Berlin : „Bildungshunger“: Elternaktion in der Fastenzeit

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Seit gestern ist Fastenzeit, 40 Tage lang. Doch manche fasten das ganze Jahr über – unfreiwillig. Die Berliner Schulen zum Beispiel. So fehlen an der Steglitzer Rothenburg-Grundschule Räume für den Unterricht ebenso wie für die Pause. Die Schüler essen im benachbarten Gymnasium. Zuletzt mussten rund 30 Prozent des Unterrichts vertreten werden, weil Lehrer krank waren, berichten die Eltern. Auch Förderstunden fielen aus. Und es ist schmutzig in der Schule.

Der Bezirkselternausschuss Steglitz-Zehlendorf hat sich vorgenommen, solche Missstände verstärkt publik zu machen. Schon im Dezember machte er durch eine Adventskalender-Aktion auf sich aufmerksam, während der Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) täglich ein „Türchen“ mit Beispielen für Lehrermangel öffnen durfte. Bei der gestern angelaufenen Fasten-Aktion wird der Bogen weiter gespannt: In einer Zeit, in der viele Menschen freiwillig Verzicht üben, soll zur Sprache kommen, worauf Schulkinder unfreiwillig verzichten müssen: auf Aufenthalts-, Arbeits- und Essenräume zum Beispiel, aber auch auf Spielgeräte, Schulbücher oder Freiflächen zum Toben.

„Bildungshunger“ heißt die Aktion des Bezirkselternausschusses. Damit Senator Zöllner wieder jeden Tag eine „Überraschung“ erlebt, werden noch Schulen gesucht, die eigene Missstände beisteuern. Sie sollen sich so schnell wie möglich an die Initiatorin der Aktion wenden. Mitmachen können diesmal nicht nur Schulen aus Steglitz-Zehlendorf, sondern aus ganz Berlin. Die Aktion soll zu Ostern beendet sein.

Wie kämpferisch gerade Eltern aus Steglitz-Zehlendorf sind, zeigte sich auch am Valentinstag, als sie zum wiederholten Male die Benefizaktion „Tulpen für Tische“ auf die Beine stellten. Auch dabei ging es darum, auf die desolate Ausstattung vieler Schulen aufmerksam zu machen. pul/sve

Kontakt zur Fastenaktion: E-Mail an daniela-von-treuenfels@t-online.de

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