Bildungsbotschafter : Türkische Eltern sollen an Schulen aktiv werden

Emine Cabuk wird gerade zur Bildungsbotschafterin geschult. Die 50-jährige Mutter aus Zehlendorf soll demnächst nach Kreuzberg und Neukölln fahren, um dort türkischen Eltern zu vermitteln, wie wichtig es ist, sich an der Schule der eigenen Kinder zu engagieren.

Ferda Ataman

Berlin „Viele wollen, dass ihre Kinder einen guten Schulabschluss machen“, sagt Cabuk, „haben aber keine Ahnung, wie sie ihnen dabei helfen können.“ Oft wüssten Türken zu wenig über das deutsche Bildungssystem. An Schulen in Migrantenvierteln klagen Lehrer oft über leere Flure bei Elternabenden. Die Folgen sind verheerend: Jedes fünfte türkische Kind macht keinen Schulabschluss in Berlin, und nur wenige schaffen das Abitur.

Weil der Erfolg von Kindern stark vom Elternhaus abhängt, haben türkische Verbände in Berlin und anderen Städten beschlossen, Väter und Mütter gezielt anzusprechen, damit sie sich in Schulgremien engagieren und Elternabende wahrnehmen. Die Türkische Gemeinde Deutschland hat dafür zusammen mit der Föderation türkischer Elternvereine und anderen Dachverbänden ein bundesweites Projekt ins Leben gerufen namens „MOQA – Motivieren, Qualifizieren, Aktivieren“. Der Senat unterstützt das Projekt, das für drei Jahre Laufzeit rund 700 000 Euro aus Bundes- und europäischen Fördermitteln erhalten hat. „An einigen Schulen in Kreuzberg und Neukölln haben wir bereits erlebt, wie hilfreich es ist, die Familien in die Schule einzubeziehen“, sagt Claudia Zinke, Staatssekretärin in der Bildungsverwaltung.

In Abendkursen und Wochenendseminaren sollen die Eltern nun ab Oktober das deutsche Schulsystem und ihre Rechte und Pflichten kennenlernen. Besonders Engagierte sollen als ehrenamtliche Bildungsbotschafter losziehen und ihre Landsleute motivieren, auf die Lehrer zuzugehen. So wie Emine Cabuk es tun wird. Sie weiß jetzt schon, wie ihre Botschaft lauten wird: „Je mehr ihr euch an der Schule zeigt, desto besser werden die Leistungen eurer Kinder sein.“ 

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