Bioabfall : Bei der BSR gärt es nur einmal

Der Landesbetrieb verzichtet auf den Bau einer zweiten Anlage zur Energiegewinnung aus Bioabfall. Die Müllwagen fahren deshalb mehr - aber bald mit Biogas.

Stefan Jacobs

Je wärmer das Wetter, desto stärker ahnen es auch Laien: Im Inhalt der braunen Biotonnen steckt eine Menge Energie. Bis 2010 wollten die Stadtreinigungsbetriebe (BSR) zwei Vergärungsanlagen bauen, um dieses Potenzial zu nutzen. Kurz vor Beginn der Ausschreibung hat das Unternehmen seine Pläne nun geändert: Die geplante Anlage in Ruhleben soll größer werden als geplant – und die in Marzahn wird vorerst nicht gebaut. Nach Auskunft der BSR „überkompensieren die Vorteile der großen Anlage die logistischen Nachteile“. Soll heißen: Es lohnt sich auch, Bioabfall aus Köpenick 30 Kilometer nach Spandau zu fahren.

Ginge es nach der Landespolitik, soll die Menge des Bioabfalls von zurzeit 50 000 auf 100 000 Tonnen pro Jahr wachsen. Die von der BSR jetzt geplante Anlage soll allerdings nur 60 000 Tonnen aufnehmen können. Das entstehende Biogas will die BSR nutzen, um die eigene Fahrzeugflotte zu betanken. Ein Kapazitätsproblem sieht das Unternehmen nicht, zumal man ja die Fläche in Marzahn behalte, so dass man später auch dort bauen könnte. Und die Menge des Bioabfalls soll, wenn es nach der BSR geht, nicht um jeden Preis gesteigert werden – sonst könnte die zurzeit sehr hohe Qualität leiden: Das unappetitliche Gemisch aus Kaffeesatz und Kartoffelschalen lässt sich besser vergären als beispielsweise trockenes Laub.

In einer Klimaschutzvereinbarung mit dem Land haben die Stadtreinigungsbetriebe sich verpflichtet, ihren Kohlendioxidausstoß bis 2010 um 87 Prozent gegenüber dem Jahr 1999 zu senken. Bis Ende 2005 hatten sie nach eigenen Angaben bereits 69 Prozent geschafft – etwa durch Gewinnung von Energie aus Abfällen, Solaranlagen auf Recyclinghöfen und mit Erdgas betriebene Müllfahrzeuge, die weniger CO2 in die Luft blasen als Diesel-Lkw – und bald mit Biogas fahren sollen.

Bei der Umweltverwaltung hieß es am Montag: „Wir gehen davon aus, dass die BSR an ihren klimaschutzpolitischen Zielen festhalten wird und sie auch so erreichen kann.“ Wenn das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen seine Pläne ändere, sei das zunächst einmal in Ordnung.

Wie sich die neuen Pläne auf die Gebühren auswirken, ist der BSR noch nicht zu entlocken. Bisher war von etwa 25 Millionen Euro Kosten für die beiden kleineren Anlagen die Rede – und von einer Gebührenerhöhung ab 2009, die „möglichst unter der Inflationsrate“ liegen sollte.

Die BSR hat in Berlin das Monopol fürs Sammeln von Haus- und Biomüll. Dank der Biotonnen steigt auch die Qualität des Hausmülls, der ohne Bio besser brennt. Rund die Hälfte des eingesammelten Abfalls landet in der Müllverbrennungsanlage Ruhleben. Dort werden pro Jahr rund 600 Millionen Kilowattstunden Energie daraus gewonnen und ans benachbarte Kraftwerk Reuter abgegeben. Die andere Hälfte der Abfälle bereitet die BSR zu Brennstoffen für die Industrie auf. Die Zeit der Müllkippen ist ohnehin vorbei: Seit drei Jahren verbietet die EU, unbehandelten Hausmüll auf Deponien zu kippen. Dort, wo es früher getan wurde, werden jetzt die entstehenden klimaschädlichen Gase aufgefangen.

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