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Bildung in Berlin : 4,9 Milliarden Euro: So hoch ist der Schul-Sanierungsbedarf, aber ...

Die Schulverwaltung nennt die Zahlen Bezirk für Bezirk - die CDU war schneller. Akut ist ein Betrag von bis zu 1,5 Milliarden Euro.

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Die Turnhalle des Andreas-Gymnasiums in Friedrichshain gehört zu den prägnanten Beispielen für die schleppende Schulsanierung.
Die Turnhalle des Andreas-Gymnasiums in Friedrichshain gehört zu den prägnanten Beispielen für die schleppende Schulsanierung.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Jetzt ist es raus: 4,9 Milliarden Euro haben die Bezirke und Berufsschulen als Sanierungsstau benannt - akut sind 1,2 bis 1,5 Milliarden. Das berichtet die Bildungsverwaltung am Donnerstag, nachdem sie alle Daten aus den zwölf Bezirken zusammengetragen hat.

Einige SPD-geführte Bezirke hatte es bis zuletzt spannend gemacht: Noch am Mittwoch hatten sie die Angaben über ihren Schulsanierungsstau zurückgehalten. Während die CDU unkte, dass die SPD-geführte Bildungsverwaltung die Summen wohl noch runtergerechnet haben wollte, traten die CDU-Bildungsstadträte bereits an die Öffentlichkeit, um ihre Deutung der Zahlen abzugeben: Sie wollten schneller sein als Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles (SPD), der an diesem Donnerstag die Angaben kundtat.
Somit lagen bis Mittwoch nur aus acht Bezirken mehr oder weniger konkrete Angaben über den kurz-, mittel- und langfristigen Sanierungsbedarf vor. Die CDU rechnete am Mittwoch die Berliner Gesamtsumme auf fünf Milliarden Euro hoch - und lag damit ziemlich richtig.

Steglitz-Zehlendorf braucht 457 Millionen Euro

Neu war am Mittwoch vor allem die Zahl aus Steglitz-Zehlendorf: Bildungsstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) beziffert den Sanierungsstau auf 457 Millionen. Das sind nur rund 50 Millionen Euro mehr, als der Bezirk vor zwei Jahren veranschlagt hatte. Hingegen konnte der Bildungsstadtrat von Treptow-Köpenick, Michael Vogel (CDU), noch keine genauen Angaben machen: Er geht von rund 300 Millionen Euro aus. Diese ungefähre Summe ist auch aus Marzahn-Hellersdorf zu hören.

"Die Schulen sind als Steinbruch benutzt worden"

Inwieweit in diesen Angaben schon Architektengehälter, Brandschutz und Schadstoffsanierung enthalten sind – darüber gingen die Angaben am Mittwoch auseinander. Man habe jedenfalls keine „Mondsummen“ genannt, betonte Reinickendorfs Bildungsstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU). Ihr Bezirk benennt einen Stau von 410 Millionen Euro. Darin spiegele sich der „Substanzverzehr“ nach 20 Jahren SPD-Verantwortung, aber auch die stärkere Beanspruchung der Gebäude infolge des Ganztagsbetriebs. Stark sanierungsbedürftig sind unter anderem das Friedrich-Engels-Gymnasium sowie die Bertha-von-Suttner-Oberschule in Reinickendorf. Die Erledigung der allernotwendigsten Reparaturen an Reinickendorfer Schulen, würde, das geht aus dem Tagesspiegel-Newsletter "Leute Reinickendorf" hervor, über 21 Millionen Euro kosten.

"Die Schulen sind als Steinbruch benutzt worden", bedauerte Jutta Kaddatz, CDU-Bildungsstadträtin aus Tempelhof-Schöneberg, wo der Bedarf auf 550 Millionen Euro beziffert wird. Davon sind rund 60 Millionen Euro allerdings schon in der Investitionsplanung berücksichtigt, wie Kaddatz auf Nachfrage bestätigte.

Sanierungen so teuer wie neu bauen

Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles (SPD) warf der Bildungsstadträtin von Steglitz-Zehlendorf, Richter-Kotowski, vor, bei den Sanierungskosten zu hoch zu greifen. So sei es nicht glaubwürdig, dass allein die Sanierung der John-F.-Kennedy-Schule 30 Millionen Euro kosten solle – fast so viel wie ein Neubau. Richter-Kotowski konterte mit dem Hinweis, dass die Schule aus Grund- und Oberschule bestehe und mit ihren zahllosen Gebäuden eben ein besonderer Fall sei. Auch in Tempelhof-Schöneberg gibt es Schulen mit vergleichbar hohem Bedarf, darunter die Friedenauer Gemeinschaftsschule.

Die Sachen mit den Schulhöfen

Es gibt aber noch mehr Klärungsbedarf: So wunderte sich Rackles darüber, dass Charlottenburg-Wilmersdorf für zwei Schulhöfe jeweils einen Sanierungsbedarf von sechs Millionen Euro angab. Die Erklärung ist allerdings einfach: Die Schulhöfe seien rund 100.000 Quadratmeter groß, erläuterte Bildungsstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) am Mittwoch. Das liege daran, dass es sich um die beiden Waldschulen handele. Wenn man dem Vordruck zum Gebäudescan folge und die dort angegebenen Sanierungskosten pro Quadratmeter multipliziere, ergebe sich der hohe Gesamtbetrag, auch wenn es bestimmt nicht so teuer werde, da es sich eben um einen Schulhof mit Waldgrundstück handele.

Erstmals wurde der Bedarf einheitlich erhoben

Wie berichtet, hatte Rackles erstmals in der Berliner Geschichte dafür gesorgt, dass alle Bezirke nach einheitlichen Maßstäben ihren Sanierungsbedarf erfasst haben. Dafür einigten sich die Bezirke mit Rackles auf ein Formular, das für jede Schule ausgefüllt werden muss.

Aus dem SPD-geführten Bezirk Lichtenberg war bekannt, dass er 330 Millionen Euro veranschlagt. Charlottenburg-Wilmersdorf beziffert den Sanierungsbedarf seiner Schulen auf 368,1 Millionen Euro. Dies ist eine Versiebenfachung gegenüber 2014. Die Sanierungsmittel für Schulen waren in den letzten Jahren bereits erhöht worden, weil der Verfall immer spürbarer wird. Rund 200 Schulen profitieren allein in diesem Jahr. Innerhalb der Bezirke gibt es allerdings große Unterschiede beim Umgang mit den knappen Ressourcen.

Auch aus Spandau stehen die Zahlen fest. Die Rede ist von 305 Millionen Euro. "Früher haben wir immer gelacht, wenn wir uns die Ost-Berliner Schulen angeguckt haben“, gab am Mittwoch der Spandauer Bildungsstadtrat Gerhard Hanke (CDU) zum Besten. Heute lacht er nicht mehr.

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