Bildung : Brandenburgs Schüler verklären DDR

Wer die Mauer baute, wissen Schüler selten. Eine FU-Studie zeigt vor allem die Unkenntnis der Schüler in auf. Grund für das Wissendefizit: Der SED-Staat kommt kaum im Unterricht vor.

Thorsten Metzner

Potsdam - Viele Brandenburger Schüler verklären Honeckers SED-Diktatur aus Unkenntnis zum Sozialparadies. Das geht aus einer Studie der Freien Universität Berlin hervor, für die im Rahmen eines bundesweiten Projektes auch das Wissen über die DDR von 750 Schülern aus 10. und 11. Klassen in Potsdam, Neuruppin und Frankfurt (Oder) getestet wurde. Zuvor hatten, wie berichtet, bereits Teilstudien über Schüler in Berlin und Nordrhein-Westfalen ebenfalls große Lücken im Wissen über die DDR ergeben. „Aber Brandenburg ist klar das Schlusslicht: Hier sind Unwissen und Verklärung am größten“, sagt FU-Professor Klaus Schroeder vom Forschungsverbund SED-Staat.

So konnte mehr als die Hälfte der Brandenburger Schüler (54,4 Prozent) nicht das Jahr des Mauerbaus nennen. Nur jeder Dritte wusste überhaupt, dass es die DDR war, die die Mauer gebaut hat. Ebenfalls jeder Dritte hielt Willy Brandt und Konrad Adenauer für DDR-Politiker. Die Aussage, dass die DDR durch demokratische Wahlen legitimiert gewesen sei, lehnten lediglich 38 Prozent ab. Knapp 18 Prozent sehen die DDR dagegen als demokratischen Staat, 44 Prozent konnten die Frage nicht beantworten. Dazu passt, dass jeder Vierte die DDR nicht für eine Diktatur hält, dass fast 70 Prozent der Schüler meinen, dass die Bundesrepublik vor 1989 nicht besser als die DDR war oder sich zumindest in dieser Frage unentschieden zeigen. 37 Prozent der Schüler halten die Stasi für einen normalen Geheimdienst. Die meisten glauben, dass die Renten in der DDR höher waren als heute – nur 36 Prozent tun das nicht. Eine relative Mehrheit war auch der Auffassung, dass die Umwelt in der DDR – dem Land der Trabbis, Braunkohleöfen und des Bitterfelder Smogs – sauberer war als heute. Und die meisten Schüler glauben laut Studie, dass das Vermögen in der DDR gleichmäßig verteilt war. Dabei besaßen in der DDR zehn Prozent der Kontoinhaber 60 Prozent der Vermögen, wie Schroeder sagt. „Auch im Realsozialismus, den PDS-Politiker als gerecht verklären, war das Geldvermögen nicht gleich verteilt.“

Zusammengefasst konnten 71,8 Prozent der Brandenburger Schüler nur die Hälfte oder noch weniger der 18 Wissensfragen zur DDR richtig beantworten. Als Hauptursache dafür sieht Schroeder vor allem Defizite im Bildungssystem Brandenburgs. Die Schüler hätten ihr Wissen über die DDR vorwiegend aus Filmen oder der Familie, da an den Schulen die DDR-Geschichte kaum behandelt werde. Dabei gibt es laut Studie einen direkten Zusammenhang: Je jünger die Schüler sind und je geringer ihre Kenntnisse, desto größer ihre Verklärung der DDR.

Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) zeigte sich nicht überrascht von den Ergebnissen. Er verwies darauf, dass der Landtag jüngst ein Konzept für einen offensiveren Umgang mit der DDR-Geschichte beschlossen habe, demzufolge an den Schulen dieses Kapitel intensiver behandelt werden soll.

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