Bilanz der Lkw-Kontrolle : Schrottlaster ohne Bremse und Profil

Erschreckende Bilanz der jüngsten Lkw-Kontrolle der Berliner Polizei: Jeder vierte überprüfte Lkw hat teils gravierende Technikmängel. Und Gefahrgut ist oft schlecht gesichert.

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Schnell gelöscht. Bei Altglienicke geriet am Donnerstag der Reifen eines Tanklastzuges in Brand. Foto: Steffen Tzscheuschner
Schnell gelöscht. Bei Altglienicke geriet am Donnerstag der Reifen eines Tanklastzuges in Brand.Foto: Steffen Tzscheuschner

Die 76 hochentzündlichen Propangasflaschen drohten von der Ladefläche des Gefahrguttransporters zu rutschen, sie waren laut Polizei „völlig unzureichend gesichert“. Und auch der Lkw selbst, der in Reinickendorf gestoppt wurde, hatte gravierende Mängel am Fahrgestell. „Ein Materialbruch stand kurz bevor.“ Das ist ein Beispiel aus der erschreckenden Bilanz der jüngsten Lkw-Kontrolle der Polizei in Berlin am vergangenen Mittwoch.

Insgesamt wurden 220 Lastkraftwagen überprüft. Mehr als 50, also etwa jeder vierte, hatte teils schlecht gesicherte Ladungen oder erhebliche technische Mängel wie marode Bremsen oder abgefahrene Reifen. Sogar zwölf Lkws mit gefährlichen Gütern waren darunter. Neun davon wurde die Weiterfahrt untersagt. Und etwa vierzig Fahrer saßen übermüdet am Steuer, weil sie vorgeschriebene Pausen übergangen hatten.

Für die Kontrolleure gehören solche Ergebnisse zum Alltag. Die hohe Zahl der Verstöße beschäftigt die Polizei seit etlichen Jahren. Eine Besserung sei derzeit leider nicht in Sicht, sagt Wolfgang Mache vom zuständigen Zentralen Verkehrsdienst der Polizei. Das Bundesamt für Güterverkehr, das selbst pro Jahr bundesweit rund 600 000 Lkw-Kontrollen durchführt, bestätigt dies. „Bei jedem vierten bis fünften überprüften Lastzug gibt es Beanstandungen“, sagt Sprecher Horst Roitsch. Zu etwa 70 Prozent handele es sich um überschrittene Lenkzeiten, bei allen weiteren Verstößen lägen Technikmängel vor.

Die Schwerpunktkontrollen vom vergangenen Mittwoch waren Teil einer europaweiten Polizeiaktion. Denn die Probleme sind überall ähnlich. „Als Folge des großen Konkurrenzdrucks der Speditionen gibt es auch in anderen Ländern beträchtliche Beanstandungen“, heißt es bei der Polizei. Da werde dann schon mal eine Geldbuße einkalkuliert, zumal die Strafen in Deutschland nicht allzu hoch ausfallen. Für eine unterschlagene 30-Minuten-Pause sind etwa 120 Euro zu zahlen, für eine schadhafte Bremse bis zu 1000 Euro. Am meisten fürchten die Fahrer zusätzliche Strafpunkte in Flensburg, weil dies ihre Berufsausübung gefährden kann.

Neun Stunden darf ein Fahrer täglich am Steuer sitzen, nach viereinhalb Stunden muss er eine 45-minütige Pause einlegen. Nach Angaben des Landesamtes für Arbeitsschutz wird die Tagesfahrtzeit bei Verstößen meist um zwei bis drei Stunden überschritten. Seit 2006 muss zwar in allen neuen Lkws eine digitaler Zeitmesser eingebaut sein. Laut Polizei gingen die Verstöße aber nicht zurück – zumal sich auch das neue Gerät manipulieren lasse.

Schwerpunktmäßig verfolgen die Berliner Kontrolleure zur Zeit vor allem polnische Tanklastzüge, weil diese „teils katastrophale Bremsen und Fahrgestelle“ haben. „Es sind ausrangierte deutsche Modelle, die notdürftig repariert wieder zum Einsatz kommen“, sagen Experten. Rund 70 Beamte sind für solche Aktionen ständig auf Berlins Straßen unterwegs.

Dass sich gezielte Verfolgungen lohnen, zeigt laut Polizei das Beispiel der Reisebusse. Seit 2003 wurden sie öfter überprüft, zumal auch Fahrgäste kritischer hinschauten. Damals gab es 22 Prozent Beanstandungen, heute sind es sechs Prozent.

Lobende Worte findet Wolfgang Mache vom Zentralen Verkehrsdienst auch für den Fahrer des Tanklasters, der am Donnerstag auf der Autobahn bei Altglienicke mit einem in Brand geratenen Reifen stoppte. Eine Bremsscheibe hatte sich erhitzt, was sich laut Polizei nicht auf technische Mängel zurückführen lässt. Trotz der 30 000 Liter Benzin im Tank, flüchtete der Fahrer nicht, sondern erstickte das Feuer mit einem Schaumlöscher. „Das war mutig“, sagt Mache. Christoph Stollowsky

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