Berlin : Billiger bildhauern in Charlottenburg

Zu Besuch bei den offenen Ateliers am Klausenerplatz

Mandy Schielke

Die Wände der kleinen Werkstatt sind weiß getüncht. In der Mitte des Raumes liegen Gliedmaßen aus Nylon und Watte. Das Atelier von Frauke Danzer sieht trotzdem aufgeräumt aus. Latexreste, Plastiken aus Papier und Wachs hat die Künstlerin ordentlich in den großen Wandregalen verstaut.

Am Sonnabend hatte sie anlässlich des Berliner Kunstherbstes ihre Werkstatt geöffnet und erlaubte den Blick hinter die Kulissen. „Ich arbeite mit Stoffen, die transparent sind und irgendwie an Haut erinnern“, erklärt die 33-Jährige. „Die Körper, die ich darstelle, bekommen dadurch etwas Lebendiges.“ Vor vier Jahren hat Frauke Danzer ihr Design-Studium beendet und ihr Atelier in der Künstlerwerkstatt „K19“ am Klausenerplatz bezogen. In einem abgewohnten Mietshaus haben sich neun Künstler niedergelassen. Frauke Danzer ist dabei die Jüngste. Warum hat sie sich für eine Werkstatt in Charlottenburg entschieden, wenn doch in jedem Reiseführer steht, dass sich die junge Kunstszene in Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain ansiedelt? „Ich habe an der HdK studiert und kenne die Gegend hier deshalb sehr gut. Ich könnte ich mir die Miete für ein Atelier in Mitte gar nicht leisten“, sagt sie. Sie trinkt Tee und hat sich heute in einen dicken Wollpulli gehüllt.

Auch Emanuel Scharfenberg arbeitet im Künstlerhaus am Klausenerplatz. Sein Atelier ist eigentlich eine Garage. Teile der Decke sind verglast. „Dadurch kann ich bei Tageslicht arbeiten, dass von oben auf eine Arbeit fällt. Das ist ideal für einen Bildhauer“, sagt der 71-Jährige. Sein Bart ist weiß. Mit dem Gedanken, sein Atelier in den Osten der Stadt zu verlegen, hat er nie gespielt. „Ich arbeite hier seit über 20 Jahren. Natürlich war Anfang der 90er Jahre die Aufbruchstimmung im Osten für Künstler verlockend“, erzählt er. „Aber nach Mitte wäre ich trotzdem nicht gegangen. Wer wie ich von seiner Kunst leben muss, kann sich ein Atelier in der Auguststraße nicht finanzieren.“ Außerdem solle man bei all dem Gerede um Mitte nicht vergessen, dass Charlottenburg eine Tradition als Künstlerviertel habe, betont Scharfenberg. Und die will er nicht verschwinden sehen. Viel los war in den Ateliers am Klausenerplatz am Sonnabend trotzdem nicht.

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