Bildungspolitik : Schulreform: Die wichtigsten Antworten

Am Donnerstag soll das Abgeordnetenhaus über die Schulreform abstimmen. Was Eltern über die Sekundarschulen wissen sollten.

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Wann startet die Reform?

Die meisten Bezirke bieten den neuen Siebtklässlern ab diesem Sommer keine Haupt-, Real- oder Gesamtschulen mehr an, sondern nur Sekundarschulen und Gymnasien. Reinickendorf und Spandau ringen noch: Die Hauptschulen möchten sofort anfangen, die Realschulen ein Jahr warten. In Steglitz-Zehlendorf haben sich die Gesamtschulen entschieden, erst 2011 Sekundarschule zu werden.

Wann muss man sich anmelden?

Je nach Schulprofil gibt es verschiedene Fristen. Der reguläre Zeitraum ab Klasse 7 liegt zwischen 1. und 12. März. Es gibt aber Ausnahmen: Schulen mit besonderen Profilen wie Gemeinschaftsschulen und Europaschulen haben ihren Anmeldezeitraum vom 8. bis 17. Februar. Wer nach der 4. Grundschulklasse wechseln will, muss sich ebenfalls zwischen 1. und 12. März bewerben, es sei denn, er interessiert sich für die Schnellläuferzüge (Abitur nach elf Jahren) oder für naturwissenschaftlich geprägte fünfte Klassen: Hier meldet man sich vom 25. bis 28.Januar und 8. bis 10.Februar an.

Kann jedes Kind auf ein Gymnasium?

Zunächst ja. Generell gilt – wie bisher – , dass jeder Schüler auf ein Gymnasium kann, sofern er einen Platz findet. Allerdings ändert sich etwas an der Probezeit: Bisher lag sie bei einem halben Jahr. Wer sie bestand, konnte jedoch später gezwungen werden, die Schule zu verlassen. Das wird nun anders: Die Probezeit wird auf ein Jahr verlängert. Wer sie besteht, darf erst mal bis Klasse 10 bleiben.

Was passiert bei nachgefragten Schulen?

In diesem Jahr gilt noch: Wenn die Plätze nicht reichen, entscheidet letztlich die Wohnortnähe. Damit ist es 2011 vorbei. Dann entscheidet zunächst einmal die Schule: Sie kann 60 Prozent ihrer Plätze selbst vergeben und sich die Schüler so aussuchen, wie sie zu ihrem Profil passen. Weitere 30 Prozent der Plätze werden verlost und zehn Prozent bleiben Härtefällen vorbehalten.

Was unterscheidet Sekundarschulen von Gesamtschulen?

An den Sekundarschulen gibt es mehr Berufsorientierung und ab Klasse 9 spezielle Praxisklassen für schwache Schüler: Sie sind dann an drei Tagen pro Woche in Betrieben, was es bisher nur an Hauptschulen gab. Das gesamtschultypische Fega-Modell, also die Aufteilung der Schüler in verschiedene Leistungsgruppen, kann abgewandelt werden: Jede Schule soll künftig selbst entscheiden, wie sie der Unterschiedlichkeit ihrer Schüler Rechnung trägt: Sie kann auch versuchen, innerhalb einer Lerngruppe allen gerecht zu werden (Binnendifferenzierung).

Was unterscheidet Sekundarschulen von Haupt- und Realschulen?

Der Hauptunterschied besteht darin, dass Sekundarschulen am Nachmittag kostenlos Angebote vorhalten müssen. Ob der Verbleib der Schüler bis 16 Uhr verpflichtend ist oder nicht, kann die Schule selbst entscheiden. Zudem gibt es eine Essensversorgung, sobald die nötigen Umbauten fertig sind. Zudem gibt es – anders als an den bisherigen Realschulen – Erzieher oder Sozialarbeiter.

Führt die Sekundarschule zum Abitur?

Ja. Allerdings nicht unbedingt am selben Standort. Wenn eine Sekundarschule keine eigene gymnasiale Oberstufe hat, muss sie eine Kooperation mit einem Oberstufenzentrum oder mit einer anderen Sekundarschule vereinbaren, die eine eigene Oberstufe hat. Um den Sekundarschülern den vollen Stundenplan der „Turbo-Abiturienten“ zu ersparen, haben sie etwas weniger Unterricht. Deshalb werden sie in der Regel 13 Jahre bis zum Abitur brauchen.

Was wird mit dem Sitzenbleiben?

Zu Klassenwiederholungen können Gymnasiasten weiterhin gezwungen werden, Sekundarschüler nicht.

Wie verhalten sich die Privatschulen?

Je nach freiem Träger gibt es hier unterschiedliche Signale. Manche stellen gleich um, andere wollen erst 2011 Sekundarschulen bilden.

Wie informiert die Verwaltung?

Die Bildungsverwaltung hat im November an alle Sechstklässler Elternbriefe zur Sekundarschulrefom verteilt. Zudem erreichten rund 130 000 „Bildungsfahrpläne“ die Schulen. Nachdem die Reform am Donnerstag beschlossen ist, folgt eine weitere Informationskampagne.sve

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