Berlin : Bildung gegen Verwahrlosung: Die „Arche“ gründet eine Schule

Die Initiatoren der Hellersdorfer Suppenküche haben große Pläne – Im Sommer 2006 soll es mit vier Klassen losgehen

Susanne Vieth-Entus

Es begann mit einer kostenlosen Suppenküche für Hellersdorfer Kinder, entwickelte sich zu einem großen Freizeit- und Beratungszentrum, expandierte nach Friedrichshain und soll jetzt in einer eigenen Schule münden: Das christliche Kinder- und Jugendwerk „Die Arche“ e.V. hat große Pläne. Das Ziel lautet: Kinder vor Verwahrlosung bewahren und ihre Lebenschancen erhöhen.

Zurzeit kommen täglich über 200 Kinder in die „Arche“, die der evangelische Pastor Bernd Siggelkow vor zehn Jahren ins Leben rief. Hier werden sie beköstigt und können entscheiden, ob sie die Nachhilfeangebote annehmen oder Hausaufgaben machen, ob sie musizieren oder eher ein Beratungsgespräch brauchen.

Irgendwann tauchte der Gedanke auf, dass man für die Kinder noch mehr tun könnte, wenn man sie bereits vormittags in der Schule unter die Fittiche nähme. „Da wir wissen, welche Probleme viele Kinder haben und aus welchem Umfeld sie kommen, ist es nahe liegend, dass man auch in der Schule mit diesem Wissen arbeitet“, begründet Kai Uwe Lindloff, Pfarrer und Vorstandsmitglied der „Arche“, die Idee der Schulgründung.

Das Vorhaben ist schon weit gediehen. Als Standort käme die benachbarte Bücherwurm-Grundschule infrage, die mangels Nachwuchs im Sommer geschlossen wurde. Lindloff kann sich vorstellen, dass sein Verein den Zuschlag für die Nutzung des Gebäudes bekommt. Auch einen Partner für die Schulgründung gibt es schon: Die Freie Evangelische Schule Berlin in Prenzlauer Berg will kooperieren. Mit einem anerkannten Träger an der Seite könnte man von Anfang an öffentliche Zuschüsse für die Schule bekommen, die im Sommer 2006 mit den Klassen 1 bis 4 beginnen und dann bis Klasse 10 hochwachsen soll.

„Wir wollen die Kinder rausholen aus der Spirale von Armut, Verwahrlosung und mangelnder Förderung“, beschreibt Wolfgang Büscher das Ziel. Der Medienberater und Journalist ist einer der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter der „Arche“, die sich zu über 90 Prozent aus Spenden finanziert. Was ihn und die anderen antreibt, ist die Verlassenheit und Verwahrlosung vieler Kinder und Jugendlicher, deren Eltern hoffnungslos überfordert sind und mitunter sogar daran scheitern, staatliche Unterstützung zu beantragen. Öffentliche Schulen scheitern oft damit, Kinder aus derart schwierigen Verhältnissen zu fördern, weil sie ohne Sozialarbeiter auskommen müssen. Die „Arche“ hingegen hat die Möglichkeit, ihre Sozialarbeiter, die bereits in der Nachmittagsbetreuung tätig sind, in der Schule einzusetzen.

Weil die „Arche“ inzwischen so stark verankert ist in Hellersdorf, ist Lindloff sicher, dass es genügend Nachfrage nach der neuen Schule geben wird, die die Begabungen der Kinder herausfinden und gezielt fördern will. Wenn Eltern kein Schulgeld aufbringen können, sollen Unternehmen Patenschaften übernehmen. Entsprechende Gespräche liefen bereits, berichtet Büscher. Schließlich soll die Schule ja vor allem für Kinder aus sozial schwachen Familien da sein. Aber auch andere Kinder sind willkommen. Da die „Arche“ einen evangelischen Hintergrund hat, werden sich vermutlich auch bürgerliche und christlich geprägte Familien für die neue Schule interessieren.

An öffentlicher Unterstützung dürfte es nicht fehlen. Gerade erst hat Bernd Siggelkow den Verdienstorden des Landes Berlin erhalten – eine von vielen Auszeichnungen.

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