rat-Bikes“, den schrottreif wirkenden Ratten-Rädern: Manche Fahrer dekorieren ihre Harley dazu mit Tierfellen, alten Weckern oder anderem Ramsch. Reinicke erklärt diesen Stil so: „Wichtig ist, dass das Bike bei voller Fahrtüchtigkeit so aussieht, als könne es nicht mehr fahren.“

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar