Berlin : Bildungsreform: Expressabitur für alle Gymnasien

12 Jahre zum Abitur. Ist das in Berlin bald Realit

Die Verkürzung der Schulzeit zum Abitur steht auf der Tagesordnung des SPD-Bildungsparteitags am 7. April. In fast allen Bundesländern werden Verkürzungsmodelle diskutiert oder bereits umgesetzt. Auch die Stimmen für ein Zentralabitur werden immer lauter (siehe nebenstehender Beitrag). In Berlin wird seit Jahren diskutiert - bisher ohne Ergebnis. Schulsenator Klaus Böger (SPD) will jetzt Taten folgen lassen.

12 Jahre zum Abitur. Ist das in Berlin bald Realität?

Wenn es nach mir ginge, ja. Deshalb wurde dieses Ziel ja auch in den Leitantrag für den SPD-Bildungsparteitag aufgenommen. Wenn meine Partei am 7. April ein Signal gibt, und die CDU das unterstützt, sehe ich genügend Rückendeckung im Parlament für eine verkürzte Schulzeit.

Aber die Kultusministerkonferenz (KMK) hat doch klare Vorgaben für das Abitur gemacht. Demnach wird es nur mit mindestens sieben Gymnasialzeugnissen anerkannt. Bei sechsjähriger Grundschulzeit könnte man Abiturienten nur sechs Gymnasialzeugnisse geben.

In den fünften und sechsten Grundschulklassen müsste das Angebot qualitativ und quantitativ intensiviert werden. Wenn die KMK dennoch auf den sieben Gymnasialjahren beharrt, wird es mit der Verkürzung um ein ganzes Jahr schwierig.

Sie hätten aber nicht nur die KMK gegen sich. Erst kürzlich sprachen sich auch ihre SPD-Kollegen aus den anderen Bundesländern kategorisch gegen das 6-plus-6-Modell aus. Ist das verkürzte Abitur demnach nur mit einer vierjährigen Grundschule und grundständigen Gymnasien ab Klasse 5 zu haben?

Nein. Man könnte überlegen, ob man nicht allen Gymnasien freistellt, neben den normalen Zügen noch Schnellläuferzüge ab Klasse 7 anzubieten. Dies wird in Berlin ja schon an einigen Schulen ab Klasse 5 gemacht: Durch das Überspringen einer Klasse dauert es dann auch nur zwölf Jahre zum so genannten Expressabitur. Mein Kollege Jürgen Zöllner in Rheinland-Pfalz macht das jetzt an allen Gymnasien. Mir scheint das ein interessanter Weg. Wichtig ist, dass man den Schulen Spielräume lässt.

Aber Rheinland-Pfalz geht doch noch einen anderen Reformweg.

Ja, die sogenannte Mainzer Studienstufe. Dabei kann man das Abitur nicht erst im Mai, sondern schon im Februar ablegen. Das hieße, dass die Abiturienten ein Semester früher das Studium beginnen.

Es wird in Ihrem Haus doch schon eine ganze Weile über diese Variante nachgedacht. Wann passiert endlich was?

Wir arbeiten mit Hochdruck an den Vorbereitungen. Drei Monate einzusparen - das ist auf jeden Fall ein vernünftiger Weg. Dies können bereits die Schüler machen, die nächstes Jahr in die elfte Klasse kommen. Früher geht es nicht, weil die Einführungsphase der Oberstufe gestrafft werden muss. Wir könnten dann 2005 die vorzeitigen Abiturprüfungen abnehmen.

Die Schulen haben aber Bedenken. Denn die Verkürzung geht ja auf Kosten der Korrekturzeit für die Abiturarbeiten. Viele Lehrer sitzen schon jetzt Tag und Nacht über den Klausuren.

Die Belastung ließe sich reduzieren durch einen Mix von zentralen und dezentralen Elementen im Abitur. Holland macht dies, indem es zentrale Prüfungen mit dezentralen Bausteinen kombiniert.

Dadurch würde der Gestaltungsspielraum der Schulen aber eingeengt.

Durch die erweiterte Selbstständigkeit erhalten die Schulen viele Freiheiten. Damit es trotzdem berlinweit ein einheitliches Abiturniveau gibt, könnte man zentrale Prüfungsbestandteile einbauen. Im Übrigen müssen Sie immer Überzeugungsarbeit leisten, wenn Sie Veränderung wollen.

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