Bildung : Berlins Super-Uni heißt jetzt Einstein-Stiftung

Der Senat will die Spitzenforschung in Berlin mit jährlich 35 Millionen Euro fördern. Die neue "Einstein-Stiftung" soll die Debatte um die Super-Uni schlichten.

Tilmann Warnecke,Amory Burchard

Mathematik, Kulturwissenschaften, Systembiologie und optische Forschung: Auf diesen Gebieten könnten bald die ersten Wissenschaftler der neuen „Einstein-Stiftung“ arbeiten, mit der der Senat die Spitzenforschung in Berlin fördern will. Diese Bereiche nannte Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD), als er die Stiftung im Roten Rathaus vorstellte. Bereits Anfang 2009 sollen die ersten Projekte starten. Unter dem Stiftungsdach sollen Spitzenforscher aus Berliner Unis und außeruniversitären Instituten arbeiten sowie Wissenschaftler aus dem Ausland berufen werden. Auch Master-Studiengänge und Doktorandenprogramme sollen aufgelegt werden. Das Promotionsrecht bleibt aber bei den Unis.

Wie viele Wissenschaftler gefördert werden, ließ Zöllner offen. Jährlich stehen in den nächsten zwei Jahren 35 Millionen Euro zur Verfügung, danach 40 Millionen Euro. Ein eigenes Haus soll die Einstein-Stiftung nur für die Geschäftsführung bekommen, nicht jedoch für die Forscher. Die Wissenschaftler sollten vielmehr in den Unis und Instituten bleiben, sagte Zöllner. Sie sollen aber über die Institutionen hinweg kooperieren.

Ist der Streit um die „Super-Uni“ damit beendet? FU und TU knüpften ihre Zustimmung an eine Millionen-Forderung, die zuvor erfüllt werden müsse: Wegen der Steigerungen für Energie- und Personalkosten verlangten die Berlins Unis ab 2010 rund 160 Millionen Euro mehr Landeszuschuss pro Jahr. Zöllner sagte nun, die Entscheidung sei „in Einvernehmen“ mit den Präsidenten gefallen. Über die neuen Hochschulverträge könne er vor den Haushaltsverhandlungen aber nichts sagen. Die Tarifsteigerungen dürften die „Manövrierfähigkeit der Universitäten nicht einschränken“.

FU-Präsident Dieter Lenzen äußerte sich zurückhaltend: „Jetzt ist die Gesamtkonstruktion bekannt, wir werden sie einer genauen Prüfung unterziehen.“ Kurt Kutzler, Präsident der TU, sagte, auch die Universitäten wollten zügig handeln und hätten bereits Anträge auf Förderung eingereicht. HU-Präsident Christoph Markschies begrüßte die Gründung: „Die Humboldt-Universität freut sich sehr darüber, dass die Einstein-Stiftung nun endlich ihre Arbeit aufnehmen kann und der Senator nochmals seinen Einsatz für die Grundfinanzierung bekräftigt hat.“

Wer verteilt das „Einstein“-Geld? Eine „Dachstiftung“ wacht über die vom Senatsmittel und soll von privaten Spendern und Unternehmen zusätzliches Geld einwerben. Im Vorstand sitzen Zöllner, Finanzsenator Thilo Sarrazin und der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie, Günter Stock. Stock ist auch Kuratoriumsvorsitzender der Humboldt-Uni. Eine Bevorzugung der HU sehe er darin nicht, sagte Zöllner. Zwei Mitglieder könnten hinzukommen.

Die Dachstiftung verteilt das Geld an ein zweite Organisationsebene, eine gemeinnützige GmbH. Deren Aufsichtsrat, in dem die Uni-Präsidenten und Vertreter der vier großen Forschungsorganisationen sitzen, entscheidet über die Projekte. Der Vorstand der Dachstiftung könne allerdings vorgeben, welche großen gesellschaftlichen Probleme die Forscher anpacken sollten, sagte Zöllner.

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