Berlin : Billigfluglinie dba bleibt in Tegel

Gesellschaft verzichtet aber auf kompletten Umzug von München nach Berlin – weil Tempelhof dicht gemacht wird

Rainer W. During

Die Fluggesellschaft dba wird auf die geplante Verlegung ihrer Firmenzentrale mit 200 Arbeitsplätzen von München nach Berlin verzichten. Das erklärte gestern Geschäftsführer Hans Rudolf Wöhrl. Sein Vorschlag, den Flughafen Tempelhof zu übernehmen und bis zur für 2010 geplanten Eröffnung des neuen Airports Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld ohne Subventionen zu betreiben, sei „kein PR-Gag, sondern ehrliche Überzeugung“ gewesen. Er sei jedoch am Widerstand der Politik gescheitert.

Die dba hatte in Teile des riesigen Gebäudekomplexes in Tempelhof ziehen und ihre 72 täglichen Flüge von Tegel nach Tempelhof verlegen wollen. Voraussetzung sei die Garantie gewesen, dass der Zentralflughafen bis zur BBI-Eröffnung in Betrieb bleibt, sagte Wöhrl. Doch auf seine wiederholten Angebote habe er nie eine offizielle Antwort erhalten. Nur bei einem inoffiziellen Gespräch habe ihm der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit signalisiert, dass mit einer solchen Zusage nicht zu rechnen sei. Wie berichtet, will der Senat Tempelhof im Oktober nächsten Jahres schließen.

Der dba sind nach Angaben von Wöhrl, wie anderen Fluggesellschaften auch, von der Flughafengesellschaft Vergünstigungen für einen Wechsel nach Schönefeld angeboten worden. In Schönefeld müssten die Gesellschaften nur für die tatsächlich beförderten Passagiere zahlen, währen in Tegel ein Pauschalsatz verlangt werde, egal, wie viele Fluggäste in der Maschine saßen. Damit sei eine Landung in Tegel rund drei Mal so teuer wie in Schönefeld. Er halte eine solche Praxis für „fragwürdig“, sagte Wöhrl. Ob sie rechtlich zulässig sei, müssten andere Gremien entscheiden. Flughafen-Chef Dieter Johannsen-Roth hatte am Mittwoch erklärt, dass es bis auf einen leichten Tarifvorteil für alle Airlines von rund 1,50 Euro pro Passagier keine Vergünstigungen in Schönefeld gebe. Allerdings habe man sich gegenseitig zu „gewissen Leistungen“ verpflichtet, um die Serviceabläufe zu optimieren, sagte er zur Entscheidung des Billigfliegers Easyjet, Schönefeld zur ersten Deutschlandbasis zu machen.

Auch Wöhrl sieht den Zukunftsmarkt in Berlin. Das Kürzel dba lasse sich auch mit „Die Berliner Airline" übersetzen. Für Geschäftsreisende sei Schönefeld aber bisher keine Alternative. In Tegel, wo man mit rund 1,2 Millionen Jahrespassagieren die Nummer zwei hinter der Lufthansa ist, will er jetzt ein kleines Drehkreuz aufbauen. Zu den Linien nach Düsseldorf, Köln/Bonn, Stuttgart, München und Nizza kommen ab Montag drei werktägliche Flugpaare nach London-Gatwick. Für das kommende Jahr sind bereits Landerechte für eine neue Verbindung nach Paris-Orly beantragt.

Wöhrl hatte die dba in diesem Jahr von British Airways für einen symbolischen Preis von einem Euro übernommen. Jetzt versucht er, die bisher defizitäre Gesellschaft auf einen gewinnbringenden Kurs zu steuern.

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