Bilanz : Union gegen Dresden: Polizei ließ nichts anbrennen

Das "Risikospiel" zwischen Union Berlin und Dynamo Dresden am Sonntag ist ohne größere Auseinandersetzungen der Fans abgelaufen. Absprachen mit den Vereinen ermöglichten einen zurückhaltenden Einsatz der Sicherheitskräfte. Dennoch waren 1600 Beamte präsent.

Jörn Hasselmann

Fans und Vereinsführung sind erleichtert: Beim Drittligaspiel am Sonntag zwischen dem 1. FC Union und Dynamo Dresden hat die Polizei ihren Einsatz fühlbar und sichtbar zurückhaltender gestaltet. Union-Präsident Dirk Zingler ist froh, dass die Polizei "weniger martialisch" aufgetreten ist als bei den vorangegangenen „Risikospielen“ seines Vereins. In den vergangenen Jahren waren direkt vor dem Stadion Wasserwerfer aufgefahren worden, Hubschrauber hatten unaufhörlich am Himmel geknattert.

Die beiden Vereine haben sich dies verdient, hieß es gestern in der Polizeiführung. Denn vor allem die Dresdener Fans und ihr Verein hätten sich deutlich gewandelt. "Es waren Absprachen möglich, denen wir trauen konnten", hieß es. Und auch Union habe zur Deeskalation beigetragen, indem den Dresdener Fans im Stadion sogenannte "Choreografien" erlaubt worden sind. Sie durften zum Beispiel Farbtafeln schwenken – und sich damit ausleben. Diese Choreografien waren in der Vergangenheit verboten.

Aus Problemen der Vergangenheit gelernt

Wegen der besseren Kooperation mit beiden Vereinen hatte das Präsidium in diesem Jahr darauf verzichtet, die alte Diskussion über die Kosten des Polizeieinsatzes wieder aufzuwärmen. Beim Spiel Union gegen Dresden im April 2008 hatte die Polizei, wie berichtet, den Köpenickern zunächst verboten, Karten an Dresdener Fans zu verkaufen. Erst nach mehreren Krisensitzungen mit dem Fußballverband hatte die Polizei nachgegeben und die "kontrollierte" Anreise in einem Sonderzug erlaubt.

Im September vergangenen Jahres hatte die Polizei in dem Streit nachgelegt – und angedroht, risikobehaftete Spiele ganz zu verbieten. "Rechtlich gibt es keine Bedenken, ein Risikospiel zu verbieten", heißt es in einem juristischen Gutachten, das zwei leitende Beamte verfasst hatten. Polizeivizepräsident Gerd Neubeck hatte die Verbotsandrohung damit gerechtfertigt, dass durch die Einsätze bei Risikospielen "erhebliche Ressourcen gebunden werden, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden", und Innensenator Ehrhart Körting hatte die Verbotsdrohung im Abgeordnetenhaus verteidigt. Fußballfans waren empört, die Vereinsführung ebenso.

Lob für die Polizei

Am Montag lobten sowohl Fans als auch Vereinspräsident Zingler die optische Zurückhaltung der Polizei. "Eine andere Strategie", sagte Zingler. Der Union-Chef forderte aber, dass die Zahl der Beamten gesenkt werden müsse. "So viele Polizisten brauchen wir nicht."

Dennoch waren dem Vernehmen nach beim Sonntagsspiel eher mehr Polizisten im Dienst gewesen als sonst: 1600. Alleine die Bundespolizei setzte 500 Mann ein, um die 3000 Dresdener Fans in Schach zu halten. Darunter waren 300 "Problemfans", von denen 40 der Schlägerkategorie "C" zugeordnet werden, die als äußerst gewaltbereit gelten. Sie wurden von einem dichten Kordon behelmter Polizisten in einem Block vom Stadion zu ihrem Sonderzug gebracht. Wie ein Polizeiführer am Sonntag während des Einsatzes sagte, war angesichts des Nieselregens und der Niederlage die Dresdener Krawallneigung deutlich gedämpft gewesen. 15 Dresdener wurden festgenommen, "nur 15", wie der Beamte sagte. "Ein Sieg in Berlin und besseres Wetter – und das hätte hier anders ausgesehen." Deshalb standen auch am Sonntag Wasserwerfer bereit, nur eben außerhalb der Sichtweite der Fans.

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