Bildungsbericht beschreibt typische Risiken : Wie die Eltern, so die Kinder

Der gemeinsame Bildungsbericht von Berlin und Brandenburg zeigt, woran es Kindern fehlt - und wie sehr ihre Chancen vom Status der Eltern abhängen.

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Wenn sie mal groß sind... Was aus Kindern wird, hängt stark von den Eltern ab.
Wenn sie mal groß sind... Was aus Kindern wird, hängt stark von den Eltern ab.

Viele Berliner Schüler haben weit mehr auf ihren Schultern zu tragen als einen schweren Ranzen. Etwa jedes dritte Kind (36 Prozent) kommt aus einer so genannten Risikofamilie, weil die Eltern entweder arbeitslos sind, unter der Armutsgrenze leben oder weder einen Berufsabschluss noch die Hochschulreife haben. In Brandenburg sind dies immerhin noch 25 Prozent der Kinder. Das illustriert der am Freitag in Potsdam vorgestellte dritte Bildungsbericht für Berlin und Brandenburg der Senatsbildungsverwaltung, des Brandenburger Bildungsministeriums und des Statistischen Landesamtes. Es gibt allerdings auch Zeichen einer leichten Verbesserung: Vor fünf Jahren kamen noch 40 bzw. 30 Prozent der Kinder aus solchen Familien.

Auch in anderen Bereichen liegen Licht und Schatten eng beisammen. So schaffen immer mehr Schüler in beiden Ländern einen Abschluss, wie Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch sagt. Und das Personal in Berlins Kitas ist in den vergangenen zwei Jahren um drei Prozent gestiegen, sagte Berlins Bildungsstaatssekretär Mark Rackles.

Schaut man sich an, wie die Schulerfolge und die Kita-Nutzung in der Stadt verteilt sind, bestätigt sich jedoch das Bild von einer anhaltenden sozialen Spaltung Berlins. So liegen Bezirke wie Treptow-Köpenick, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Pankow bei den Schulabschlüssen und anderen Faktoren wie zum Beispiel den Deutschkenntnissen der Schüler deutlich über dem Durchschnitt. Und Bezirke wie Mitte, Neukölln, Reinickendorf und teilweise auch Friedrichshain-Kreuzberg liegen deutlich darunter. Auch der Anteil der Kinder unter drei Jahren, die eine Kita besuchen, ist über die Stadt sehr ungleich verteilt, wenngleich hier einstige Problembezirke wie Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg deutlich aufgeholt haben und inzwischen über dem Berliner Durchschnitt liegen.

Dennoch illustriert der Bericht, dass gerade Familien, in denen zu Hause nicht Deutsch gesprochen wird, ihre Kinder seltener vor dem dritten Lebensjahr in Kitas schicken, wie Staatssekretär Rackles feststellte. Was einer der Gründe sein dürfte, wieso fast jedes zweite Kind aus Migrantenfamilien bei den Einschulungsuntersuchungen Sprachdefizite hat, während dies bei Familien ohne Migrationshintergrund nur knapp jedes zehnte Kind ist. Rackles kündigte an, mehr auf die Familien einzuwirken, diese Angebote wahrzunehmen.

Bildungsbericht-pdf

Die Opposition warf dem SPD-CDU- Senat vor, dass er zu wenig dagegen tue, den Bildungserfolg von der sozialen Lage abzukoppeln. So fehlten nach wie vor 1000 Erzieherinnen in Berlin, und integrative Schulformen wie die unter der vorigen rot-roten Regierung gestartete Gemeinschaftsschule oder die inklusive Schule für Menschen mit und ohne Behinderungen würden zu wenig gefördert, kritisiert die Linken-Bildungspolitikerin Regina Kittler. Die Grünen-Bildungspolitikerin Stefanie Remlinger bemängelte, dass immer noch zu wenig bekannt sei, wie man benachteiligten Schülern besser helfen könne. Es seien mehr Untersuchungen nötig, welche Konzepte welche Effekte haben, so auch bei dem so genannten Bonus-Programm, das Schulen in Berliner Problemvierteln mehr Geld zukommen lässt. Das sei im Prinzip ein gutes Modell – aber ob und wie es wirkt, werde nicht untersucht.

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