Bildung : Umzugspläne verschrecken Schulen

Bei der am Dienstag beschlossenen Strukturreform der Schulen gibt es schon jetzt erste Verlierer und Gewinner. In Steglitz-Zehlendorf formiert sich bereits Widerstand gegen das Vorgehen.

Susanne Vieth-Entus
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Viel Mühe, Zeit und Geld haben Lehrer und Eltern in die Lichterfelder Käthe-Kruse-Grundschule investiert, um den Kindern ein kleines Paradies zu schaffen: Ein neu gestalteter Schulhof, eine Schülerbibliothek, frisch gestrichene Wände, dazu die aufwendigen Bauarbeiten an Hort und Mensa waren die Ergebnisse jahrelanger Planungen und Bauarbeiten. Nun ist all das in Gefahr – weil der Bezirk eine neue Sekundarschule plant.

Die am Dienstag beschlossene Strukturreform der Schulen bereitet einigen Bezirken offenbar schon bei der Vorbereitung große Probleme. Zum Beispiel das geplante Umzugskarussell in Steglitz-Zehlendorf: Bildungsstadträtin Anke Otto (Grüne) bestätigt „Überlegungen“ für einen Gebäudetausch zwischen der Max-von-Laue-Realschule und der rund 500 Meter entfernten Käthe-Kruse- Grundschule. Der Grund: Gegenüber der Grundschule befindet sich die Nikolaus-August-Otto-Hauptschule, die die Stadträtin gern mit der Laue-Realschule zu einer Sekundarschule verbinden würde. Der Haken: Die Schulen wollen nicht zusammengehen, sondern sich mit eigenen Konzepten zu getrennten Sekundarschulen entwickeln.

Hinzu kommt, dass die Laue-Realschule an ihrem jetzigen Standort hochzufrieden ist: Gerade wurde für rund 60 000 Euro vom Bezirk ein Blockhaus errichtet. Es beherbergt alles, was die Schule für ihr spezielles Profil braucht. Sie baut auf ihrem Gelände auch Wein an und keltert diesen auch selbst. „Noch vor den Winterferien wurde gesagt, dass wir einen neuen Container bekommen, um mehr Schüler aufnehmen zu können“, berichtet Günther Schrenk. Der entsetzte Schulleiter hofft nun, dass der Bezirk von dem Umzugskarussell abrückt.

Stadträtin Anke Otto (Grüne) betonte am Mittwoch, dass das Ganze nur „ein Szenario unter vieren“ sei. Die Entscheidung solle am Sonnabend auf einer außerordentlichen Bezirksamtssitzung fallen. Im übrigen könne, „was kurzfristig unakzeptabel wirkt, langfristig richtig sein“, verteidigt sie ihre Überlegung. Otto beklagt die Eile, die durch das Konjunkturprogramm entstanden sei: Die Bezirke sollen, wie berichtet, bis zum 16. Februar melden, wofür sie ihre jeweils zehn bis 15 Millionen Euro ausgeben wollen.

Auch aus Pankow gab es gestern konkrete Ansagen: Die Robert-Havemann-Gesamtschule wird bereits für 2090/10 zum Gymnasium umgewidmet, während die Hufeland-Hauptschule ab 2010/11 zu einer Sekundarschule ausgebaut werden soll, kündigte Stadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) an.

Als „verantwortungslos“ bezeichnete es gestern Robert Hasse, Rektor der mit Preisen ausgezeichneten Kreuzberger Zelter-Hauptschule, dass im Bezirk offen über das Ende dieser erfolgreichen und nachgefragten Schule geredet wird. Der Grund: Das Gebäude ist kleiner als von der Bildungsverwaltung für Sekundarschulen gefordert. „Ich habe das Gefühl, hier wird nach Quadratmetern vorgegangen und nicht nach Konzepten und Erfolg“, beklagt der Schulleiter.

Einige Bezirke wollen strittige Schließungs- oder Umzugsfragen nicht jetzt lösen. „Wir nehmen auf unsere Investitionsliste nur sichere Standorte, denn Seriosität geht vor Schnelligkeit“, sagt Stadtrat Reinhard Naumann (SPD) für Charlottenburg-Wilmersdorf. Hier sollen jetzt rund zwei Millionen Euro in die Mensen von Wegscheider-, Rathenau- und Ebert-Gymnasium fließen. Rund 9,4 Millionen soll der Ausbau von der Ustinow- und der Guericke-Realschule zu Sekundarschulen kosten.

Für Neukölln kündigte Stadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) Mittwoch an, dass erst einmal sämtliche Gymnasien Cafeterien oder Mensen bekommen. Ansonsten fließt das Geld in Standorte wie die Keppler-Schule, „bei denen wir keinen Moment zögern, dass sie bleiben“.Susanne Vieth-Entus

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