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Bilanz der Berliner Wasserbetriebe : Wasserpreise bleiben bis 2020 stabil

Die Berliner Wasserbetriebe stellen ihre Bilanz für das Jahr 2016 vor. Die fällt positiv aus, die Wasserpreise bleiben deshalb auf dem derzeitigen Niveau.

Die Berliner Wasserbetriebe.
Die Berliner Wasserbetriebe.Paul Zinken/dpa

546 000 Kubikmeter, also 546 Millionen Liter frisches Trinkwasser verbrauchen täglich Berliner Haushalte, Industrie und Gewerbe. Fast die doppelte Menge könnten die nach einem Rückkauf seit 2013 wieder dem Land Berlin gehörenden Berliner Wasserbetriebe (BWB) bereitstellen. Weil die Stadt wächst, wird auch mehr Wasser verbraucht. 2016 verkaufte das Unternehmen 210 Millionen Kubikmeter Wasser und reinigte 222 Millionen Kubikmeter Abwasser. Der Vorstandsvorsitzende Jörg Simon verkündete am Freitag bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2016 gute Nachrichten für die Verbraucher: „Die Wasserpreise bleiben bis 2020/2021 stabil.“

TRINKWASSER

Neun Wasserwerke und Leitungen mit einer Gesamtlänge von 7917 Kilometer sorgen für Bereitstellung und Transport des Wassers. Aus 650 Brunnen, die bis zu 170 Metern tief sind, wird das Grundwasser zunächst in eines der neun Wasserwerke geleitet, wo es aufbereitet wird. Von den Versorgungsleitungen zweigen rund 298 000 Hausanschlüsse ab. Druck und Durchfluss des Trinkwassers werden an zahlreichen Punkten des Rohrnetzes reguliert und überwacht. 2016 wurden 137 Kilometer Rohre und Kanäle verlegt, saniert oder renoviert, überwiegend mit „grabenloser Technik“.

Rund 241 Millionen Euro investierten die Wasserbetriebe in Netze und Anlagen. In den nächsten fünf Jahren will das Unternehmen zwei Milliarden Euro investieren. „Die Netze sind der Schatz der Wasserbetriebe", sagte die Aufsichtsratsvorsitzende und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Das „grabenlose Bauen“ werde da eingesetzt, wo es auch möglich sei. Pop sagte, die Wasserbetriebe seien eine ausgesprochen „gute Marke“ in der Stadt. Das Trinkwasser habe „beste Qualität“.

ABWASSER

Sechs Klärwerke reinigen täglich rund 620 000 Kubikmeter, also 620 Millionen Liter Abwasser. Zum Kanalnetz zählen außerdem 154 Pumpwerke und 1170 Kilometer lange Druckrohrleitungen. Laut Simon werden 500 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren allein in Kläranlagen investiert. Das Klärwerk Waßmannsdorf wird bis 2024 für rund 275 Millionen Euro modernisiert und erweitert. Es reinigt das Abwasser von rund 1,2 Millionen Berlinern und 120 000 Brandenburgern und ist nach Ruhleben das zweitgrößte Klärwerk der Region.

Auch die anderen fünf Kläranlagen werden mit einer sogenannten „vierten Reinigungsstufe“ nachgerüstet, um Phosphor zu entfernen. Im Klärwerk Schönerlinde sollen zudem auch Spurenstoffe entfernt werden. Dazu zählen unter anderem Medikamentenrückstände, Reiniger oder künstliche Süßungsmittel. Diese Stoffe gelten zwar nicht aktuell als problematisch, können aber durchaus langfristig gefährlich werden, wenn sie sich im Grundwasser anreichern. Denn 95 Prozent des Wassers stammt aus dem Berliner Stadtgebiet, das zu einem Viertel Wasserschutzgebiet ist. Die BWB plant überdies eine Anlage zur Verwertung von Klärschlamm.

ENERGIEWENDE

Im Juni 2014 wurde die Berliner Stadtwerke GmbH gegründet. Die Stadtwerke sind ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der BWB. Bisher durften sie ausschließlich erneuerbare Energien produzieren und nur diese am Berliner Markt vertreiben. Verboten war, zugekauften Öko-Strom zu liefern und dafür zu werben. Das hat sich unter Rot-Rot-Grün geändert. Der Vertrieb zugekaufter erneuerbarer Energien wurde explizit erlaubt. Außerdem bietet das Landesunternehmen Energiedienstleistungen an. Fast 27 000 Haushalte könnten von den Stadtwerken derzeit mit Öko-Strom aus regionaler Erzeugung versorgt werden.

5000 Kunden haben die Stadtwerke aktuell. BWB-Chef Simon kündigte für dieses Jahr eine Marketingkampagne an. Die Stadtwerke wurden mit einem Eigenkapital von 100 Millionen Euro ausgestattet. Wirtschaftssenatorin Pop betonte, die Stadtwerke seien kein „reiner Stromhändler“, sondern würden mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) oder Wohnungsbaugesellschaften zusammenarbeiten und unter anderem Mieterstrommodelle entwickeln.

ARBEITGEBER

Die BWB haben 4355 Beschäftigte bei einem Frauenanteil von 31 Prozent. 42 Prozent der Frauen arbeiten in Führungspositionen. Die Ausbildungsquote liegt bei 6,5 Prozent. 256 Jugendliche erlernen einen Beruf. Das Unternehmen hat ein Demografiekonzept erarbeitet. In den kommenden Jahren prognostizierte BWB-Vorstandschef Simon „Hunderte von Neueinstellungen. Wir werden als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen.“

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