• Bildungssenator reformiert die Reform Grundschulen stehen nun erneut vor Veränderungen

Berlin : Bildungssenator reformiert die Reform Grundschulen stehen nun erneut vor Veränderungen

Susanne Vieth-Entus

Mit einer Fülle von Neuerungen reagiert Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) auf Klagen der Grundschulen. So will er niemanden mehr zwingen, die Jahrgänge in der Schulanfangsphase zu mischen. Zudem soll es wieder möglich sein, Problemkinder von der Schulpflicht zurückzustellen oder sie zumindest in kleinen Gruppen gezielt zu fördern. Das Profil von musik- und sportbetonten Grundschulen soll gesichert werden, zudem werden 200 zusätzliche Erzieherinnen eingestellt. Schulen fürchten dennoch Kürzungen, weil die Lehrerzuteilung insgesamt geändert wird. Die Auswirkungen sind noch nicht klar. Hier ein Überblick über die wichtigsten Neuerungen:

Aufschub für Jahrgangsmischung: Das Herzstück und zugleich meist umkämpfte Detail der Grundschulreform wird aufgeweicht – das jahrgangsübergreifende Lernen (Jül). „Wir halten daran fest, es an allen Schulen einzuführen“, sagt Zöllner. Aber die Schulkonferenzen können Aufschub beantragen, wenn sie ihre Probleme benennen und darlegen, „wie und wann sie gedenken, Jül einzuführen“. Da es unter Umständen dauert, die notwendigen Räumlichkeiten zu schaffen, will der Senator keinen Zeitpunkt vorgeben. Mieke Senftleben von der FDP kritisierte, dass die „Notbremsung viel zu spät erfolgt“. Um den Schulen die Jül-Einführung schmackhaft zu machen, bekommen sie pro Klasse und Woche zwei Lehrer- und vier Erzieherstunden zusätzlich.

Rückstellung von der Schulpflicht: Rigoros ging das neue Schulgesetz mit der Schulpflicht um: Sie wurde 2004 nicht nur um ein halbes Jahr vorverlegt, sondern gleichzeitig wurden auch die Rückstellungen abgeschafft. Während früher pro Jahr tausende Spätentwickler noch ein Jahr Aufschub hatten, mussten plötzlich alle eingeschult werden. Ziel war die möglichst frühe Förderung. In der Praxis erwies sich dieses Ziel aber als utopisch, weil in den Grundschulen Sonderpädagogen fehlten. Dem will Zöllner jetzt Rechnung tragen. „Kinder, die durch einen großen Entwicklungsrückstand von Behinderung bedroht sind“ können im Rahmen der schulärztlichen Untersuchung von der Schulpflicht für ein Jahr befreit werden. In dieser Zeit müssen sie eine Kita besuchen. Diese Regelung gilt bereits für Kinder, die 2008 eingeschult werden müssten. Erhard Laube vom GEW-Schulleiterverband hält das zwar für eine „pragmatische, aber keine pädagogische Lösung“. Er hätte es besser gefunden, die Kinder gleich einzuschulen, ihnen aber mehr Lehrer an die Seite zu stellen.

HIlfe für Problemkinder: Kinder mit Lernbehinderung oder Verhaltensstörung können wieder vor Schuleintritt diagnostiziert und vorübergehend in kleinen Gruppen gezielt gefördert werden. Das Schulgesetz hatte die frühe Diagnose dieser Kinder verhindert, was zu großen Problemen in den regulären Schulklassen führte, bis hin zur Einweisung dieser Kinder in die Psychiatrie. Jürgen Schwartz, Elternvertreter im Landesschulbeirat, fragt sich allerdings, wo das Personal für die Kleingruppen herkommen soll.

Lehrerzuweisung: Hier gibt es eine große Veränderung. Um „mehr Transparenz und Gerechtigkeit“ zu erreichen, sollen die Mittel, die es bisher für Deutsch als Zweitsprache und für regionale Brennpunktlagen gab, anders verteilt werden. Vorgesehen ist, dass künftig auch Schulen ohne Migranten von diesem Personaltopf profitieren können, wenn sie über 40 Prozent Kinder aus armen Familien haben. Schulen mit hohem Ausländeranteil fürchten jetzt, dass sie Stellen verlieren, weil es keine zusätzlichen Lehrer geben soll. „Eine schlichte Umverteilung der Mittel konterkariert das Ziel der qualitativen Sprachförderung“, kritisiert der Bündnisgrüne Özcan Mutlu. Eine weitere Änderung betrifft die Zuteilung der Lehrerstellen insgesamt: Bisher war die Schülerzahl entscheidend, künftig orientiert sich der Lehrerbedarf an der Anzahl der Klassen. Nicht verändert wird die Personalzumessung für besondere Profile. Deshalb werde sich für die musik- und sportbetonten Schulen nichts ändern, sagte Zöllner und zerstreute damit vorerst die Sorgen der Schulen. Susanne Vieth-Entus

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