Berlin : Billigeres Ticket verteuert oft die Fahrt

Kritik am neuen Tarifsystem von BVG und S-Bahn vor allem an Regeln für den Einzelfahrschein

Klaus Kurpjuweit

Wütende Proteste auf einer Seite, aber auch Lob auf der anderen: Die neuen Tarifpläne der BVG und der S-Bahn, über die der Tagesspiegel gestern berichtete, haben ein unterschiedliches Echo ausgelöst. Besonders umstritten ist das Vorhaben, den Einzelfahrschein zwar billiger zu machen, dafür aber die Zwei-Stunden-Gültigkeit abzuschaffen. In Zukunft sollen nur noch Fahrten in eine Richtung auf direktem Weg möglich sein.

Wer mit dem Einzelfahrschein für 2,20 Euro zum Einkaufen und zurück nach Hause fahren konnte, muss in Zukunft nach den neuen Plänen für die Hin- und die anschließende Rückfahrt jeweils einen Fahrschein kaufen. Da er in Zukunft 1,90 Euro oder gar 2 Euro kosten soll, verteuert sich die Gesamtfahrt von 2,20 Euro auf 3,80 Euro oder 4 Euro.

Zehn Prozent der Kunden müssen nach BVG-Schätzung mehr bezahlen. Die Planer wollen den Preis senken, weil der Berliner Einzelfahrschein zu den teuersten in Deutschland zählt. Wenn die Kunden weniger zahlen, soll auch der Nutzen eingeschränkt werden. Zudem verweisen die Planer auf andere Städte, in denen meist ebenfalls nur Fahrten in einer Richtung zugelassen sind.

Christfried Tschepe vom Fahrgastverband IGEB sieht bei der neuen Regelung, die es in Berlin bis 1988 bereits gab, auch ein neues Konfliktpotenzial bei Kontrollen. „Wie soll man bei dem dichten Berliner Netz objektiv feststellen, welches wirklich der kürzeste Weg zum Ziel ist?“, fragt er. Besser wäre es nach seiner Ansicht gewesen, den Kurzstreckenbereich zu erweitern oder zusätzlich eine einstündige Gültigkeit des Fahrscheins einzuführen. Der CDU-Verkehrsexperte Alexander Kaczmarek bezeichnet die Pläne als „Mogelpackung“. Der Preis werde zwar gesenkt, am Ende müssten aber viele Fahrgäste mehr zahlen. Jutta Matuschek von der PDS wünscht sich zumindest einen „deftigen Preisnachlass“ für den Ein-Richtungs-Fahrschein. Auch für Michael Cramer von den Grünen ist die Preissenkung nur „ein kleiner Schritt in eine bessere Richtung“.

Umstritten ist auch der Plan, die Mitnahme von Rädern grundsätzlich kostenpflichtig zu machen. Christian Gaebler von der SPD und Jutta Matuschek verwiesen auf den Koalitionsvertrag von SPD und PDS, der eine kostenlose Mitnahme bei allen Inhabern von Zeitkarten vorsieht.

Keine Chance geben die Verkehrsunternehmen dem Vorstoß der CDU, ein „Schnäppchenticket“ einzuführen, das ab 10 Uhr gelten sollte. Hier lassen die Berliner den Vergleich mit anderen Städten nicht gelten, in denen es solche Angebote gibt. Sie sind bis zu 40 Prozent billiger als die „normale“ Monatskarte. BVG und S-Bahn befürchten aber, dass zu viele Kunden zum günstigeren Angebot wechseln würden. Die Verkehrsunternehmen wollen aber mehr Geld einnehmen.

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