Bildungsreform in Brandenburg : Genügend Lehrer – und mehr als genug Streit

In der Verwaltung gibt es viel Kritik an Bildungsministerin Münch – und das ist nicht das einzige Problem der SPD-Politikerin. Über eines kann sie sich aber freuen: Es wird wohl gelingen, für das nächste Schuljahr ausreichend Pädagogen einzustellen.

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Viel zu tun. Auf Bildungsministerin Martina Münch warten große Aufgaben – und zwar nicht erst nach den Ferien.
Viel zu tun. Auf Bildungsministerin Martina Münch warten große Aufgaben – und zwar nicht erst nach den Ferien.Foto: dpa

Die Schulen im Land sind wegen der Sommerferien verwaist. Doch im Bildungsministerium herrscht Hochbetrieb – und es werden weiter Konflikte ausgetragen. In einer Angelegenheit immerhin gibt es gute Nachrichten: Damit im neuen Schuljahr ab Ende August nicht noch mehr Unterricht ausfällt, muss das Land knapp eintausend Lehrer einstellen, so viele wie nie zuvor seit 1990. Was noch vor einem halben Jahr als fast unmöglich galt, ist inzwischen fast geschafft. „Es läuft, die Einstellungen erfolgen fast täglich“, bestätigt Stephan Breiding, der Sprecher des Ministeriums. „Mehr als 80 Prozent des Bedarfs sind bereits gedeckt.“ Die Resonanz auf die eher nüchterne Anzeigenkampagne Brandenburgs, mit der das Land bundesweit Lehrer suchte, hatte jedenfalls alle Erwartungen übertroffen. „Es sind mehr als 6500 Bewerbungen eingegangen.“

Es gibt also durchaus einmal gute Nachrichten aus dem viel gescholtenen Bildungssystem der Mark. Gerade hatte die rot-rote Regierungskoalition, knapp zwei Monate vor der Landtagswahl am 14. September, auch noch verkündet, dass alle Lehrer im Land ab 2015/2016 eine Unterrichtsstunde pro Woche weniger arbeiten müssen. Damit wird eine Forderung erfüllt, mit der die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) vorher eineinhalb Jahrzehnte lang immer wieder gescheitert war. Und trotzdem gibt es im Landtag selbst in den eigenen Reihen kaum einen, der solche Fortschritte der Frau zuschreiben würde, die seit 2011 die Verantwortung für die Schulen trägt, die mehr Ressourcen hat als alle Vorgänger: Bildungsministerin Martina Münch (SPD). Sie schafft es nicht, ministeriumsinterne Probleme zu lösen.

Widerstand gegen eingeleitete Reform der Staatlichen Schulämter

Weiter auf Widerstände stößt die eingeleitete Reform der Staatlichen Schulämter, die zu vier Regionalämtern gestrafft und einem neu gebildeten Landesschulamt unterstellt werden. Nachdem es im Frühsommer bereits Unterschriftensammlungen gegen die Amtsführung und Personalpolitik Münchs und ihres Staatssekretärs Burkhard Jungkamp gab, hat sich jetzt der Hauptpersonalrat in einem Brief an die Ministerin erneut beschwert. Die Arbeit im Ministerium habe einen Zustand erreicht, „der uns mit großer Sorge erfüllt“, heißt es in dem Schreiben vom 26. Juni. „Mittlerweile gibt es eine Bündelung von nicht nachvollziehbaren Entscheidungen und Äußerungen, die eine geordnete Arbeit in Zweifel ziehen.“ Konkret nimmt der Hauptpersonalrat zum Beispiel Anstoß am unglücklichen Agieren Münchs beim Aufbau des Landesschulamtes, bei der Schulämterreform. „Die Schwächen der Vergangenheit lagen aus unserer Sicht nicht vordergründig bei den Schulämtern, sondern vor allem im Ministerium selbst.“

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte nach einem Veto der Linken in der rot-roten Koalition den Versuch Münchs gestoppt, kurz vor der Landtagswahl ihre Büroleiterin zur Präsidentin des neuen Landesschulamtes zu machen, nach einer allein landesinternen Ausschreibung, bei der diese die einzige Bewerberin war. Und bei der Personalie, die nun nach der Wahl dem neuen Kabinett vorgelegt werden soll, soll es laut Münch auch bleiben, die neue Schulbehörde mit einer kommissarischen Spitze wie geplant am 1. Oktober starten.

Ärger wegen Äußerungen zu Zwangsversetzungen von Lehrern

Dagegen interveniert der Hauptpersonalrat in seinem Schreiben. Er fordert wie die Landtagsopposition aus CDU, Grünen und FDP „eine sofortige bundesweite Neuausschreibung und eine Verschiebung des Starts“ des Landesschulamtes „bis zur Klärung der personellen Besetzung“. Die lediglich landesweite Ausschreibung und die öffentliche Diskussion nach Abschluss des Verfahrens hätten die designierte Präsidentin „ohne eigene Schuld im Ansehen geschädigt“. Die neue Behörde könne den Betrieb nur aufnehmen, heißt es weiter, „wenn alle Leitungsentscheidungen dauerhaft gesichert“ seien. „Eine verfügte kommissarische Leitung wird diesem Anspruch nicht gerecht.“ Münch lehnt dies weiter ab. „Es wäre fatal, den gesamten Ablauf infrage zu stellen“, sagt ihr Sprecher Breiding. Das Landesschulamt könne auch ohne Präsidentin an den Start gehen.

Des Weiteren beschwert sich der Personalrat über Äußerungen Münchs zu Zwangsversetzungen von Lehrern aus dem Speckgürtel in berlinferne Regionen, die die Ministerin nach Protesten in der Lehrerschaft und einer Rücktrittsforderung der GEW zurückgenommen hatte. „Von Mitgliedern der Landesregierung erwarten wir Sachkompetenz und eine gute Vorbereitung auf Pressegespräche“, rügt der Personalrat die Ministerin. „Von daher empfinden wir Entschuldigungen, dass man missverstanden wurde, als nicht akzeptabel.“ Auf das Schreiben hat Münch reagiert. Laut Breiding hat es „ein Gespräch mit der Ministerin gegeben, bei dem alle Themen besprochen wurden“. Fortsetzung folgt.

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