Bilanz eines Wochenendes : Rechtsextreme treiben ihr Unwesen in Berlin

Ein Hitlergruß vor einer Synagoge, zerkratzte Gedenksteine, versammelte Neonazis gedenken eines toten NPD-Funktionärs: Auch am Wochenende stifteten Rechtsextreme Unruhe in der Hauptstadt.

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Zerstörte Stolpersteine, Hitlergruß, Neonaziansammlung in Neukölln - in Berlin waren am Wochenende die Rechtsextremen aktiv.
Zerstörte Stolpersteine, Hitlergruß, Neonaziansammlung in Neukölln - in Berlin waren am Wochenende die Rechtsextremen aktiv.Foto: dapd

Berlin - Ein Hitlergruß vor einer Synagoge, zerkratzte Stolpersteine, versammelte Neonazis gedenken eines toten NPD-Funktionärs. Auch am Wochenende waren Rechtsextreme in der Stadt aktiv. In der Nacht zu Sonntag stoppten Objektschützer der Polizei in Charlottenburg einen betrunkenen Mann, der gerade vor der Synagoge in der Joachimstaler Straße den rechten Arm zum Hitlergruß gestreckt hatte. Der 30 Jahre alte Berliner beleidigte die Objektschützer, die übergaben ihn anrückenden Beamten. Der Mann ist polizeibekannt, gegen ihn wird nun wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Beleidigung ermittelt.

Einige Stunden zuvor hatte ein aufmerksamer Passant in der Gleditschstraße in Schöneberg zerstörte Stolpersteine bemerkt. Unbekannte hatten drei der dort im Boden eingelassenen Messingplatten beschädigt, vermutlich mit einem Schraubenzieher. Alarmierte Beamte nahmen eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung auf. Die durch Spenden finanzierten Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus vor deren früheren Wohnorten. Die Gedenktafeln sind kubische Steine. Auf ihrer Oberseite befindet sich eine individuell beschriftete Messingplatte.

Am Freitag hatten sich junge Neonazis vor dem Klinikum Neukölln gesammelt. Dort starb vor einem Jahr der NPD-Funktionär Jürgen Rieger. In einem einschlägigen Internetforum beschweren sich die Rechtsextremen über Einsatzkräfte der Polizei, die einigen der Anreisenden offenbar Platzverweise erteilt hatten. Der 63-jährige Rieger hatte im Oktober 2009 bei einer Sitzung des NPD-Vorstands einen Schlaganfall erlitten, an dessen Folgen er verstorben war. Der Anwalt versuchte, bundesweit in Kommunen gezielt Immobilien zu kaufen, von denen es hieß, sie würden zu Schulungszentren für die rechtsextreme Szene ausgebaut.

Aus dem Umfeld derselben Clique, die des Ex-NPD-Manns in Neukölln gedachte, sollen Kennern zufolge auch die Rechtsextremen kommen, die schon am Mittwochmorgen in Neukölln und Kreuzberg unterwegs waren: In den von Einwanderern und Linken geprägten Kiezen schmierten sie Parolen und verbotene Keltenkreuze an Wände. An einem bekannten linken Laden in der Manteuffelstraße wurde Feuer gelegt. In Neukölln sprühten die Täter vor der Wohnung einer Privatperson eine Morddrohung an die Hauswand. Am Abend demonstrierten dagegen bis zu 300 Linke. Es gab Rangeleien mit der Polizei. Schon 2009 warfen Neonazis in Kreuzberg und Neukölln die Fenster alternativer Kneipen, Parteibüros und Kulturvereine ein.

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