Berlin : Billigflug kommt teuer

Geschädigte von BerlinJet wollen ihre Erstattungsforderungen jetzt gemeinsam durchsetzen

Rainer W. During

Geschädigte der Billigfluglinie BerlinJet, die am Donnerstag nach nur zehn Tagen ihren Flugbetrieb eingestellt hat, wollen sich jetzt zusammenschließen. Der Berliner Finanzberater Rüdiger Brill hat die „Interessengemeinschaft Berlinjet" gegründet, um die Ansprüche zu bündeln und das weitere Vorgehen zu koordinieren.

Brill selbst ist der Billigtrip teuer gekommen. Gemeinsam mit seiner Frau war er am Dienstag vergangener Woche von Schönefeld nach Mailand geflogen. Der Hinflug kostete nur einen Cent plus Steuern und Gebühren, für den gesamten Trip zahlte das Ehepaar rund 120 Euro. Doch der Rückflug am Donnerstag fand nicht mehr statt, niemand kümmerte sich um die rund 60 Gestrandeten, von denen einige bereits am Vortag vergeblich auf den Jet nach Berlin gewartet hatten. Mit der Fluglinie Swiss gelangte man via Zürich zurück in die Heimat, 500 Euro mussten für die neuen Tickets berappt werden.

Auch gestern kündigte BerlinJet auf seiner Website noch Bemühungen um einen Neustart mit einem anderen Flugpartner an. Doch gilt in Branchenkreisen als unwahrscheinlich, dass es den telefonisch nicht mehr erreichbaren Geschäftsführern Oliver Heinz und Torsten Mache noch einmal gelingt abzuheben. Buchungen sollen unter der angegebenen Adresse zur Erstattung eingereicht werden, doch sind viele der Betroffenen skeptisch, das noch etwas zu holen ist, nachdem das Unternehmen bereits die von ihm beauftragte Fluggesellschaft nicht mehr bezahlen konnte. Laut BerlinJet lagen bereits rund 45 000 Buchungen vor.

Geschädigte, die sich von der Airline betrogen fühlen, können bei jeder Polizeidienststelle Strafanzeige stellen, sagte Gerd Neuber, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt. Sie ist für den publizierten Firmensitz in Neu-Isenburg zuständig. Da die BJ Flugreisen GmbH aber beim Amtsgericht Wetzlar registriert ist und sich der Flugbetrieb auf den in Brandenburg liegenden Flughafen Schönefeld konzentrierte, ist noch unklar, welche Behörde strafrechtliche Ermittlungen übernehmen wird.

Gründer der Fluggesellschaft sind die ehemaligen Studenten Oliver A. Heinz (24) und Torsten Mache (25), die zuvor eine Internetagentur betrieben. In dem ehemaligen Lufthansa-Flugkapitän Klaus Marzina fanden sie einen fachkundigen Gesellschafter.

BerlinJet verfügt über keine eigene Fluglizenz, sondern verkaufte nur die Tickets für Maschinen, die von anderen Gesellschaften samt Piloten gemietet wurden. Schon im vergangenen Herbst waren Flüge von Frankfurt nach Brüssel und Berlin gescheitert.

Seinerzeit hatte sich mit dem Hinweis auf ausstehende Zahlungen der spanische Flugpartner Ibertrans zurückgezogen. Für den Neubeginn am 10. Februar war eine zweistrahlige McDonnell Douglas DM-83 der isländischen MD Airlines geleast worden, mit der aber nur für wenige Tage von Schönefeld nach München, Beauvais, Mailand und Nizza gestartet wurde. Die Flüge wurden ab neun Euro plus Steuern und Gebühren verkauft, zu bestimmten Terminen sogar für einen Cent verschleudert. Rainer W. During

Betroffene können sich bei Rüdiger Brill unter 030/20912950, Fax: 030/20912951 oder E-Mail: fairhelp@t-online.de melden. Auf seiner Website www.fairhelp.com hat Brill eine Rubrik „BerlinJet-Hilfe" eingerichtet.

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