Berlin : Bilderreigen mit Musik

Mit drei Filmnächten im Schlosspark Sanssouci wird Potsdams Geschichte als Filmstadt gefeiert

Potsdam - Dieser Edward Cullen aus den „Twilight“-Filmen, das ist doch nur der nette Blutsauger von nebenan – jedenfalls im Vergleich zum Grafen Orlok, wie ihn Max Schreck 1922 in F. W. Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ dargestellt hat: Ein Albtraum in Schwarzweiß, Spinnenfinger mit Nägeln wie Dolchen, kahler Schädel, Fledermausohren, die Eckzähne schön spitz.

Der an Bram Stokers „Dracula“-Roman angelehnte Horrorfilm, ein früher Klassiker des Genres, eröffnet an diesem Donnerstag die dreiteilige Reihe der „Ufa Filmnächte“ im Schlosspark Sanssouci. Sie gehören zu dem sich übers Jahr verteilenden Programm, mit dem Potsdam seine 100-jährige Geschichte als Filmstadt feiert. Vor der Kulisse der Orangerie an der Maulbeerallee werden eine Leinwand und Sitze für etwa 800 Zuschauer aufgebaut – und eine Bühne für das Deutsche Filmorchester Babelsberg, das zwei der Filme, darunter „Nosferatu“, begleitet.

Die Filme, legendäre Werke aus dem Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau- Stiftung, haben enge Beziehungen zu Potsdam und Berlin. Die Hauptdrehorte von „Nosferatu“ waren zwar Lübeck, Wismar und die Karpaten, Produktionsfirma war aber die Berliner Prana-Film GmbH, die die Innenaufnahmen in Johannisthal drehen ließ – und über dem Projekt zugrunde ging, wohl nicht zuletzt wegen eines Urheberrechtsstreits mit Stokers Witwe. Die Premiere am 4. März 1922 im Marmorsaal des Zoologischen Gartens soll aber noch überaus prächtig gewesen sein.

Es folgt „Das Flötenkonzert von Sanssouci“ von Gustav Ucicky, mit Otto Gebühr als Friedrich II., seiner Lebensrolle, die er hier erstmals in einem Tonfilm spielte. Die Verbindung zum Aufführungsort ist schon aus dem Titel ersichtlich, hinter dem sich eine Geschichte um politische Intrigen und Liebe im Vorfeld des Siebenjährigen Krieges verbirgt, zu dem der König den Marschbefehl während eines Flötenkonzerts erteilt. Ein Film voll deutschnationaler Gesinnung, typisch für die alte Ufa, gedreht unter anderem in Sanssouci, uraufgeführt am 19. Dezember 1930 im Ufa-Palast am Zoo.

Den Abschluss bildet „Der letzte Mann“ von F. W. Murnau mit Emil Jannings in der Titelrolle als gealterter Portier des Berliner Hotels „Atlantic“, der zum Toilettenmann degradiert wird. Der Stummfilm entstand im Ufa-Atelier Tempelhof und auf dem Freigelände Neubabelsberg, Premiere war am 23. Dezember 1924 wiederum im Ufa-Palast am Zoo.ac

Ufa-Filmnächte, Schlosspark Sanssouci, vor der Orangerie; 1. 9. „Nosferatu“, 2. 9. „Das Flötenkonzert von Sanssouci“, 3. 9. „Der letzte Mann“, jeweils 20 Uhr; Tickets für das „Flötenkonzert“ kosten 12 Euro, für die Stummfilme (mit Orchester) 18 Euro. Infos: www.ufa-filmnaechte.de

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